Autonomes Fahren: Macht Apple nun doch das Rennen?

Auf die Straße: Apple darf nun also auch autonomes Fahren mit Autos auf Kaliforniens Straßen testen. Spätestens seit 2015 wurde ja schon über das sogenannte Project Titan spekuliert, das über solche Technologien forschen soll. Doch jetzt hat die kalifornische Verkehrsbehörde Apple die Genehmigung erteilt, auf öffentlichen Straßen zu testen und machte Apples Pläne somit offiziell.

Haben wir also nur einen weiteren Gold Digger im großen Becken derjenigen, die das Rennen um die Mobilitätsrevolution machen wollen? Nicht ganz: Klar, die Vielzahl anderer lizensierter Firmen, die teilweise schon seit Jahren im Bereich autonomes Fahren aktiv sind, bedeuten starke Konkurrenz. Und mit Volkswagen, Daimler, Ford, GM oder Tesla sind auch schon einige Hochkaräter vertreten. Aber wie wir alle wissen, ist Apple eben nicht irgendwer. Doch kann der Gigant aus Cupertino mit dem Thema punkten?

Was für Apples Projekt spricht

Anscheinend will sich Apple mehr auf die Entwicklung von Software konzentrieren als auf den Bau eines einzigen selbstfahrenden Modells. Darüber spekulierte Bloomberg bereits 2016. Das gebe dem Unternehmen mehr Flexibilität: Zum Einen wäre es dadurch zum Beispiel einfacher, sich mit einem bereits etablierten Autobauer zusammenzutun. Zum Anderen wäre das die einzig relevante Nische im Bereich des autonomen Fahrens, der noch nicht von einem der Großen besetzt ist. Bis jetzt setzen alle auf Hardware mit der richtigen Software.

Nur Software? Nicht Apple-like

Zugegeben: Das wäre nicht wirklich Apples Stil, denn das würde zugleich bedeuten, dass sich der Konzern von seinem bisherigen Business-Modell wegbewegt, nämlich hochpreisige Devices mit durchdachter Software zu produzieren. Mit der Konzentration auf eine Software, die für Autohersteller frei zugänglich wäre, würde man demnach ein Modell verfolgen, wie etwa Microsoft mit Android.

Apple macht auf, nun ja, Apple

Nun seien wir mal ehrlich: Apple hat das Rad noch nie neu erfunden. Der Konzern kam weder mit dem ersten Personal Computer um die Ecke, noch mit den ersten Musik-Playern und das Mobiltelefon hat Apple erst recht nicht erfunden (streng genommen ja nicht einmal das Smartphone). Dennoch war Apple bei all diesen Produkten eine wichtige Kraft, die bereits Bekanntes revolutioniert hat. Vor allem drei Dinge waren und sind hierfür wichtig. Apple setzt auf ein Hammer Design, eine einzigartige User-Experience und eine innovative Support-Infrastruktur (iTunes, App-Store, etc). Und all das liefert Apple mit einer der Konkurrenz absolut ebenbürtigen Software und Technik ab.

All das berücksichtigt, könnte Apple also ein Auto auf den Markt bringen, das Kinderkrankheiten und Fehler der Konkurrenz löst und autonome Fahrzeuge massentauglich macht. Wobei Autos keine Smartphones sind – und Tesla diese mögliche Lücke schon gut gefüllt haben könnte.

Was gegen Apples Autopläne spricht

Apple ist trotz allem noch weit davon entfernt, dieses Rennen wirklich zu gewinnen. Auch wenn es ein gewaltiges Unternehmen ist und über Unsummen an Geldreserven verfügt – den langen Atem haben auch Konkurrenten. Und auch anderswo wird zu dieser Technologie geforscht; unter anderem an Universitäten, ganz befreit vom Konkurrenzdruck des Marktes.

Auch in Sachen Erfahrung muss Apple aufholen: Der Google-Mutterkonzern Alphabet zum Beispiel begann mit Tochter Waymo bereits vor acht Jahren mit der Arbeit an selbstfahrenden Autos und hat schon etwa drei  Millionen Testkilometer auf der Straße absolviert. Auch Vertrauensvorschuss genießt ein anderer: Tesla ist in diesem Bereich absoluter Börsenliebling, auch wenn der Autobauer, noch einen langen Weg vor sich hat.

Ob autonomes Fahren das nächste Steckenpferd des Tech-Giganten wird, bleibt also weiter abzuwarten.


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Berlin, Migration und Popkultur – hauptsache irgendwas mit Internet. Mag Print genauso gern wie Online, je nachdem wie schnell es gehen muss.

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