Cannes-Lions-Chef Papa im Gespräch

Künstliche Intelligenz ist dieses Jahr ein riesiges Thema hier in Cannes. Wann wird der erste Roboter einen Löwen gewinnen?

Das musst du Musk, Zuckerberg, Sandberg oder Spiegel fragen. Sie alle waren hier. Wenn man künstliche Intelligenz erst einmal als Teil unseres täglichen Lebens sieht, gibt es kein Zurück mehr. Letztes Jahr gab es ein gutes Beispiel, das war der Druck des …

… des nächsten Rembrandt.

Genau! Ein großartiger Case.

Gutes Stichwort. Kennst du die „Caseys“? Das ist eine Awardshow, die die besten Casefilme auszeichnet. Die haben Kategorien wie „Most impressive looking numbers“ oder „Best looking agency people looking like real people“ …

Interessant. Die würde ich gerne mal kennenlernen.

Ist nur ein Spaß. Ein YouTube-Video.

[Die beiden schauen sich zusammen den Caseys-Film an.] Ah! Lustig!

Ja, aber mal ernsthaft. Wie wichtig ist die Qualität eines Casefilms? Anders gefragt: Wenn man eine brillante Idee hat, kann man sie mit einem schlechten Casefilm ruinieren?

Ich glaube, ja.

Und umgekehrt? Kann man eine schlechte Idee mit einem brillanten Casefilm so tunen, dass sie einen Löwen gewinnt?

Nein, das glaube ich nicht. Ehrlich. Das Wesentliche ist die Idee. Und die Idee gibt immer den Ausschlag. Die Idee ist alles. Aber das Video hier ist echt lustig.

Tim Lindsay, der CEO des britischen Awards „D&AD“, hat kürzlich – übrigens mit allem dazugehörigen Respekt – gesagt, dass sich Cannes in ein Kategorienmonster verwandelt hätte.

Yeah.

Aktuell gibt es etwa 500 unterschiedliche Kategorien und Unterkategorien und Unterunterkategorien. Jede einzelne Einsendung kostet ein paar hundert Dollar. Bei einem anderen Award habe ich kürzlich die Kategorie „Best Color Grading“ gefunden. Ist das nicht absurd? Wann ist es genug?

Ich denke, dass ich bei „genug ist genug” anderer Meinung bin. Ich finde, dass sich die Kategorien mit dem Bedarf der Branche entwickelt haben. Wir haben ohne Beteiligung der Branche nie etwas verändert oder neue Kategorien erfunden. Bei allem, was wir tun, machen wir die Gegenprobe und überprüfen es, und wir besprechen es mit unseren Auftraggebern oder mit den Agenturen, die Teil unserer Branche sind. Wir werden definitiv nicht aufhören, zu propagieren, dass Kreativität Werte schafft. Und wir werden uns nicht schämen zu wachsen und mehr zu haben – mehr Kategorien oder mehr Umsatz oder mehr Mitarbeiter. Das werden wir nicht. Wir sind Teil einer AG und schaffen Werte.

Besteht nicht das Risiko, dass das Festival zu elitär wird? Nimm jüngere Kreative. Können die sich einen Festivalpass für ein paar tausend Euro überhaupt noch leisten?

Absolut. Absolut. Eines der Dinge, auf die wir uns in diesem Jahr am meisten konzentriert haben, war eine Preissenkung für Leute unter 30 um 45 %.

Letzte Frage, José. Du hast dich vorhin als „Managing Director“ vorgestellt. Wie wichtig sind Titel in unserer Branche?

Da bin ich wahrscheinlich die falsche Adresse, weil ich überhaupt nicht hierarchisch bin. Ich glaube an Menschen, die mit ihrer Leidenschaft arbeiten. Ich glaube, dass Titel letzten Endes erfunden wurden, um die Leute glauben zu lassen, dass sie wichtig sind, obwohl wahre Wichtigkeit aus intellektuellem Kapital, aus gemeinsamem Wissen kommt. Die meisten Titel sind Bullshit. Wirklich. Ich sage nicht, dass es unwichtig ist Rollenfunktionen und Hierarchien zu definieren, weil man letzten Endes Verantwortung tragen muss. Ich bin mir also meines Titels bewusst, aber Titel können Menschen nie definieren, verstehst du?

Ja. Aber wenn jemand zu dir kommt und sagt: Ich komme nur, wenn du mir diesen oder jenen Titel gibst, wie reagierst du dann?

Ich würde fragen, welchen Wert er dem Unternehmen bringen würde, um solche Bitten zu äußern. Wenn er mir also beweist, dass er mit dem Titel einen Wert in Höhe von XY Euro erwirtschaften kann, würde ich das anerkennen. Aber wenn es nur um den Titel geht – nein.

José, ich glaube, wir sind durch.

Was? Schon?

Ja. Schnell und effizient.

So seid ihr Deutschen nun mal. [lacht]

 

Über den Autor

Sascha Hanke ist Partner und Co-Kreativchef bei Kolle Rebbe und war bereits Mitglied der Cannes-Jury. Kolle Rebbe zählt zu den erfolgreichsten Kommunikationsagenturen in Deutschland und hat in den vergangenen sechs Jahren selbst 25 Löwen gewonnen.

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