Playboy-Reporter rettet die Ehre des Journalismus

Pressekonferenzen sind eigentlich dazu da, Journalisten zu informieren. Diese fragen nach, und das Unternehmen, die Organisatoren eines Events oder Regierungen geben Antworten; natürlich in ihrem Sinne. Durch die kritischen Nachfragen der Journalisten oder durch kritische Einordnung des Gesagten wird die Öffentlichkeit informiert. Die Trump-Administration in den USA hat diesen Grundkonsens der öffentlichen Meinungsbildung immer wieder torpediert, indem sie Medien Fake-News nannte, die Gesagtes nicht wörtlich nahmen.

So war auch das landesweit ausgestrahlte Press Briefing am Dienstag im weißen Haus keine Pressekonferenz im herkömmlichen Sinne, sondern wurde von Pressesprecherin Sarah Huckabee als Plattform genutzt, um wieder einmal zu einem Rundumschlag gegen sogenannte Mainstream Medien auszuholen. Als sie ein CNN-Video kommentierte, das redaktionell fehlerhaft war und daher vom Sender (gefolgt von einer transparenten Erklärung) zurückgezogen wurde, sagte sie:

„Ich denke, wenn das stimmt, ist es eine Schande für alle Medien, für den gesamten Journalismus.“  „Ich glaube wir sind dort angekommen, dass wenn man den Medien nicht mehr vertrauen kann zu berichten, dann ist das gefährlich für Amerika. Und ich glaube, dass einige Medienhäuser dorthin driften, gerade um Wertungen unterzumischen, und wenn das direkt von oben kommt, dann denke ich, ist das sogar noch beängstigender und schändlich.“

Nach einem knapp dreiminütigen Rant der Pressesprecherin gegen die Medien wurde es Brian J. Karem, einem Playboy-Korrespondenten, zu viel und er unterbrach Sarah Huckabee, um sie daran zu erinnern, was der Sinn einer solchen Pressekonferenz eigentlich sein sollte:

„Kommen Sie schon, Sie hetzen hier gerade jeden auf. Diese Regierung hat das auch getan. Warum um Himmels willen – jeder von uns ist ersetzbar, und jeder von uns, falls wir etwas falsch machen – das Publikum hat die Möglichkeit umzuschalten oder uns nicht zu lesen.

Sie sind für mindestens vier Jahre gewählt worden. Da gibt es keine andere Option. Wir sind hier, um Fragen zu stellen. Sie sind hier, um Antworten zu liefern. Und was Sie gerade getan haben, ist Menschen im ganzen Land aufzuhetzen, die das sehen und sagen ‚Schau, schon wieder hat der Präsident recht und alle anderen hier sind Fake-Medien.‘ Und jeder hier versucht nur, seinen Job zu machen.“

Huckabee zeigte sich unbeeindruckt: „Ich stimme dem überhaupt nicht zu“, unterbrach Sie wiederum Karem. „Ich denke, wenn irgendetwas aufhetzend war, dann die Unehrlichkeit, die oft in den Medien stattfindet.“

Bezeichnend ist übrigens, dass Huckabee selbst nicht wusste, ob das CNN-Video „accurate“ ist oder nicht. Heißt: Ob das, worauf sie ihre Vorwürfe gegen die Medien gestützt hat, tatsächlich stimmt, war ihr herzlich egal.


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