Nahrung für Büroathleten: Auf die Straße mit Braineffect

Bodyhacking: Dieses zauberhaft erscheinende Versprechen, dass man seinen Körper so zu optimieren weiß, dass er zur richtigen Zeit – am besten immer – Höchstleistung abrufen kann. Wenn man Fabian Foelsch zuhört, geschieht das am besten über die Ernährung. Und über den Geist, via Regeneration. Mit seinem Startup Braineffect und den Produkten Kick, einem Energieriegel, sowie einem Nahrungsergänzungsmittel namens Sleep will er dafür sorgen, dass jeder in der Lage ist, Hirn und Körper perfekt auf Leistung abzustimmen. Riegel also, demnächst auch andere Produkte, „alles für Büroathleten“, sagt Foelsch.

Topp! Denn das deckt sich mit den eigenen täglichen Erfahrungen: tagsüber alles daransetzen, sich maximal wachzuballern, abends dann noch mal in den sechsten Gang schalten, um später kolossal am Einschlafversuch zu scheitern. Kick und Sleep als Produkte – fine! Ziemlich sinnvoll also auch für ohnehin schon Ritalin-zugepumpte Founder, denen die schöne Burn-out-Klinik im Wald erst nach dem Exit eine reizvolle Option ist. Aber was ist mit volltrunkenen Non-Achievern, die so in Berliner Kneipen rumstehen? Was kann Braineffect für die leisten? Und welches sinnige Feedback haben die für Foelsch und seine Produkte parat?

Erst mal nehmen wir ihn mit in den Pratergarten. Leichte Sommerstimmung, Lichterketten, Donnerstagabend, Touristenmassen, wunderbar. Wir schaffen es an einen Tisch mit Italienerinnen, die nicht richtig verstehen, worum es gehen soll, aber trotzdem gern den koffeinhaltigen Kick-Riegel probieren. „Tastes like fruit“, kommt als Feedback. „No sugar“, tut Foelsch den ranken Gestalten schön. „Ah! Good! We like it.“

Früher Leichtathlet, heute Gründer: Braineffect-CEO Fabian Foelsch.

Das war easy. Auf dem Weg raus erzählt Foelsch, der außerdem nebenbei an der Fachuni Stralsund Branding doziert, dass die Zielgruppe für Braineffect spitz ist, „das wird sie auch erst einmal bleiben. Dem Massenmarkt muss erst langsam bewusst gemacht werden, was hier passiert.“ Massenmarkt hin oder her, Giulia und Alessandra sind jedenfalls an Bord.

Einmal ist keinmal

Im August Fengler in der Lychener Straße gibt es für jeden erst mal zwei Moscow Mule zum Bier. Wir sind alle schnell voll auf Gurke, und Foelsch setzt bei einem Pärchen an zum Pitch: Joana probiert den Riegel und findet ihn lecker, nussig, aber auch ein bisschen staubig. Sie mag generell, wenn ein Riegel süß im Abgang ist. Foelsch sagt: „Das ist auch eher für, wenn du wirklich was rocken willst.“ Neben Joana ihr Freund Fabian, der langsam kaut und überlegt: „Ich bin ein großer Fan von Riegeln.“ Gut! „Stevia?“ Kein Stevia. Fabian nickt und kaut weiter. „Ich schmecke da ein bisschen Kaffee. Aber den mag ich ja. Wo verkauft ihr?“ Boom. Kunde eingetütet. Foelsch zuckt mit den Schultern. Heimspiel.

Nebenan das Zu mir oder zu dir, trauriger Prenzlberger Abschlepp-Hotspot. Wir kippen Mexikaner und erspähen ein Geburtstagsparty-Rumsitzen, über dem ein einsamer Ballon mit dem Aufdruck „30“ schwebt. Die Party mau, eher so „gute Gespräche“. Foelsch sagt: „Produkte, bitte“ und schreitet mit seinen Kick-Bars zur Pitch-Tat.

Geburtstagskind Conny findet, dass der Riegel gesund schmeckt – „aber eben nicht eklig“. Da hat wohl jemand früh schlimme Spinaterfahrungen gemacht. Ihr Freund Stephan lehnt ab: kein Koffein für ihn, keine Energydrinks, nichts. „Dann vielleicht ein bisschen Sleep?“, fragt Fabian mit dem Tenor des geübten Verkäufers, der da was für jeden in der Innentasche seines Mantels hat. Stephan weiß nicht so recht. Lieber nicht. Ach, Stephan. Mann. Einmal ist doch keinmal. Und das erste Mal wär’s auch echt gratis gewesen.


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