Schluss mit Wittkamp: Warum Meetings besser als Yoga sind

Schon meine vierte Kolumne an dieser Stelle, und wir haben noch gar nicht über Meetings gesprochen. Dabei sind Meetings für mich als Kolumnisten, der mit der Aufgabe betreut wurde, mittelwitzige Texte auf der letzten Seite zu verfassen, natürlich das leichteste aller Opfer.

Alle hassen sie, und es gibt viel zu viele davon. Das ist übrigens genau das Gleiche, was Rechte über Ausländer denken. Aber mit diesem Gedanken müsst ihr selbst klarkommen. Fest steht: Meetings sind in Firmen fast so unbeliebt wie die Ankündigung einer Umstrukturierung, bei der „leider nicht alle Mitarbeiter gehalten“ werden können. 

Ich möchte heute jedoch nicht in diese Bresche springen und über Meetings scherzen, sondern eine Lanze für das Meeting brechen (und schon lange die Redewendungen „in die Bresche springen“ und „eine Lanze brechen“ einmal direkt hintereinander verwenden, was hiermit geschehen ist). 

Denn wenn Meetings vor allem als sinnlos und überflüssig wahrgenommen werden, gleichen sie damit doch vor allem einer unserer absoluten Lieblingsbeschäftigungen: Müßiggang. Oder Faulenzerei. Oder Ausspannen. Oder wie man als Business-Punk-Leser sagen würde: Chillaxing. All das ist ebenfalls sinnlos und tendenziell überflüssig. 

Betrachtet man das Meeting also auf diese Weise, verwandeln sich seine Nachteile in Vorteile. Es wird zu einer Ruheoase, zu einem Ort der Entspannung in einem hektischen Umfeld, zum Betriebsyoga.

Wenn du also 38 Stunden arbeitest und dich bisher über zehn Stunden davon in Meetings geärgert hast, freue dich ab sofort darüber, dass du effektiv schon die 28-Stunden-Woche erreicht hast. Bei vollem Gehalt. Das ist mehr als ein ganzer Tag Urlaub. Herrlich. 

Nun fehlt dir vielleicht noch ein wenig die Gelassenheit, diese Auszeiten auch wirklich zu genießen. Daher an dieser Stelle drei Tipps: 

1. Spiel im Meeting „Schiffe versenken“ auf den präsentierten Excel-Tabellen. Das geht so: Such dir ein imaginäres Schiffchen aus, das auf drei bis vier Excel-Feldern liegt. Zum Beispiel D4 bis D7. Werden die Zahlen in diesen Feldern nicht erwähnt, hast du gewonnen. Nennt jemand jedoch beispielsweise die Zahl auf D5, wurde dein Schiff getroffen. Auch nicht so schlimm, die nächste Tabelle kommt bestimmt. Ahoi! 

2. Entspann dich bei der Bullshit-Meditation. Jedes Mal, wenn du ein anstrengendes Wort wie „Overperformer“, „asap“, „Stakeholder“, „Influencer“, „viral“, „nice“ oder „Learning“ hörst, atme dreimal ganz, ganz tief ein und ganz tief wieder aus. Gerade Präsentationen der Kollegen aus der Abteilung „Finance, Accounting and Taxation“ (neunmal einatmen, ausatmen) werden so zu einer besonders wohltuenden Auszeit.

3. Gewinne noch mehr Freizeit, indem du eigene Meetings organisierst. Aber ausschließlich zu Themen, die alle deine Kollegen möglichst umgehen wollen. Zum Beispiel:

„Problemfeld Kaffeeautomat und Kühlschrank: Wie organisieren wir die regelmäßige Säuberung?“ Oder: „Kleine Theateraufführung der Mitarbeiter auf dem Sommerfest.“ Oder auch: „Geburtstagsgeschenk für den Chef. Ideenrunde.“ 

Schon der Betreff muss so abschreckend sein, dass deine Mail sofort gelöscht wird und wirklich kein Kollege teilnehmen möchte. 

Am Tag des Meetings vergewissere dich kurz, dass tatsächlich niemand erschienen ist und geh in der gewonnenen Zeit gemütlich einen Kaffee trinken oder shoppen. Oder du schlummerst einfach mal zwei Stündchen in deinem Meeting „Freiwillige Überstunden am Samstagvormittag – eine Chance für das Unternehmen?“ Ganz alleine und garantiert ungestört.

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Der Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe 04/2017. Titelgeschichte: FDP-Chef Christian Lindner und der radikale Relaunch seiner Partei. Mehr Infos gibt es hier.


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