Beatsteaks-Interview: “Wir treffen uns auf gar keinen Fall in unserer Freizeit“

Vor gut 20 Jahren fingen die Beatsteaks aus Berlin mit schrammeligem Garagenpunk an, heute sind sie die wohl beliebteste Rockband Deutschlands. Am 1. September ist ihr achtes Album „Yours“ erschienen. Bassist Torsten Scholz und Gitarrist Bernd Kurtzke über musikalische Experimente, ihren perfekten Sonntag und den Traum von Ostseebädern.

Torsten, Bernd, euer neues Album in drei Worten?

Torsten: Wir haben ganz lange dran gearbeitet, viel länger als an jedem Album zuvor, und wir haben viele neue Sachen probiert. Zum Beispiel haben wir das Album von mehreren Leuten produzieren lassen. Pro Song haben wir uns jemanden gesucht, der quasi den Hut auf hat – das war so noch nie der Fall. Und wir haben ganz viele Gäste auf dem Album, was auch noch nicht der Fall war. Und es war sehr, sehr, sehr anstrengend. Wir sind alle froh, dass das Album jetzt endlich rausgekommen ist.

Bernd: Ja, es war doppelt so anstrengend wie das Album davor. Ist ja auch doppelt so lang.

Genau, 21 Songs sind auf der Platte. Warum so viele?

Torsten: Wir haben uns am Anfang viele Demos vorgespielt und es entstand eine sehr lange Liste. Bernd hat irgendwann gesagt, wir könnten doch ein Doppelalbum machen. Und dann haben wir halt all diese Songs gemacht.

Die meisten der neuen Songs klingen anders als eure älteren Sachen. Außerdem sind Gastsänger wie Jamie T, Deichkind oder Farin Urlaub dabei. Wie kommt’s?

Torsten: Manchmal ging es während des Arbeitens an einem Song nicht weiter, und dann sind uns immer wieder Leute eingefallen, die wir nach Hilfe fragen könnten. Zum Beispiel bei „Hate to Love“. Der Song klang so Englisch und da haben wir überlegt, welchen britischen Künstler wir kennen, den wir fragen könnten. Da fiel uns Jamie T ein, mit dem wir auch schon mal getourt sind. Oder irgendwann kam Philipp von Deichkind zu uns in den Proberaum und hat sich die Sachen angehört und fand den einen Song geil.

Bernd: So entstehen plötzlich irgendwelche neue Sachen. Aber nicht nur auf der künstlerischen Ebene haben wir viel Neues ausprobiert, sondern auch mit Produzenten. Aus unseren Demos hätte man wieder einen Rocksong machen können, aber das war uns in dem Moment einfach zu billig, weil wir das schon tausendmal gemacht haben. Jetzt wollten wir mal gucken, wie weit man das noch so treiben kann.

Gibt es jemanden, mit dem ihr unbedingt noch zusammenarbeiten möchtet?

Bernd: Das hängt immer von dem Lied ab, was man da hat. Ich würde ungern einen Song schreiben, um den, den ich im Auge habe, dafür zu verpflichten. Wir müssen Demos machen und dann rausfinden, wer dazu passt. Der Song ist der Chef, und was der braucht, das muss man ihm geben. Deswegen kann man auch schlecht sagen, wie das nächste Album wird. Vielleicht wird es ja ein Jazz-Album, man weiß es überhaupt nicht.

Torsten: Ich finde es immer spannend, wenn sich Rapper unsere Mucke anhören und wir als Rockband ein Lied machen mit Leuten, die von einer anderen Musik kommen. Wie jetzt mit Deichkind. Nicht weil ich so großer Rap-Fan bin, sondern weil es interessant ist, wie anders die Herangehensweise ist. Oft ist der Text zuerst da und dann gibt es erst den Beat. Und bei uns ist immer zuerst die Musik da und dann überlegen wir, was da jetzt dazu passen könnte.

 Ihr verkauft regelmäßig Stadien aus, eure Alben landen oben in den Charts. Habt ihr Träume, die noch nicht gefallen sind?

Torsten: Wir reden alle paar Jahre davon, dass wir gern mal eine Bädertour an der Ostsee machen würden, in diesen winzigen Amphitheatern für 1000 oder 2000 Leute. So eine Strandmuscheltour.

Momentan probt ihr fleißig für die kommende Tour. Wie sieht so ein typischer Probentag bei euch aus?

Torsten: Wir treffen uns immer um 11 Uhr. Bernd ist aber gefühlt schon um 10 Uhr da, er ist immer der Erste. Manchmal habe ich Angst, dass er eine nasse Wohnung hat, weil er so oft hier ist.

Bernd: Ich habe eine ganz tolle Wohnung, aber wenn ich vorher noch frühstücken will, meine Sachen einrichten und so weiter, dann will ich um 11 Uhr fertig sein. Das ist ja sonst nicht nur meine Zeit, die ich verschwende, sondern auch die der anderen.

Torsten: Jedenfalls proben wir zur Zeit bis 15, 16, 17 Uhr, weil dann immer irgendjemand sein Kind von der Schule abholen muss. Und dann sind noch Besprechungen.

Bernd: Länger kannst du auch nicht proben. Wir sind wirklich laut, nach sechs Stunden sind die Ohren taub, da hörst du nicht mehr, ob du gut oder schlecht bist.

Torsten: Und Wochenende ist eigentlich immer Wochenende.

Bernd: Wir haben ja auch Familie, da muss man Rücksicht nehmen.


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