Fünf wichtige Founder-Skills, die ihr euch aneignen solltet

Ihr wollt gründen, aber richtig. Wir reden also nicht von einem 17-jährigen Christian Lindner, der im Dachgeschoss der Eltern ein paar mal am Tag Kompetenzen durchs Telefon pitcht, die „nicht akademisch domestiziert“ sind. Denn eure Eltern haben es langsam satt, euch die Wohnung zu bezahlen, die ihr zum Büro umgewandelt habt. Klar habt ihr eine große Klappe und machmal glaubt ihr auch selbst an das disruptive Potenzial eurer Fairtrade-Filzpantoffel-Vision, die eure Kunden zu proaktiven Weltrettern werden lässt. Wenn ihr aber ganz ehrlich seid, fragt ihr euch manchmal selbst, wie zur Hölle ihr eigentlich die Sache mit dem Geldverdienen bewerkstelligen wollt. Oder anders formuliert: Welche Kernkompetenzen muss ich mir raufschaffen, um den Karren nicht sofort wieder an die Wand zu fahren? Vielleicht helfen diese fünf grundlegenden Dinge, die jeder Founder beherrschen sollte.

1. Gründe im Team

Die Startup-Szene ist voll von Egomanen und Narzissten. Soll sie ruhig, ist ja schön: Die Travis Kalanicks und Evan Spiegels dieser Welt bieten mit ihren öffentlichkeitswirksamen Fehltritten wunderbarste Unterhaltung. Nur seid ihr keine Entertainer, sondern wollt ein erfolgreiches Unternehmen führen. Daher überlegt euch wirklich, im Team zu gründen. Unterschiedliche Persönlichkeiten können so verschiedene Rollen füllen, die für euer Startup wichtig sind.

Der Visionär

Eigentlich selbsterklärend. Derjenige mit den Ideen, mit dem großen Bild. Ein Steve Jobs sollte zum Gründerkreis eines jeden Startups gehören.

Der Getriebene

Der Macher, der bereits signifikante Erfahrung aus vorherigen Projekten und aus der Wirtschaft mitbringt. Lösungsorientiert und mit langem Atem.

Der Nerd

Der Spezialisierte unter den Co-Foundern, der sich bereits als Developer, Designer oder Verkäufer in der Praxis hervorgetan hat. Detailversiert und versessen.

2. Loslassen

Wenn ihr bereits Eltern seid, gut. Wenn nicht, auch nicht schlimm, aber versucht euch vorzustellen, euer Startup sei euer Kind. Am Anfang hütet ihr es wie den Augapfel, überwacht jeden seiner Schritte und sorgt persönlich dafür, dass es ihm an nichts fehlt. Wenn es älter wird und das Gröbste überstanden ist – also das Logo steht, die ersten erfolgreichen Pitches abgeliefert wurden und das Produkt nicht mehr nur ein Prototyp ist – sollte man jedoch lernen, auch loslassen zu können.

Wenn sich der Laden warmgelaufen hat, löst euch von den Dingen, die ihr vielleicht sogar lieb gewonnen habt, als ihr das Unternehmen noch aufgebaut habt. Ihr seid während der ersten Zeit zu absoluten Code-Liebhabern geworden? Schön, nur ist das nun nicht mehr eure Verantwortung. Denn dafür solltet ihr bereits einen fähigen Programmierer eingestellt haben, der weiß, was er tut. Auch wenn ihr nicht dabei seid. Ihr habt euch jetzt um CEO-Tasks zu kümmern, das heißt, ihr entwickelt eine klare Vision und eine Wachstumsstrategie.

Ein weiterer Punkt ist euer Verhältnis zum Produkt. Ja, ihr hattet die Idee und habt es entwickelt. Freut euch daran, dass es sich auf dem Markt gut schlägt. Aber lasst euren Product Managern den nötigen Spielraum, ihre Ideen einzubringen. Sie haben nicht nur einen distanzierteren und unverstellten Blick, sondern bringen auch andere Perspektiven auf das Produkt mit.

3. Tech Skills

Gehen wir davon aus, dass ihr zum Typus Non-Technical Founder gehört. Das ist nicht weiter schlimm, man muss nicht unbeding zum Chaos-Computer-Club gehören, um zu gründen. Trotzdem schadet es nicht, wenigstens ein Kleinwenig von dem zu verstehen, was Hacker so den ganzen Tag machen. Fangen wir auf dem niedrigsten Level an:

3. 1. Excel

Yep, Excel. Nicht lachen, das MS-Office-Urgestein ist ein mächtiges und nicht zu unterschätzendes Tool: Von Buchhaltung und dem Erstellen von Finanzmodellen, über Datenanalysen zu Ausgaben, Einnahmen, Verkäufen und Wachstum, bis hin zum Erstellen von Vorhersagen, lässt sich so einiges damit anstellen.

3. 2. Datenanalyse

Undenkbar heute zu wirtschaften, ohne zu wissen wo die Trends liegen, was die Konkurrenz macht und wo sich die Zielgruppe rumtreibt. Ihr solltet also mit Kunden-, Website- oder Socialdaten umgehen können, um Trends vorhersagen und darauf reagieren zu können. Denn was wir brauchen, sind Insights, Insights, Insights!

3. 3. Grundlagen im Programmieren

Um es simpel zu machen: Ideen scheitern oft an ihrer Umsetzung. Wer Programmieren kann, hat beides in der Hand und muss sich im Zweifelsfall nicht auf jemand anderen verlassen. Auch wenn es zur Vollendung des Produkts nicht reicht – den Feinschliff kann man immer noch aus der Hand geben. Außerdem könnt ihr dann später viel effektiver mit euren Programmierern kommunizieren, wenn ihr selbst darüber Bescheid wisst, was die so machen.

Am Besten wäre es natürlich, wenn ihr euch spezifisch ein bisschen Front-End-Developing raufschaffen würdet; HTML, CSS oder JavaScript. Onlinekurse bei Codeacademy oder Udemy sind ein guter Einstieg.

3. 4. SEO

Auch hier gilt: Wer zumindest die Grundkenntnisse der Search Engine Optimization beherrscht, hat gleich zu Anfang, wenigsten in Teilen in der Hand, auch für eine gute Sichtbarkeit im Netz zu sorgen. Dabei ist Geduld eine Tugend. Für ein gutes Ranking braucht man mitunter einen langen Atem. Dabei hilft SEO auch, den Kunden besser zu verstehen, denn wer gut ranken will, muss seine Zielgruppe verstehen. Nach was sucht eure potenzielle Klientel? Welche Keywords und -phrases müsst ihr besetzen? Wenn ihr das wisst, könnt ihr den Content im besten Fall so gut auf eure Zielgruppe zuschneiden, dass auch Google merkt, dass eure Seite relevant ist.

4. Recruiting, Hiring

Nicht nur am Anfang, sondern generell gilt: Jede neue Einstellung ist essenziell. Euer Unternehmen ist genau so gut, wie die Leute, die für euch arbeiten. Und als Founder im richtigen Moment zur Seite zu treten und anderen Verantwortung zu übertragen ist nur möglich, wenn ihr zuvor die Richtigen für den Job eingestellt habt. Gerade kleine Unternehmen können sich nicht den großen Luxus leisten, auch mal richtig ins Klo zu greifen bei Personalentscheidungen.

Gerade der Anfang ist wichtig: Je mehr tolle, motivierte und innovative Leute ihr euch zu Beginn ins Boot holt, desto mehr davon werden sie später anziehen. Alle wollen dort hin, wo die Guten schon sind. Aber: Können und Leistung ist nicht alles. Denn gerade in kleinen Teams wird jede neue Person, die dazu kommt, auch die Unternehmenskultur verändern. Euer Bewerber hat bei Rocket Internet ziemlich coole Dinger gerissen, ist aber auch irgendwie ein Arsch? Schwierig.

5. Verkaufen

Hier geht es vor allem wieder um Non-Technical Founder. Als solcher solltet ihr verkaufen können. Euch, eure Idee, euer Unternehmen, wann auch immer, an wen auch immer. Euer Job wird es sein, Investoren zu überzeugen, die sich in der Woche hunderte Pitches geben müssen. Eurer sollte derjenige sein, der hängen bleibt. Euer Job wird es sein, euer Produkt an den Kunden zu bringen. Wisst also, was sie benötigen, was sie wollen und mehr noch, was sie fürchten und hoffen.

Ihr wollt die besten Mitarbeiter? Auch das heißt verkaufen. Euch an sie. Ihr müsst wissen, welchen professionellen Hintergrund und welche Ziele sie haben. Nur so könnt ihr sie davon überzeugen, dass euer Unternehmen genau der Ort is, wo sie das verwirklichen können.

Das Beste: Verkaufen kann man lernen. Es gibt unzählige Bücher dazu, aber am Wichtigsten ist üben, täglich, immer.

Und wenn ich nichts kann?

Natürlich ist es schwer, alle diese Eigenschaften zu besitzen und ihr könnt natürlich auch dann gründen, wenn ihr nur vier von fünf Skills besitzt. Nur dann wird’s dann halt vielleicht nicht so geil. Will heißen: Wer sich der Sache nicht absolut verschreibt und bereit ist, auch die Extrameile noch zu gehen, der kann es eigentlich gleich sein lassen.

 


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

Zum Autor

Das können wir Dir auch empfehlen

placeholder
placeholder