Productivity & New Work “Social Fabric“ mit Kyle NG: “Das Wort „skalieren“ interessiert mich nicht die Bohne!“

“Social Fabric“ mit Kyle NG: “Das Wort „skalieren“ interessiert mich nicht die Bohne!“

Streetwear-Designer Kyle Ng entwirft nicht nur Klamotten für sein eigenes Label Braindead. In der Web-Video-Serie „Social Fabric“ von Red Bull reist der sympathische New Yorker der Mode um die halbe Welt hinterher. Mit im Gepäck: die spannendsten Geschichten zu so alltäglichen wie kultigen Kleidungsstücken wie der Jeans, den Cowboystiefeln oder dem T-Shirt. Business Punk sprach mit ihm über Chaos, Identität und Cowboys.

Wohnen Sie immer noch in diesem coolen Apartment, dass ich in einer Homestory gesehen habe? Vollgestopft mit den spannendsten Kuriositäten, die ich außerhalb eines Museums gesehen habe?

Die Wohnung ist eine neue, ich bin gerade umgezogen. Aber am Sammelsurium hat sich nichts verändert. Manches, wie etwa ausgestopfte Tiere, ist für den Betrachter vielleicht etwas morbid. Anderes – altes Porzellan oder politische Souvenirs – herrlich kitschig. Und manches Ding schaue ich an und weiß selbst nicht mehr, wie es hier gelandet ist. Ich gehe wo ich auch bin in die Läden mit den verrücktesten Schaufenstern, stöbere auf Flohmärkten herum und finde auch mal auf einer Parkbank oder im „Zu verschenken“-Stapel vor Häusern die tollsten Sachen. All das Zeug ist für mich wie eine Bibliothek, voller Informationen, die mir neue Ideen liefert. Wie Samen, aus denen Kreativität sprießt. Vor allem aber macht das Sammeln Riesenspaß.

Kurz zusammengefasst: Was machen Sie bei Ihrem Label Braindead?

Braindead ist inspiriert von der Kunst, von Musik, von zig verschiedenen (Sub-)Kulturen und eben meiner Sammelwut. Unsere Streetwear ist dabei nur eine Ausdrucksform für unsere Sicht auf die Dinge, wie unser Kommentar über die Gesellschaft. Wenn diese Botschaften dann durch unsere Kleidung noch Gleichgesinnte verbinden können, die sich durchs Tragen von Braindead erkennen und sie weiter inspiriert, ist das großartig.

Skizziere doch mal einige eurer Botschaften.

Kunst und Kultur for Kapitalismus, das ist der Kern von Braindead. Wir wollen Mode machen, die uns intensiv beschäftigt, die wir fühlen. Wir machen auch Vinyl-Platten, geben Bücher heraus, veranstalten Art Events. Nicht als Marketing, um unsere Produkte bestimmten Zielgruppen schmackhaft zu machen, sondern weil uns all das erfüllt.

Kyle NG
Kyle Ng mit Eichhörnchen in Machida, Japan. By CharliePinder

Wie schafft es eine Marke, authentisch zu bleiben und nicht zur leeren Abverkaufs-Hülle zu verkommen? Wie bewahrt man die Seele einer Company?

In unserer Welt der Bilder dominiert geschäftlich wie privat mehr und mehr das öffentliche Image, die Seite, die man zeigt. Sorgsam inszeniert, zigmal gefiltert. Viele Leute wollen ihren Lebensstil, ihren Geschmack gar nicht mehr (aus-)leben, sondern bloß noch herzeigen. Wie eine Filmkulisse. Für mich gibt es aber einen großen Unterschied zwischen einem Charakter und einem Model. Ein Model hat einen bestimmten Look, ein Charakter, eine Persönlichkeit aber hat eine Präsenz. Und die wollen wir auch als Marke haben und behalten. Wir folgen da keinem ausgefeilten Marketing-Plan oder Trendprognosen, wollen nicht krampfhaft cool oder edgy oder in sein, wie früher auf dem Schulhof. Mich interessiert auch das Wort „skalieren“ nicht die Bohne. Privat handhabe ich es ähnlich: Wer mein Apartment sieht, könnte meinen, ich sei ein Renaissance Man, ein Fan der viktorianischen Ära. Dabei folge ich überhaupt keiner Epoche oder Stilvorlage, sondern lebe einfach. Inmitten der Menschen und Dinge, die mich glücklich machen.

Wie kam es zu dem Projekt „Social Fabric“ mit Red Bull TV?

Ich wurde angesprochen, ob ich einige Ideen pitchen könnte, und das habe ich gemacht. Darüber kamen wir weiter ins Gespräch und nach und nach kristallisierte sich heraus, dass wir unbedingt zu den kulturellen wie auch handwerklichen Wurzeln verschiedener Modestücke und Accessoires reisen wollten. Die Story der Jeans, der Ursprung des Fedora-Hutes, die Herkunft des T-Shirt.

Was war der erste Stop auf diesem Trip?

Das war San Francisco, denn zu Beginn wollte ich nicht zu weit weg aus meiner Comfort Zone, für die ersten Gehversuche mit diesem Format. Danach ging es dann weiter nach Texas, wo wir kleine Kids getroffen haben, die auf Bullen reiten. Das war für mich wie eine Reise nach Afrika, total fremd, unglaublich, lebensverändernd. Es folgten Stationen in New York, Schottland und Italien. Jeder Stopp war einzigartig, und mehr als einmal dachten wir: Oh mein Gott, das ist verrückt. Weil der Zeitplan echt heftig war, weil wir Situationen unter- und unsere Kräfte überschätzt hatten oder bestimmte Momente uns einfach die Kinnlade nach unten klappten.

Kyle NG
Portrait von Daniel K Nelson und Kyle Ng in ihren Nudie Suits in Pioneertown, USA. By CharliePinder

Was haben Sie über Mode noch dazugelernt?

Dass ich noch viel zu wenig weiß. Ich will definitiv noch mehr erfahren. Wer hätte beispielsweise gedacht, dass wir in ein kleines italienisches Dorf kommen würden, in dem Cowboy-Stiefel gefertigt und von den Bewohnern im Alltag getragen werden? Die haben sogar Square Dance getanzt.

Wird es eine Fortsetzung geben?

Warum nicht, ich hätte da echt Freude dran. Vielleicht komme ich dann auch mal nach Deutschland. Was ich über auch lese, klingt cool.

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