Message Bird hat die größte Series A in Europa hingelegt und wir haben nachgefragt wie

Nachdem Robert Vis sechs Jahre lang Angebote von Investoren ausschlug, hat sein Amsterdamer B2B-Produkt, die Cloud Communications Plattform Message Bird, mit 60 Mio. Dollar die größte Series A in der Eurozone an Land gezogen. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie er das erreicht hat.

Robert Vis, bevor wir über Ihre Series A sprechen – was ist Message Bird genau, und wer braucht das?

Die einfachste Weise, es zu erklären, ist die: Jedes mal, wenn du online Essen bestellst und sie dir dann eine Nachricht schicken, dass dein Essen unterwegs ist oder dass der Lieferant vor der Tür steht oder wenn du dich in dein Gmail-Konto einloggst und dir ein Passwort aufs Handy geschickt wird, um dich mittels einer weiteren Sicherheitsstufe zu identifizieren, dann sind wir der Provider, der hinter all dieser Kommunikation steht. Ein Business integriert uns und kann so weltweit Kunden erreichen, via SMS oder Sprachanruf.

Message Bird ist komplett eigenfinanziert gestartet und das ist jahrelang so geblieben. Warum?

Es war zuerst keine bewusste Entscheidung, sondern erst später. Wir hatten von Zay Pay [Vorgänger-Unternehmen von Robert Vis, Abrechnungsmethode für Mikro-Payments in der Games-Branche, Anm. d. Red.] von Tag eins an einen großen Kunden übernommen. Also waren wir auch profitabel von Tag eins an, haben im ersten Monat Geld verdient. Als wir dann mehr Kunden bekamen, wurden wir noch profitabler. Es gab also nicht wirklich die Notwendigkeit, an Investments zu kommen. Wir waren sehr effizient, hatten ein kleines Team und fokussierten uns auf die Technologie. Die Technologie übernahm die ganze Arbeit für uns, also mussten wir nicht so viele Leute einstellen. Wir sind direkt zu den Carriern gegangen anstatt über Zwischenleute zu gehen. So hatten wir es auch leicht, bei Kunden zu pitchen. Denn die meisten hatten Services genutzt, die dieselben Probleme hatten wie wir selbst, als wir [mit Zay Pay, Anm. d. Red.] noch Kunden bei jemandem waren und zwar, dass Nachrichten zu spät oder gar nicht ankommen. Weil wir das gelöst haben, war es leicht zu wachsen. Oft haben uns Kunden erst in nur einem Land getestet und dann mehr und mehr Business über uns abgewickelt. Wir hatten also immer ein enormes organisches Wachstum.

Es war also auch schlicht Glück notwendig, da Sie von ihrer vorherigen Firma einen Großkunden übernehmen konnten.

Wir starteten mit vier Leuten. Wenn du dir selbst nicht zu viel bezahlst und hart an der Technologie arbeitest, brauchst du auch nicht so viel Kapital. Alles, was wir entwickelt haben ist sehr Software-basiert, so steckt die harte Arbeit vor allem am Anfang. Wir investierten nicht sehr viel in Hardware und solche Dinge.

Unter diesen Bedingungen konnte Message Bird also munter organisch vor sich hin wachsen. Gleichzeitig haben Sie Investment-Angebote jahrelang ausgeschlagen. War das nicht auch riskant, so auf sich gestellt auch profitabel zu bleiben?

Wir haben das nie wirklich als Risiko gesehen. Ich hatte klare Vorstellungen davon, wie ich den Laden führen wollte. Ich wollte 50 Prozent Marge, um ein elastisches Unternehmen aufzubauen. Wir hatten mehrere Kunden, waren also nicht nur von einem einzigen abhängig. Und wir hatten einfach Glück. Als wir dann unsere API-Plattform hatten, gewannen wir viele kleine Kunden hinzu, Entwickler, kleine Medienunternehmen, die anfingen, unsere Plattform zu nutzen. Am Ende waren wir abhängig von tausenden Kunden, anstatt von nur einigen wenigen. Mit der Zeit war diese 50/50-Strategie natürlich nicht mehr möglich, wir fokussierten uns aber weiterhin auf Profitabilität, um sicherzustellen, dass wir immer Kohle in der Hinterhand haben.

Eigenfinanziert gestartet, jahrelang Angebote abgelehnt und dann über 60 Mio. Dollar mit den Hauptinvestoren Accel und Atomico mal eben die größte Series A in der Eurozone abgeschlossen, . Wie ist das denn passiert? Wie kam es im Oktober doch zur Finanzierungsrunde?

Nach sechs Jahren waren wir immer noch super profitabel, es gab also nicht unbedingt eine Notwendigkeit dafür. Ich denke nur, der Communications-Markt ist so groß, dass wir noch mehr Flexibilität haben wollten, um zu skalieren. Dafür mussten wir einiges erreichen: Erstens, unsere Teams noch aggressiver vergrößern, in Europa, aber gezielt auch in Nordamerika und Asien. Wir waren sehr stark in diesen Regionen, hatten das aber immer über unser Amsterdamer Büro abgewickelt. Zweitens hilft Funding sehr bei der Brand-Awareness, denn ein Problem, das du als eigenfinanziertes Unternehmen hast, ist: Wie bekommst du deinen Namen da raus, sodass dich jeder kennt? Mit Funding klappt das gut, weil Zeitungen und Blogs über dich schreiben. Außerdem ist es für Kunden wichtig, mit einem verlässlichen Partner zusammenzuarbeiten und obwohl profitabel, waren wir im Vergleich zu einem 10 Mrd. Dollar Unternehmen dann doch sehr klein.

Wie geht es nun an diesem Punkt weiter?

Also, wir versuchen wirklich erst einmal mit den Teams international zu expandieren. Das ist ein klarer Fokus, um sicherzustellen, dass mehr Kunden unsere Services nutzen können. Aber wir wollen auch unsere Developer-Teams vergrößern, um mehr Produkte zu entwickeln. Wir haben unser eigenes Carrier Network, darüber hinaus APIs, damit Dienste uns integrieren können. Wir wollen aber wirklich neue Services für unsere Kunden entwickeln.


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

Zum Autor

Das können wir Dir auch empfehlen

placeholder
placeholder