Human Upgrading: Dieser Cyborg zahlt sein Essen mit seiner Hand

Haustür- und Autoschlüssel, Gesundheits- und Kreditkarte: Das alles trägt Patrick Kramer unter seiner Haut. Um genau zu sein, in einem injizierten Chip zwischen Daumen und Zeigefinger. Weltweit tragen mehr als 50 000 Menschen so einen Mikro-Chip in sich, um sich den Alltag zu erleichtern. Im technischen Sinn sind sie demnach Cyborgs – also eine Mischung aus Mensch und Maschine.

Patrick Kramer ist nicht nur „Chief Cyborg Officer“, sondern auch Gründer von Digiwell (steh für: Digital Wellness), einem Startup, das sich auf Smart Implants, Activity-Tracker und innovative Ernährung spezialisiert hat. Wir haben Patrick Kramer auf der diesjährigen New Work Experience in Hamburg getroffen und erfahren, warum es sowohl privat als auch im Beruf praktisch sein kann, ein Cyborg zu sein.

Für uns sind Implantate, die als digitaler Universalschlüssel dienen können, immer noch unvorstellbar. Warum eigentlich?

Ich glaube, zuallererst ist der Begriff Cyborg noch sehr fehlbesetzt in der Gesellschaft. Die meisten Menschen denken dabei an Terminator oder Robocop, obwohl der Begriff Cyborg selbst für Cybernetic Organism steht. Übersetzt ist das einfach ein Wesen mit organischen und biomechatronischen Teilen, zu denen auch beispielsweise Menschen mit einem Herzschrittmacher zählen.

Sie waren jahrelang als Unternehmensberater unterwegs. Wie kam es denn zu Ihrer Transformation?

2013 war ich beruflich in Stockholm und habe das erste mal über einen damaligen Kollegen von dem Fitbit Fitness Tracker erfahren und fand es spannend. Zu dem Zeitpunkt gab es in Deutschland noch keine Plattform, um solche Sachen zu kaufen. Deswegen habe ich aus dem Keller heraus mein Startup Digiwell gegründet und habe die ersten Fitness-Tracker und Smartwatches verkauft.

Klassischer Online-Handel also.

Genau, quasi parallel zu meinem Job als Unternehmesberater. Das Problem war aber: bis zum Relaunch 2014 hatten auch Amazon und Co. von der Neuheit Wind bekommen, sodass all die Wearables dann auch dort zu kaufen waren. Das war der Zeitpunkt, sich zu fragen: gebe ich alles auf oder mache ich weiter, und wenn ja – wie? Nach langer Überlegung habe ich mich dann gefragt: wer sagt eigentlich, dass man Technik nur auf der Haut und nicht unter der Haut tragen kann?

Das war so ein Schlüsselmoment für mich, in dem ich angefangen habe zu recherchieren, wie weit diese Branche ist und was man da noch rausholen kann. Wie es oft so ist, waren die Amerikaner uns da schon ein bisschen voraus, sodass ich mir dort ein wenig Know-How holen konnte und im März 2015 dann auch schon meine ersten Implantate injizieren konnte.

Dr. Patrick Kramer zahlt sein Essen nur noch mit der Hand.

Damit waren Sie der Erste hier in Deutschland.

Genau. Mit den Jahren rückte das Thema Biohacking allerdings immer stärker in den Vordergrund und etablierte sich peu a peu.

Das, was ihr nun macht, nennt sich Bodyhacking. Worin besteht der Unterschied zu Biohacking?

Das ist im Prinzip unter dem Schirm des Biohackings. Denn in Deutschland versteht man unter dem Begriff Biohacking vor allem das Thema Gesundheit, Fitness und Ernährung. Aber es gibt eben auch andere Bereiche wie Bodyhacking oder 4D-Druck. Bodyhacking bedeutet nur, dass man mit technischen Hilfsmitteln die Fähigkeiten der Sinne oder des Körpers erweitert.


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