Mit dem Fahrrad zur Arbeit: Leasing-Bikes sind die neuen Dienstwagen

Allmorgentlich spurte ich aus dem Haus, natürlich viel zu spät und total in Panik, die Bahn nicht zu bekommen. Mein Retter in der Not? Mein Fahrrad. Mit rot-weiß gepunkteter Satteldecke gewappnet wartet es bereits im Fahrradständer und bringt mich binnen fünf Minuten bis zum Bahngleis. Zu Fuß hätte ich es nicht geschafft, und der Bus kommt sowieso zu spät. Fahrrad fahren ist nicht nur schnell und flexibel, es bietet auch viele andere Vorzüge: Man bewegt sich, kommt morgens in Schwung, hält sich fit und ist auch noch an der frischen Luft. Gern würde ich mehr radeln — aber bis nach Berlin ist es mir von Potsdam aus dann doch zu weit. Ich bin aber nicht die Einzige, die für den Arbeitsweg auf’s Fahrrad setzt.

Neun Prozent der Erwerbstätigen fahren mit Fahrrad zur Arbeit, das sind nur knapp fünf Prozentpunkte weniger als diejenigen, die auf Öffis wie Bus, Bahn oder Tram setzen und sogar mehr als Fußgänger (acht Prozent). Macht ja auch Sinn: Denn fast die Hälfte aller Erwerbstätigen hat weniger als zehn Kilometer zwischen Office und Wohnung. Das besagen die Zahlen vom Mikrozensus 2016 des Statistischen Bundesamtes. Für so eine Strecke kann man sich schon einmal auf den Drahtesel schwingen. Und es gibt auch immer mehr, die zumindest eine Teilstrecke radeln: Mit dem Fahrrad zum Bahngleis oder zur Mitfahrgelegenheit.

Auf’s Dienstfahrrad umgesattelt

Das haben mittlerweile auch die Arbeitgeber wie Deutsche Bahn, SAP oder Rewe geschnallt und bieten neben Dienstwagen nun auch Dienstfahrräder an. Seit 2012 gelten ähnliche steuerliche Regeln, sodass die Unternehmen nicht zusätzlich blechen müssen, deren Mitarbeiter sich aber relativ kostengünstig ein Bike zulegen können. Denn die Leasingrate wird direkt vom Bruttogehalt abgezogen und das Rad muss nur mit einem Prozent versteuert werden. Man kann nach Ende der Vertragszeit sogar sein Radel für den Restbetrag „freikaufen“. Geht auch mit E-Bikes.

Laut JobRad spart man bis zu 25 Prozent gegenüber dem Originalpreis. Nur leider stellen sich ver.di und andere Gewerkschaften quer, wie ZEIT Online berichtet: Aus Angst vor anderen Lohnumwandlungen bei Geringverdienern wird das Dienstrad nur an übertariflich bezahlte Mitarbeiter vergeben. Alle anderen müssen also dann doch auf ihr eigenes Gefährt umsatteln — oder zumindest mieten, denn auch die Verkehrsbranche hat den Fahrradhype längst mitbekommen und das Konzept „Bikesharing“ vor Jahren entwickelt und etabliert. Mittlerweile können wir uns vor all den unzähligen Anbietern wie „Donkey Republic“ aus Kopenhagen, „oBike“ aus Singapur oder „nextbike“ aus Leipzig kaum retten, und selbst Supermärkte wie Lidl haben ihre eignen Räder. Selbst manche Unis kooperieren mit Anbietern wie „nextbike“ und schenken ihren Studenten ein paar kostenlose Stunden mit den Leihrädern.

Als Team Kilometer zählen

Und das lohnt sich, denn wer emsig in die Pedale tritt, gewinnt mit etwas Glück ein eigenes Rad — mit diesem positiven Nebeneffekt locken die aktuellen Kampagnen „STADTRADELN“ oder „Mit dem Rad zur Arbeit“. Aber eigentlich steht ja der gute Zweck, die Bewegung und natürlich das Umweltbewusstsein im Fokus.

Innerhalb von 21 Tagen sammeln Schulklassen, Unternehmen oder Vereine beim „STADTRADELN“ Kilometer für ihre Region, denn die Kommunen sowie das Kommunalparalmente mit den meisten zurück gelegten Kilometer — sei es beruflich oder privat —gewinnen. Aktuell liegt Kreis Borken in NRW vorn, Hannover besetzt Platz zwei, Berlin ist immerhin unter den Top sechs. Insgesamt sind derzeit 115.400 Fahrer aktiv, die bereits fast 17 Millionen Kilometer geradelt und damit 2,4 Millionen Kilogramm CO₂ vermieden haben. Ein Erfolg für’s Klima. Bei der AOK-Kampagne „Mit dem Rad zur Arbeit“ radeln gerade 200.000 Berufstätige um die Wette. Ziel: Mindestens 20 Arbeitstage mit dem Rad zur Arbeit oder zumindest zur nächsten Bahnstation.

Bei der Infrastruktur legt gerade die Landes- und Bundespolitik nach: Der Bund hat einen Nationalen Radverkehrsplan 2020 festgelegt, in NRW fördert beispielsweise das Verkehrsministerium 150 Kilometer Radschnellwege und in Kiel ist eine vier Meter breite „Veloroute 10“, die größtenteils kreuzungsfrei alle wichtigen Orte der Stadt verbindt, gerade im Bau. Das klingt doch nach top Bedingungen, um sich auf’s Bike zu schwingen und etwas für sich und die Umwelt zu tun.


Katharina Golze

Seit Kindertagen vom Schreiben geträumt, ein bisschen bei Tageszeitung, Studi-Mag und TV ausprobiert und jetzt bei diesem hippen Magazin gelandet. Nebenbei studiert Katharina noch die Theorien von Marx und Bourdieu und improved ihre English Skills an deutschen und britischen Unis. Falls dann noch Zeit bleibt, tingelt sie durch Gassen und Museen in fremden europäischen Städten.

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