Office Pop KW 23: Die neueste und beste Musik gegen das Food Coma

Viele Menschen brauchen im Büro was auf die Ohren, um produktiv zu sein. Daher wuseln wir uns jeden Montag durch relevante neue und alte Musik. Diese Woche mit Kanye, Morcheeba und Malaria!.

Alben der Woche

Kanye West – Ye

Ich will mich gar nicht darüber auslassen, wo „Ye“ in Kanyes Diskographie zu verorten ist. Ob es ein gutes oder schlechtes Album ist. In diesem Fall ist es viel interessanter die Platte in seiner ganzen selbstreferenziellen Aktualität zu kontextualisieren. Schließlich tut Kanye das auf „Ye“ auch, das in seiner jetzigen Form erst vor einigen Wochen aufgenommen wurde. Nach Kanyes Shitstorm-Interview mit TMZ, in dem er Sklaverei unter anderem als eine Entscheidung der Schwarzen bezeichnet hat, nahm er alles neu auf. „I said slavery’s a choice, they said, ‘How, Ye?’ / Just imagine if they caught me on a wild day“, heißt es zum Beispiel auf „Wouldn’t Leave“.

„Ye“ findet vollkommen im Jetzt statt, es geht um die Sklaverei-Äußerung oder seine wohlwollenden Aussagen über Donald Trump, alles eingebettet in eine Aufarbeitung seiner bipolaren Störung, Suizidalität und seines Drogenmissbrauchs. „I hate being Bi-Polar, it’s awesome“, steht auf dem Cover, das selbst erst kurz vor Veröffentlichung auf dem iPhone entstanden sein soll.

Die Verknüpfung seiner geistigen Gesundheit mit der Thematisierung kontroverser Aussagen lässt erkennen, dass es auch auf „Ye“ letztlich um das geht, worum es bei Kanye eigentlich immer geht: Was kann man ihm glauben, was ist Kunstfigur, was echter Kanye – und weshalb hält er seine Bipolarität für eine Superkraft („Yikes“)? Damit erteilt er sich quasi selbst die Absolution über alles, was er je gesagt hat und sagen wird. Das darf man ruhig problematisch finden.

„Ye“ ist von der Presse bisher eher mit gemischten Gefühlen aufgenommen worden. Ich halte es trotzdem für ein Album, das in jede Office-Playlist gehört. Nicht nur, weil es eben Kanye ist, sondern weil es auch wirklich einige schöne Momente hat – ob es nun in nur wenigen Wochen zusammengewichst wurde oder nicht. War ja schließlich auch Konzept, irgendwie.

Morcheeba – Blaze Away

„Blaze Away“ – fast absolut radiofreundlicher Trip-Hop mit zarten Massive-Attack-Anleihen und altbewährten Zutaten: Dub, satter Bass, psychedelische Gitarren und Synthies, dann: mit teilweise funkigem Einschlag, was vor allem für den Titelsong mit Rapper Roots Manuva gilt. Die beiden Highlights sind in der Mitte des Albums zu hören: Die bitter sweet Synthieballade „Sweet L.A.“ sowie das loungige Chanson-Retroschlager-Duett „Paris sur Mer“, mit Songwriter Benjamin Biolay, das jedoch – zugegeben – auch etwas gewollt nach Gainsbourgh/Birkin klingt.

Danach geht’s erst etwas folkig-countrymäßig weiter („Find Another Way“), bevor Morcheeba wieder die klassische Trip-Hop-Kurve kriegen. Für alle, die es im Office laidback und entspannt mögen.

Songs, die wir schon lange nicht mehr gehört haben

Es ist ja gerade allzu offensichtlich, dass wir kurz vor Anfang der zwanziger Jahre des 21. Jahrhunderts ein Wave- und Postpunk-Revival erleben. Für alle, die den echten Scheiß vermissen: Malaria!, mit New Order und Siouxsie and the Banshees auf Tour, waren Produzentin und DJ Gudrun Gut oder Manon Pepita Duursma von Nina Hagen damals absolute Avantgarde-Royalty.

Die Chicks on Speed haben das Ganze übrigens 2000 neu vertont und geremixt.

Songs, die uns aus dem Food Coma hauen

Einfach so, weil es geil ist. Und weil jedes Sparkle-Office ein gutes Office ist.

Wie immer findet ihr die besprochene Musik wöchentlich geupdated auf unserer Spotify-Playlist:

 


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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