Office Pop KW 23: Die neueste und beste Musik gegen das Food Coma

Viele Menschen brauchen im Büro was auf die Ohren, um produktiv zu sein. Daher wuseln wir uns jeden Montag mit Office Pop durch relevante neue und alte Musik. Diese Woche mit Get Well Soon, Feist und den Beach Boys.

Alben der Woche

Get Well Soon – The Horror

(Ab 8. Juni, Caroline/Universal Music)

Konstantin Gropper alias Get Well Soon mag nicht an Francis Ford Coppolas Meisterwerk „Apocalypse Now“, dessen legendäre Sterbeszene mit Marlon Brando und seine letzten Worte „The Horror, the Horror“ gedacht haben, als er „The Horror“ schrieb und produzierte. Eine Referenz im weitesten Sinne muss es aber doch sein, denn Groppers sechstes Album ist ein Soundtrack. Ein Soundtrack, zu dem es jedoch keinen Film gibt.

Die musikalischen Szenen sind in Groppers Albtraumwelt angesiedelt statt auf der Leinwand. Wie auf dem Vorgänger Love träumt er zwar immer noch in der typischen, eh schon theatralischen Get-Well-Soon-Klangwelt jenes martinigetränkten Big-Band-Sounds und des Verrucht-Chansonhaften alter Pariser Salons. Doch Gropper versteht es diesmal, deren Altbau-Flügeltüren szenisch weit zu öffnen und seine Albtraum-Dämonen orchestral-oppulent in Szene zu setzen und mit Themen zu belegen, wie es eben sonst nur bei Filmmusik üblich ist.

Womit wir dann doch wieder bei „Apocalypse Now“ wären, auf dessen Soundtrack Wagners Walkürenritt zu hören ist, der ja mit seiner opulenten Opernmusik quasi der Urvater aller Filmmusik ist. Ich weiß, sehr weit hergeholt, aber so ist das eben mit Referenzen, irgendwann ist alles mit allem verbunden.

„The Horror“ hat Orchester, hat dunklen Marlene-Dietrich-Chanson, hat Big Band und ja, hat tatsächlich auch Trip Hop. Zu düster für die Arbeit vor dem PC? Keinesfalls, Groppers Dämonen scheinen manchmal mitunter fast freundlich. Die Darkness schwingt eher so im Subtext mit und schwingt und schwingt. Bis Feierabend ist und deine Tasks erledigt sind.

Weitere Album-Perlen:

Kid Cudie – Kids See Ghosts

Jorja Smith – Lost & Found

Feist – Inside And Out

Leicht verrucht und stimmlich verraucht bleibt es mit Feist, erweitert um ein bisschen Funk. Macht einfach Spaß und sollte immer wieder gerne gehört werden.

 

Songs, die uns aus dem Food Coma hauen

Was kann man noch groß über diesen Song sagen – er befand sich zwar nicht, wie etwa „Wouldn’t It Be Nice“ auf „Pet Sounds“, einem der drei ersten richtigen Alben der Popgeschichte, dafür benutzten die Beach Boys für den Song ein Elektro-Theremin und machten das Instrument schon cool, bevor es durch den Titelsong von Star Treck zum Kult wurde. Außerdem heißt  das Ding „Good Vibrations“, was ihn eigentlich zu Anti-Food-Coma-Song schlechthin macht. Auch geil: der Song wurde am 8. Juni zusammen mit dem Royal Philharmonic Orchestra neu herausgebracht.

Wie immer findet ihr die besprochene Musik wöchentlich geupdated auf unserer Spotify-Playlist:

 


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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