Sind Bots die besseren Journalisten?

Wo geht es hin mit den Medien und wie lassen sich neue Technologien für den Journalismus von morgen nutzen? Ein Blick auf Perspektiven für die mediale Zukunft.

Laut Statistiken aus dem Jahr 2017 werden Zeitungen aktuell noch von 44 Prozent der Deutschen gelesen. Prognosen zufolge entscheidet sich in den kommenden fünf bis zehn Jahren, wie sich der Printbereich durch den digitalen Wandel verändert. Und ob es ihn überhaupt noch weiterhin geben wird. Die Ungewissheit ist groß, aber auch die Lust auf das Neue und Unbekannte.

Wo geht es hin mit den Medien und wie lassen sich neue Technologien für den Journalismus von morgen nutzen? Im Rahmen eines Medienworkshops des Kompetenzzentrums Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes sprach Game-Thinking-Experte Christoph Brosius mit Journalistinnen und Journalisten über Perspektiven für die mediale Zukunft der Datensammlung, und -verarbeitung im Journalismus.

Darum ging es

Petra Kaminsky im Gespräch. Foto: Kultur- und Kreativpiloten

Auch wenn der Großteil der redaktionellen Tätigkeit derzeit noch Handarbeit ist, kann der stetig zunehmende Einfluss automatisierter Tools nicht mehr von der Hand gewiesen werden. Große Nachrichtenagenturen nutzen bereits Techniken wie Dataminer oder Juicer, um aus Sozialen Netzwerken und anderen webbasierten Anwendungen relevante Informationen zu filtern. Diese Daten werden schneller ausgespielt als es der aktuelle Newsticker der Polizei schafft, sie können digital auf Echtheit geprüft werden und sie liegen in einer Masse vor, die von einem Menschen so nicht produziert werden könnte.

Solche Werkzeuge sind auch Petra Kaminsky, Leiterin von DPA Story, nicht fremd. Als “Nachrichtengroßhandel” versteht sich die DPA als Dienstleister und experimentiert bereits mit unterschiedlichen automatisierten Verfahren, beispielsweise zur Verschlagwortung großer Mengen von Bildern und beim Data-Mining. Im Gespräch gab sie Einblicke, wie diese Werkzeuge aktuell bei der dpa genutzt werden. Außerdem spricht sie darüber, welche Bedeutung ein Verification Manager für das Markenversprechen hat. Die technischen Möglichkeiten werden Veränderungen bei der Arbeit in den Redaktionen nach sich ziehen. Nicht, weil Journalisten durch Maschinen ersetzt werden, sondern weil sie neues Storytelling hervorbringen können.

Tagebuch für Kühe

Carolyn Braun, freie Journalistin und Fellow des Kompetenzzentrums, entwickelt im Rahmen von Projekten ihres Unternehmens Chapter One gemeinsam mit Marcus Pfeil regelmäßig transmediale Formate. Eines davon sind die “Superkühe“: Dabei haben sie im vergangenen Jahr Sensoren in den Pansen von Kühen installiert und sie mit einer Software verbunden, die aus den aufgenommenen Daten Texte gebaut und sie in Form eines Tagebuchs ausgespielt hat. Gleichzeitig war es möglich, über Chatbots mit den Kühen zu kommunizieren. Das Projekt “Superkühe” wurde unter anderem vom WDR begleitet und heiß in den Sozialen Medien diskutiert.

Auf der einen Seite die große Nachrichteninstitution, auf der anderen Seite ein Unternehmen für innovatives Storytelling. Und im Zentrum die Frage: Was kommt nach dem Content? Wie verändert sich der Journalismus durch Bots und Automatisierung? Machen sie die Journalisten schneller oder überflüssig?

Im Gespräch der beiden Journalistinnen wurde schnell transparent, wie große Datenmengen in Geschichten aufbereitet und dadurch “reine” Informationen leichter allgemein zugänglich gemacht werden können.

Das komplette Gespräch im Video:

Die Thesen des Gesprächs in a Nutshell: zur digitalen Zukunft der Medien

#Digitalisierung betrifft alle wesentlichen Bereiche der Medienbranche: Datensammlung, -verarbeitung und -ausspielung. Der größte Bedarf an neuen Ideen besteht derzeit in der Ausspielung.

#Bei allen Automatisierungen, die bisher erprobt und genutzt werden, ist bereits deutlich zu sehen: Ohne Menschen geht es (noch) nicht.

#Künstliche Intelligenz hat vor allem etwas mit Massenverarbeitung zu tun. Das birgt große Chancen für die Informationsvielfalt des Journalismus.

#Automatisierte Datenverarbeitung lässt eine kleinteiligere Berichterstattung zu, was das individuelle Nutzererlebnis qualitativ verbessern kann.

#Die Automatisierung des Journalismus wird in den USA deutlich offener als hier kommuniziert. Besonders in den ergebnislastigen Bereichen wie Sport, Finanzen und Wetter sind automatisch generierte Meldungen verbreitet.

#Glaubwürdigkeit ist ein wichtiges Thema. Medienmarken müssen sich das Vertrauen der Leserschaft durch umfassende Faktenchecks erarbeiten. Dabei kann KI in Form von Bildabgleichssoftware unterstützen.


Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes

Das Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes ist ein Content-Partner von BUSINESS PUNK. Als Plattform für schnittstellen- und zukunftsrelevante Themen erreicht das Kompetenzzentrum mit seinen Veranstaltungen jährlich rund 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Kultur- und Kreativwirtschaft und anderen Bereichen von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Es ist das Labor, in dem aus der Praxis heraus mit Akteuren der Kultur- und Kreativwirtschaft Antworten auf Zukunftsfragen entwickelt werden.

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