Elon Musk nutzt mit seinem nutzlosen Rettungs-U-Boot vor allem sich selbst

Elon Musk will helfen. Ein Mini-U-Boot hat er entwickeln lassen, aus einem Teil einer Falcon-Rakete seines Unternehmens Space X, um die in Thailand in einer Höhle festsitzenden Jungs sicher herauszubringen. Der Escape Pod soll’s richten. Nur: danach gefragt hat ihn zunächst niemand. Naja, außer einem Twitter-Dude mit 800 Followern. Trotzdem hat Elon Musk geantwortet und zwar sehr laut und sehr oft auf Social Media: dass er ein Space-X-Team nach Thailand schickt, dass er dieses U-Boot entwickeln lässt. Dass es nun getestet wird. Dass es jetzt in Thailand ist und dort bereitsteht, falls nötig.

Währenddessen holten Taucher bereits neun Jungs raus (Stand: 10:21 Uhr), schrieben Medien über Musks Pläne und nahmen sich Rettungskräfte anscheinend auch noch Zeit, Musk Feedback für seinen „Escape Pod“ zu geben. Und dann liefert er und sein Team ein Teil ab, dass nach Einschätzung des Leiters der Rettungskräfte, Narongsak Osotthanakorn, für die Mission unbrauchbar ist, denn: Der Pod sei zwar „technologically sophisticated“, würde aber einfach nicht passen. Klar eigentlich, wenn man zugehört hätte und wüsste, dass es in der Höhle so enge Stellen gibt, dass Taucher ihre Pressluftflaschen ausziehen und vor sich her schieben müssen.

White-Savior-Komplex oder Selbstvermarktung?

Man muss kein reicher, westlicher Unternehmer mit White-Savior-Komplex sein, um sich Sache und Menschen gegenüber ignorant zu zeigen. Hilfe und schnelle Aktion bietet Musk schließlich immer und überall an, unabhängig davon, ob es sich um westliche Gesellschaften handelt oder nicht. Doch: Bei ihm gibt es keine Aktion ohne Eigennutz, medienwirksamer Ausschlachtung und Aufmerksamkeit für sich und seine Unternehmen. Er weiß, dass seine Tweets Engagement bringen. Er weiß, dass seine Interaktionen mit Usern und das fixe Aufgreifen ihrer Ideen in der Vergangenheit sein Business geboostet haben.

Musk verkörpert klassisch amerikanischen Unternehmergeist: Es gibt ein Problem? Lasst mich vorbei, ich klär das. Jedoch ungeachtet dessen, was vielleicht schon unternommen wird, ungeachtet der Tatsache, dass sich ein extrem fähiges internationales Rettungsteam herausgebildet hat, welches seit zwei Wochen eingespielt ist und fast ununterbrochen an der Rettung arbeitet. Das ist erstens ignorant und zweitens in der Sache nicht hilfreich.

Der Escape Pod: Geil für ihn

Natürlich muss man nicht immer warten, bis die Leute auf einen zukommen und darf auch ungefragt Hilfe anbieten. Und es ist ja nicht so, dass Musks Aktionen nicht schon tatsächlich hilfreich waren in Notsituationen, als er zum Beispiel wegen Energieengpässen in Australien eine riesige Batterie bauen ließ.

Nur: Niemandem ist geholfen, wenn falsche Hilfe kommt und irgendwann ist die Unternehmerdevise „Tue Gutes und spreche darüber“ überstrapaziert. Musk hat nichts Produktives zur Rettung der Jungs beigetragen, sein Narrativ aber verknüpft ihr Schicksal und das aller zukünftig in ähnliche Not geratenden Menschen mit seinem U-Boot. Dafür bekommt er international Aufmerksamkeit und stellt sich in ein Rampenlicht, dass eigentlich Rettungstauchern, Ärzten, Ersthelfern, Psychologen und Krisenmanagern gehört. Und das ist einfach nicht so geil. Außer vielleicht für ihn selbst.


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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