Out of Germany: Warum Victoria Weber Kopenhagen als Gründungsort bevorzugt

In unserer Serie „Out of Germany“ stellen wir Expats vor, die mit ihrem Beruf in die Ferne gezogen sind. Über das Wie und Warum sprechen wir diesmal mit Gründerin Victoria Weber, die seit 2014 in Kopenhagen lebt.

Mit 23 Jahren hat Victoria Weber ihre eigene Accessoire-Firma Mermaid Stories (eine ApS, das dänische Pendant zur GmbH) gegründet. 2014 ist sie während des Studium nach Kopenhagen gezogen – und dort geblieben. Mit den Jahren ist ihr Team gewachsen und zu dem anfänglichen Portfolio an Damenuhren ist inzwischen auch Schmuck dazugekommen, den sie EU-weit vertreiben.

Warum hast dich entschieden, in einem anderen Land zu arbeiten?

Kopenhagen ist ein absoluter “Place to be” für Designliebhaber. Design hat hier einen sehr hohen Stellenwert, ob es nun Mode oder Interior betrifft. Außerdem ist die dänische Hauptstadt für ihre lässige Mentalität bekannt und hat gleichzeitig eine super Infrastruktur. All das hat mich dazu bewogen, nach Kopenhagen auszuwandern.

Was ist dort besser ist als in Deutschland?

Dänemark ist in vielen Bereichen digital organisiert. Unternehmen, Politik und Bürger haben viel weniger Abstand zueinander, als in Deutschland. Tommy Ahlers, ehemaliger Juror beim dänischen Pendant zu “Die Höhle der Löwen”, ist zum Beispiel gerade zum Minister für Bildung und Forschung ernannt worden. Politiker fahren mit dem Fahrrad zur Arbeit. Neulich war ich im Freizeitpark “Bakken” und stand plötzlich neben einem Parteivorsitzenden, der sich dort mit Bürgern unterhalten hat.

Und was sind die Pain Points dort?

Für Startups mit internationaler Ausrichtung ist es ein Nachteil, dass das Preis- und Lohnniveau in Dänemark im europäischen Vergleich sehr hoch ist. Der Mehrwertsteuersatz liegt bei 25 Prozent und als E-commerce Unternehmen betreffen uns bei Mermaid Stories besonders die hohen Versandkosten ins Ausland. Ein Päckchen nach Deutschland, das mit Uhren oder Schmuck ja wirklich nicht besonders groß ist, kostet schnell mal über 20 Euro.

Dein „favorite place to work“ in Kopenhagen?

In Kopenhagen gibt es unzählige Orte, wo es sich gut arbeiten lässt. In hippen Cafés wie Coffee Collective, Paludan oder den Cafés der Kette Riccos sitzen den ganzen Tag über Leute mit ihren Laptops, zwischen denen man in Ruhe seinen Kaffee trinken und arbeiten kann. Am liebsten bin ich aber in unserem Büro, das lichtdurchflutet und ziemlich nordisch-minimalistisch eingerichtet ist.

Und wo trifft man spannende Leute zum Netzwerken?

Etwa ein Viertel der 5,7 Millionen Dänen lebt im Großraum Kopenhagen. Da liegt es auf der Hand, dass die Hauptstadt eine besondere Rolle spielt. Für Gründer gibt es hier viele Gelegenheiten, um Gleichgesinnte kennenzulernen. Es gibt Konzepte wie bei Republikken, wo man statt pro Getränk eine Gebühr pro Stunde bezahlt und dafür unbegrenzt Kaffee trinken, arbeiten und mit anderen ins Gespräch kommen kann. Co-Working Spaces wie das Rainmaking Loft oder DARE 2 Mansion bieten viele Events an, an denen auch Nicht-Mitglieder teilnehmen können.

Was vermisst du aus Deutschland?

Die Joghurt-Auswahl deutscher Supermärkte. Ansonsten kann ich mich nicht beschweren. Bei Lidl gibt es sogar frische Brezeln im Bake-off.

Business Do’s und Dont’s in Kopenhagen?

In Dänemark duzt man jeden außer die Königin. Allerdings muss man aufpassen, dass man die sprachliche nicht mit persönlicher Nähe verwechselt. Ich habe auch den Eindruck, dass Dinge viel direkter hinterfragt werden – auch Anweisungen vom Chef.

Und dann gibt es noch die dänische Work-Life-Balance. Um vier Uhr sind die meisten Väter und Mütter unterwegs, um ihre Kinder aus der Tagesbetreuung abzuholen.

Könntest du dir vorstellen, wieder nach Deutschland zurückzukommen?

Erst einmal nicht. Mit seiner weltbekannten (und enttäuschend kleinen) Meerjungfrau ist Kopenhagen als Firmensitz für Mermaid Stories natürlich prädestiniert. Unsere Marke ist geprägt vom dänischen Design und der skandinavischen Mentalität. Deswegen ist es für uns wichtig, vor Ort zu sein. Mit unseren Produkten wollen wir genau dieses besondere Lebensgefühl mit unseren Kunden in der ganzen Welt teilen.


Julia Berger

Julia hat irgendwas mit Literatur, Medien & Politik studiert – ist dann aber an der Bundespräsidentschaft knapp vorbeigestolpert. Die famosen Weltherrschaftspläne mussten deswegen erstmal verschoben werden und nach ein paar kleinen Kreativpausen in Asien, Südamerika und der Agenturlandschaft ist sie nun stets bemüht als Leiterin der Digital Redaktion von Business Punk unterwegs.

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