100 Berufe im Gehalts-Check: Was zahlt der Markt wirklich?
Der Entgeltatlas zeigt: 45.800 Euro Median-Jahresgehalt in Deutschland. Aber die Unterschiede zwischen Berufen, Regionen und Geschlechtern sind massiv. Der Überblick über 100 Jobs.
Der deutsche Arbeitsmarkt zahlt im Median 45.800 Euro brutto pro Jahr – das entspricht monatlich 3.816 Euro. Doch diese Zahl verschleiert mehr, als sie offenbart. Zwischen Berufsgruppen, Bundesländern und Geschlechtern klaffen Lücken von mehreren tausend Euro. Der Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit liefert nun einen detaillierten Überblick über 100 beliebte Berufe und zeigt, wo der Markt wirklich zahlt.
Was der Entgeltatlas offenlegt
Die Datenbank der Bundesagentur für Arbeit erfasst Bruttomonatsgehälter nach Beruf, Region, Alter und Geschlecht. Der Median als statistischer Wert teilt die Gehaltsskala exakt in der Mitte: 50 Prozent verdienen mehr, 50 Prozent weniger.
Anders als der Durchschnitt bleibt er von extremen Ausreißern unbeeinflusst – ein realistischeres Bild der Marktrealität. Die Tabelle mit 100 Berufen macht transparent, was in verschiedenen Branchen und Positionen tatsächlich gezahlt wird.
Regionale Gehaltsgefälle bleiben bestehen
Kununu hat Gehaltsdaten bundesweit ausgewertet und kommt zu einem klaren Ergebnis: Hessen führt mit durchschnittlich 54.322 Euro brutto jährlich, Mecklenburg-Vorpommern bildet mit 41.513 Euro das Schlusslicht.
Eine Differenz von fast 13.000 Euro – abhängig vom Arbeitsort. Diese regionalen Unterschiede spiegeln Wirtschaftskraft, Branchenstruktur und Lebenshaltungskosten wider. Wer in Ballungsräumen arbeitet, verdient tendenziell mehr, zahlt aber auch höhere Mieten und Lebenshaltungskosten.
Gender-Pay-Gap: 6.920 Euro Unterschied
Die Kununu-Analyse zeigt eine hartnäckige Gehaltslücke zwischen den Geschlechtern. Frauen verdienen im Schnitt 45.887 Euro brutto jährlich, Männer 52.807 Euro – eine Differenz von 6.920 Euro.
Kununu-CEO Nina Zimmermann stellt fest, es gebe nach wie vor keine Gehaltsgerechtigkeit auf dem deutschen Arbeitsmarkt. Ein wesentlicher Faktor sei die mangelnde Gehaltstransparenz, die Verhandlungspositionen schwächt und Ungleichheiten zementiert.
Fachkräftemangel verschärft die Lage
Über 500.000 Fachkräfte fehlen aktuell in Deutschland – Tendenz steigend. Diese Knappheit verändert Machtverhältnisse auf dem Arbeitsmarkt fundamental.
Arbeitgeber konkurrieren härter um qualifizierte Mitarbeiter, was Gehälter in bestimmten Branchen nach oben treibt. Gleichzeitig bleiben andere Sektoren zurück. Der Entgeltatlas wird damit zum strategischen Instrument für alle, die ihren Marktwert realistisch einschätzen und Verhandlungen faktenbasiert führen wollen.
Überblick der 100 Berufe
| Beruf | Bruttogehalt pro Monat (Median) |
|---|---|
| Altenpfleger/-in | 3.901 Euro |
| Apotheker/-in | 5.126 Euro |
| Architekt/-in | 4.551 Euro |
| Arzt/Ärztin | 6.785 Euro |
| Arzthelfer/-in | 2.899 Euro |
| Augenoptiker/-in | 2.816 Euro |
| Bäcker/-in | 2.721 Euro |
| Bäckereifachverkäufer/-in | 2.266 Euro |
| Baggerführer/-in | 3.774 Euro |
| Bankkaufmann/-frau | 5.356 Euro |
| Bauingenieur/-in | 5.507 Euro |
| Bauzeichner | 3.704 Euro |
| Berufskraftfahrer/-in | 2.930 Euro |
| Betriebswirt/-in (Ausbildung/Textil) | 4.358 Euro |
| Biologe/-in | 5.506 Euro |
| Buchhalter/-in | 4.080 Euro |
| Bürokaufmann/-frau | 3.627 Euro |
| Busfahrer/-in | 3.289 Euro |
| Callcenter-Agent/-in | 2.596 Euro |
| Chemisch-technische/-r Assistent/-in | 4.215 Euro |
| Controller/-in | 6.152 Euro |
|---|---|
| Cutter/-in | 4.263 Euro |
| Dachdecker/-in | 3.461 Euro |
| Disponent/-in Bühne/Film/Fernsehen | 5.086 Euro |
| Einkäufer/-in | 5.153 Euro |
| Einzelhandelskaufmann/-frau | 2.728 Euro |
| Elektroinstallateur/-in | 3.567 Euro |
| Elektromechaniker/-in | 3.863 Euro |
| Elektroniker/-in Geräte und Systeme | 3.863 Euro |
| Empfangskraft | 2.374 Euro |
| Erzieher/-in | 3.749 Euro |
| Eventmanager/-in | 3.788 Euro |
| Fachkraft Lagerlogistik | 3.094 Euro |
| Fachmann/-frau für Bürokommunikation | 4.425 Euro |
| Fahrlehrer/-in (berufliche/allgemeinbildende Schulen) | 5.466Euro |
| Filialleiter/-in (Verkaufsstellenleiter/-in) | 4.543 Euro |
| Fliesen-, Platten-, Mosaikleger/-in | 3.365 Euro |
| Frisör/-in | 2.052 Euro |
| Gabelstaplerfahrer/-in | 2.937 Euro |
| Gas- und Wasser-Installateur/-in | 3.528 Euro |
| Gebäudereiniger/-in | 2.519 Euro |
|---|---|
| Gestalter/-in (Grafikdesign) | 3.831 Euro |
| Großhandelskaufmann/-frau | 3.582 Euro |
| Hausmeister/-in | 3.188 Euro |
| Hotelfachmann/-frau | 2.678 Euro |
| Industriekaufmann/-frau | 4.207 Euro |
| Industriemechaniker/-in | 4.224 Euro |
| Informatiker/-in | 6.213 Euro |
| Ingenieur/-in Elektrotechnik | 6.719 Euro |
| IT-Systemadministrator/-in | 5.124 Euro |
| Justizfachangestellte/r | 3.763 Euro |
| Kassierer/-in im Handel | 2.532 Euro |
| Kellner/-in | 2.415 Euro |
| Key Account Manager/-in | 5.547 Euro |
| Koch / Köchin | 2.750 Euro |
| Krankenschwester/-pfleger | 4.056 Euro |
| Lackierer/-in Fahrzeug | 3.306 Euro |
| Lehrer/-in Grundschule | 4.694 Euro |
| Lehrer/-in Gymnasium | 5.531 Euro |
| Logistiker/-in | 3.656 Euro |
| Logopäde/-in | 3.204 Euro |
|---|---|
| Maler/-in | 3.091 Euro |
| Marketing Manager/-in Performance | 5.196 Euro |
| Marketingfachkraft/-assistent/-in | 4.124 Euro |
| Maschinenbau-Ingenieur/-in | 6.615 Euro |
| Maurer/-in | 3.543 Euro |
| Mechatroniker/-in | 3.739 Euro |
| Mediengestalter/-in Bild und Ton | 3.222 Euro |
| Medizinisch-technische/-r Laborassistent/-in | 3.821 Euro |
| Metallbearbeiter/-in | 3.866 Euro |
| Notfallsanitäter/in | 3.864 Euro |
| Personalsachbearbeiter/-in | 4.240 Euro |
| Physiotherapeut/-in | 3.067 Euro |
| Pilot/-in (Flugkapitän) | Über 7.100 Euro |
| PR-Manager/-in | 4.952 Euro |
| Psychologe/-in | 4.867 Euro |
| Rechtsanwaltsfachangestellte/-r | 3.090 Euro |
| Redakteur/-in | 4.658 Euro |
| Reinigungskraft (Helfer) | 2.332 Euro |
| Schiffsmechaniker/-in | 4.273 Euro |
| Schmied/-in | 3.442 Euro |
|---|---|
| Sekretär/-in | 3.627 Euro |
| Sicherheitsmitarbeiter/-in | 2.715 Euro |
| Silberschmied/-in | 2.865 Euro |
| Softwareentwickler/-in | 5.858 Euro |
| Sozialarbeiter/-in (Sozialpädagoge/-pädagogin) | 4.371 Euro |
| Sozialversicherungsfachangestellte/-r | 4.398 Euro |
| Speditionskaufmann/-frau | 3.662 Euro |
| Steuerfachangestellter/-in | 3.285 Euro |
| Straßenbauer/-in | 3.773 Euro |
| Systemprogrammierer/-in | 6.307 Euro |
| Umweltschutztechnische/r Assistent/in | 3.970 Euro |
| Verkäufer/-in | 2.728 Euro |
| Verkehrsüberwacher/in (Hilfspolizistin) | 3.658 Euro |
| Versicherungskaufmann/-frau | 5.146 Euro |
| Verwaltungsfachangestellte/-r (Kommunal) | 3.873 Euro |
| Werkzeugmechaniker/-in | 4.123 Euro |
| Wirtschaftsprüfer/-in | 6.805 Euro |
| Zahntechniker/-in | 2.982 Euro |
| Zimmerer/Zimmerin | 3.489 Euro |
Business Punk Check
Die Gehaltsdaten offenbaren eine unbequeme Wahrheit: Der deutsche Arbeitsmarkt bleibt fragmentiert und intransparent. Während Unternehmen von Fachkräftemangel sprechen, zahlen viele Branchen weiterhin unter Marktwert. Die regionalen Unterschiede von bis zu 13.000 Euro zeigen, dass Standortentscheidungen direkten Einfluss auf Lebenseinkommen haben. Der Gender-Pay-Gap von fast 7.000 Euro ist kein Naturgesetz, sondern Resultat fehlender Transparenz und schwacher Verhandlungspositionen.
Wer den Entgeltatlas strategisch nutzt, verschafft sich einen Informationsvorsprung. Die Daten ermöglichen es, überzogene Gehaltsforderungen zu vermeiden und gleichzeitig Unterbezahlung zu erkennen. Besonders in Zeiten des Fachkräftemangels sollten Arbeitnehmer ihre Position kennen und nutzen. Der Markt zahlt nur, was verhandelt wird – und Verhandeln beginnt mit harten Fakten. Die 100-Berufe-Übersicht ist ein Werkzeug, kein Schicksal.
Häufig gestellte Fragen
Wie nutzt man den Entgeltatlas für Gehaltsverhandlungen?
Der Entgeltatlas liefert belastbare Daten über branchenübliche Gehälter nach Beruf, Region und Erfahrung. Diese Zahlen bilden die Grundlage für faktenbasierte Verhandlungen. Wer mit konkreten Median-Werten argumentiert, vermeidet überzogene Forderungen und kann gleichzeitig Unterbezahlung nachweisen. Die Daten sollten mit individuellen Qualifikationen und Marktsituation kombiniert werden.
Warum unterscheiden sich Gehälter regional so stark?
Wirtschaftskraft, Branchenstruktur und Lebenshaltungskosten variieren zwischen Bundesländern erheblich. Hessen mit seinem Finanzplatz Frankfurt zahlt im Schnitt 54.322 Euro, Mecklenburg-Vorpommern mit schwächerer Wirtschaftsstruktur 41.513 Euro. Diese Unterschiede spiegeln lokale Arbeitsmärkte wider. Wer mobil ist, kann durch Standortwechsel das Einkommen signifikant steigern.
Welche Branchen profitieren vom Fachkräftemangel?
IT, Gesundheitswesen, Handwerk und technische Berufe verzeichnen die größten Engpässe. Der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften treibt Gehälter in diesen Sektoren nach oben. Arbeitnehmer mit gefragten Qualifikationen können bessere Konditionen aushandeln. Parallel bleiben Branchen mit Überangebot an Bewerbern unter Druck.
Wie lässt sich der Gender-Pay-Gap konkret reduzieren?
Gehaltstransparenz ist der erste Schritt: Wer Marktwerte kennt, verhandelt selbstbewusster. Unternehmen sollten Gehaltsbänder offenlegen und regelmäßige Audits durchführen. Arbeitnehmerinnen müssen aktiv verhandeln und sich nicht unter Wert verkaufen. Gesetzliche Auskunftsansprüche sollten konsequent genutzt werden, um Ungleichbehandlung aufzudecken.
Welche Rolle spielt der Median gegenüber dem Durchschnittsgehalt?
Der Median teilt die Gehaltsskala exakt in der Mitte und bleibt von extremen Ausreißern unbeeinflusst. Ein Durchschnitt kann durch wenige Spitzenverdiener stark verzerrt werden. Für realistische Gehaltseinschätzungen ist der Median daher aussagekräftiger. Er zeigt, was die Mehrheit der Beschäftigten tatsächlich verdient.
Quellen: Rtl, Kununu