Effektiv loben: Wie Wertschätzung wirklich ankommt

Als Eltern tun wir uns leicht mit dem Loben. „Mensch, toll, spitze, superklasse, wie du ein Loch graben kannst!“ Und der Nachbar, dessen englischer Rasen mit dem Loch verziert wurde, soll am besten noch ins Loblied einstimmen, der Spießer. Das Kind muss gefördert werden! Je mehr Lob, desto besser! Als würde das Kind darauf reinfallen…

Manche Führungskraft überträgt diesen Irrglauben leider auf ihre Mitarbeiter. Seit sich herumgesprochen hat, dass Wertschätzung die Mitarbeitermotivation erhöht, finden in manche Unternehmen regelrechte Anerkennungsorgien statt. Da brüllt der Chef den Mitarbeitern bei der Hauptversammlung schon mal zu: „Ihr seid die besten Mitarbeiter der Welt!“ Gut gemeint, aber nützen wird das wenig. Von der Bühne runter, in einen vollen Saal hinein: Wer soll sich davon angesprochen fühlen? Und wenn die faulen Socken pauschal mit gelobt werden: Welches Signal sendet das an diejenigen, die sich die Anerkennung redlich verdient haben?

Auch joviale Lobeshymnen nach dem zehnten Bier auf der Weihnachtsfeier tun wenig für die Motivation. „Müller, Sie geile Sau! Sie machen hier einen Spitzenjob! Weiter so!“ Das ist mindestens genauso schlimm wie gar kein Lob…

Da geht es uns Erwachsenen nicht anders als unseren Kindern: Wenn wir ritualisiert gelobt werden, nehmen wir das Lob nicht ernst. Den Lobenden auch nicht. Wenn wir riechen, dass die Wertschätzung nur ein erwünschtes Verhalten verstärken soll, dann fühlen wir uns vielmehr verschaukelt. Und dann ist jedes weitere Lob nichts mehr wert.

Mit der Wertschätzung ist es wie mit der Kritik: Sie kommt nur an, wenn sie einen klaren Bezugspunkt hat. Ein Lob zeigt Wirkung, wenn du die Beobachtung mit kommunizierst, die dich dazu veranlasst hat. Zum Beispiel so: „Müller, in der Verhandlung heute haben Sie das Ruder rumgerissen. Mir ist aufgefallen, dass der Kunde nach Ihren Argumenten eingelenkt hat. Das hat mich beeindruckt.“

Dieses Lob sagt: Ich möchte dir meine Wertschätzung zeigen, denn du hast sie verdient. Es drückt Respekt aus – eine wertschätzende Haltung. Das Wort kommt vom lateinischen „respicere“, was so viel bedeutet wie „zurücksehen“. Respekt heißt immer: den Anderen sehen. Vom Chef gesehen zu werden ist die Art von Anerkennung, die sich Mitarbeiter tatsächlich wünschen. Die die Motivation erhöht und das Selbstbewusstsein stärkt.

Sag deinen Leuten nicht einfach nur, dass sie toll sind. Sag ihnen warum. Sonst glauben sie dir nämlich kein Wort


René Borbonus

René Borbonus ist Trainer, Buchautor und Vortragsredner und zählt zu den gefragtesten Experten für professionelle Kommunikation im deutschsprachigen Raum. Er ist einer der meist gebuchten Redner zu seinen Themen Rhetorik und Kommunikation.

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