Wasserkrise in Flint: Siebenjähriger sammelt 14.000 US Dollar für Grundschulen

Isiah Britt ist sieben Jahre alt und geht in die zweite Klasse der Eisenhower Grundschule in Flint, Michigan. Während des Abendessens erzählten seine Eltern ihrem Sohn von dem Wasserproblem der Gegend und versuchten zu erklären, warum Kinder wegen der Wasserversorgung krank werden. Statt daheim vor der PS3 zu sitzen, wollte Isiah selbst tätig werden: Die Familie plante Wasserflaschen für die Grundschule zu spenden, um irgendwo mit dem Helfen zu beginnen. Doch nach einem Gespräch mit der Schule wurde schnell klar, was wirklich gebraucht wird: Handdesinfektionsmittel.

Nach Erklärungen der Grundschule, würden die Kinder sich nicht mehr trauen, sich mit Leitungswasser die Hände zu waschen, so berichtet die Washington Post. Für Isiah die Chance sich einzusetzten. Dann eben Handdesinfektionsmittel. Er brauchte 500 US Dollar für die 16 Klassen der Eisenhower Grundschule. Die Mutter setzte ein Profil bei GoFundMe ein und das Spendensammeln sollte beginnen.

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Innerhalb von 23 Tagen hat der siebenjährige Isiah aus Flint 14.000 US Dollar gesammelt.

Womit niemand wohl so wirklich gerechnet hatte: Er hat nach gut 20 Tagen 14.000 US Dollar (13.000 Euro) zusammen. Beinahe 500 Menschen haben bisher gespendet. Isiah ist sieben Jahre alt und kann mit seinen gesammelten Spenden nicht nur die Eisenhower Grundschule versorgen – er kann den Grundschulen der ganzen Region helfen. Die Handdesinfektionsmittel sind schon bestellt.

GoFundMe
Die Desifektionsmittel für die eigene Eisenhower Grundschule sind schon im Einsatz. Die Order für alle anderen gesetzt.

Flint steht schon länger wegen der Wasserkrise im Blickpunkt der Öffentlichkeit. Wie NBC News berichtete, schossen die Wasserrechnungen in die Höhe – in einem Bezirk mit einem durchschnittlichen Haushaltseinkommen von 25.000 US Dollar (etwa 22.700 EUR), in der 40 Prozent in Armut leben. Die ganze Krise begann 2014: Die Stadt Flint entschied sich, aus Kostengründen, aus der Wasserversorgung von Detroit auszusteigen. Seitdem nutzen sie das Wasser aus dem Flint. Schnell beklagten sich die Einwohner über den Geschmack und Geruch des neuen Wassers, Menschen werden krank – denn was bei der Entscheidung nicht berücksichtigt wurde: Durch Wasserrohre gelang Blei in das Trinkwasser und es wurden keine passenden Chemikalien zur Aufarbeitung eingesetzt.

wasserhahn
Die Krise um Bleiversetztes und schmutziges Wasser begann im April 2014.

Doch erst eine Sammelklage im vergangenen November erreichte Aufmerksamkeit. Die Wasseraufnahme aus dem Flint wurde gestoppt. Im Januar diesen Jahres rief Präsident Obama schließlich den Umwelt-Notstand für die Stadt aus. Das führte dazu, dass nun auch Trinkwasservorräte und Wasserfilter unter den Einwohner verteilt werden. Nicht nur die Nationalgarde verteilt Wasser. Auch Großunternehmen wie Coca-Cola, Walmart, Nestlé und PepsiCo spendeten Wasserflaschen. Kürzlich erst erregten einige Prominente wie Cher, Jimmy Fallon und Eminem Aufmerksamkeit durch ihre Großspenden an Wasserflaschen für die Bewohner von Flint. Doch das Problem ist noch nicht gelöst – da kam Isiahs Idee genau richtig. Das beste ist, die Spendenzeit auf GoFundMe ist noch nicht abgelaufen, helfen kann man hier.


Denise Kopyciok

Denise Kopyciok ist Master-Studentin für Journalismus. Wenn sie nicht gerade in St Petersburg versucht die russische Sprache zu verstehen, streunt sie in Berlin umher. Was sie sonst so von der Welt hält, kann man in ihrem Blog nachlesen.

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