Kim Jong Fun: Surfschule in Nordkorea – alles andere hat Markos Kern schon erlebt

Kann man das mit einer Surfschule leisten? Wie frei wird die sein? Kern weiß es selber nicht, will aber die Starrheit des Landes zumindest ein wenig aufbrechen. Er sagt: „In Nordkorea leben 24 Millionen Menschen, die nicht nur von innen, von der eigenen Regierung isoliert und malträtiert werden, sondern auch von außen, indem man Sanktionen verhängt und die Bürger mit der Regierung gleichsetzt.“ Naiv? Und darf man das, kann man das, Spaß haben, wenn wenige Kilometer weiter Menschen im Arbeitslager sterben? Man muss es sich vielleicht in einfachen Sätzen vorsagen: Jede Annäherung ist besser als keine. Es kann nicht verkehrt sein, wenn ein kleiner, zaghafter Austausch am Strand stattfindet – wem schadet der? Es klingt nach Politik von Menschen, die kein Diplom in Internationale Beziehungen haben, sondern in Surfen und Advanced Highfiving, eine schmunzelnd-clevere Einfachheit, mit der man krustige Konzepte nach und nach in ihre eigentliche Bedeutungslosigkeit achselzuckt.

Diktatur und Alltag

Diese Haltung ist programmatisch: Kern glaubt an Brainstorming und Synergien. Als VJ hat er Improvisieren gelernt: „Durch das Ungewisse und Improvisation wird die stärkste Energie freigesetzt“, sagt er. Wobei ihm – Synergien hin oder her – Nordkorea selber zwischen die Beine fahren kann, weil es eben Nordkorea ist. So hatte Kern im vergangenen Winter einen Ski-Trip zum Masik Pass im Süden des Landes geplant und auch schon Zusagen von drei Profi-Snowboardern aus den USA, sogar das „Snowboarder Magazine“ wollte mitkommen und berichten. Und dann? Testen die Nordkoreaner in der Nacht vor dem Abflug eine Atombombe. „Die Jungs haben 20 Minuten vor dem Start der Maschine abgesagt. Damit war dann der Großteil des medialen Interesses an der Reise verpufft.“

Aber Kern ist überzeugt von der Durchführbarkeit der Surftrips, die man über ihn direkt buchen kann. Kostenpunkt: Zwischen 1 500 und 2 500 Dollar für sieben bis zehn Tage Strand und Stalinismus. „Schon seit Langem kann man Reisen relativ problemlos organisieren. Ein Besuch des Landes ist viel weniger spektakulär, als es immer wieder gemacht wird.“ Damit ist er bei einem weiteren Thema, über das er gerne redet: der Darstellung Nordkoreas in den westlichen Medien. Beziehungsweise, wie einfach es sich viele machen, Klischees zu bedienen.

Kern klappt den Laptop auf und zeigt die Bilder, die er bei seinem Aufenthalt gemacht hat. Straßenszenen, Kinder auf dem Weg zur Schule, Verkehrspolizistinnen in Uniform, ein Lkw, in dem der Fahrer eine Pause macht, Leute vor Geschäften – kurz, eine Stadt an einem Dienstag, die sich vor allem über eines nicht beklagen kann: einen Mangel an Normalität. Aber frühmorgens, bei Sonnenaufgang, entdeckt Kern die westlichen Kamerateams: „Die fangen die großen Straßen natürlich zu einer Stunde ein, zu der kein Mensch unterwegs ist. Und dann steht anschließend in der Überschrift: ‚Menschenverlassenes Pjöngjang.“ Kern dagegen mag die pastellige Farbgestaltung der Architektur, die oft von den lauten Propagandaplakaten gebrochen wird, ein intensives Leuchten im Winterlicht. „Das Land sieht an vielen Stellen aus wie ein Film von Wes Anderson.“

Kick-Off im Mai

Herrschende Meinungen anfechten, kuriose Projekte vorantreiben, beides scheint Alltag für ihn: Immerhin verdient Kern sein Geld mit Unternehmen, „die bereit sind, sich in eine neue Richtung stoßen zu lassen“.

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Nordkorea ist nicht die erste Station von KERN Innovations

So sitzt der VJ/Lichtkünstler/Universalkreative mit Kern Innovations als Berater bei Bauprojekten im Boot. „Als Nicht-Architekten und Nicht-Ingenieure sind wir dafür zuständig, dass wir bei den Bauvorhaben ein Auge drauf haben, dass der ursprüngliche Gedanke, mit dem das Projekt gepitcht wurde, gewahrt wird.“ Oder er entwirft für das Bayerische Staatsministerium für Umwelt den Claim „Klimawandel meistern“. Oder er kauft einen Panzer, den er mit Bea-mern bestückt, rollt nachts durch Berlin und wirft das Logo der Airline Vueling an die Wände von Hochhäusern. Im März hat er Fun With Balls gegründet, ein Unternehmen, das in den Augmented-Sports-Bereich vorstößt, nebenbei läuft Ulyss, ein Projekt, das Reisen mit künstlicher Intelligenz verknüpft. Wie will man so einen davon abbringen, seine Surfschule zu eröffnen?

Ja, das Regime zeigt seinen Besuchern gern potemkinsche Dörfer mit einstudiert glücklichen Bauern. Kern ist aber überzeugt, auf seinen Fahrten durch das nordkoreanische Hinterland Momente aus dem Augenwinkel mitzubekommen „in denen Sozialismus funktioniert“ – Menschen, die einander helfen, die ohne Aufforderung für eine peinliche Sauberkeit sorgen. „Die Menschen dort wollen es richtig machen.“ Umso mehr glaubt er daran, dass man einen Schritt in das isolierte Land wagen muss.

Und bald ist es geschafft. Im Mai ist Kick-off für die Surfschule am Majon Beach. Derzeit gibt es 14 Anmeldungen, alles Westler, außerdem sind zwei DJs dabei, die den Start feiern. Noch Plätze frei? Kern sagt: „Ich suche immer smarte Leute mit Bock auf Reisen.“ Und wer später im Jahr nichts vorhat, kann sich den Termin freihalten: „Da kommt was Spannendes im Iran.“ Wird sicher auch angenehm komplex.

Markos Kern und seine Surfschule in Nordkorea:

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Alexander Langer

Alexander ist Redakteur bei Business Punk, wo er vor allem den Teil Play Hard betreut. Vorher hat er sich durch den Berliner Startup-Dschungel gehangelt, war außerdem bei 11Freunde. Noch weiter davor tausend Jobs, von denen er dir gerne mal ausführlich erzählt, wenn du nicht aufpasst.

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