Das beste Produkt-Feedback: Raus auf die Straße mit Datepack

Ach, Sommer. Faul im Schatten lümmeln, träge den Gedanken nachhängen, was man gerade alles tun sollte, aber auf keinen Fall tun wird. Man sieht den Bienen und den Blumen zu und kommt dabei auf den naheliegenden Gedanken: Wäre es nicht nett, wenn man jemanden hätte, mit dem man gemeinsam die Bienen und Blumen ansieht? Aber was, wenn man im Summer in der City schon alles weggetindert hat und das einst im Hugo-Rausch angelegte Elitepartner-Profil hinter vor Jahren vergessenem Passwort verstaubt? Dann braucht man, Saravanan Sundaram zufolge, Datepack.

Sundaram steht im Büro von Business Punk auf dem Raucherbalkon und erzählt das Geschäftsmodell runter: Nutzer sollen gematcht werden, indem sie Interesse an ähnlichen Events bekunden, zu denen man sich verabreden kann. Dann aber gleich raus aus dem Internet und rein in IRL-Erleben: Derzeit gibt es 14 Events, die man über Datepack buchen kann. Topseller: die Kanutour. Außerdem Minigolf (Sundaram hat den ältesten, prestigereichsten Minigolfplatz in Berlin zur Partnerschaft gewinnen können) und der Crash Room. Crash Room? „Wo Leute ein Zimmer buchen können, um dort alles kaputt zu hauen, die komplette Einrichtung. Das ist ein ziemlich gerne gebuchtes erstes Date“, sagt Sundaram.

Datepack bekommt für die Vermittlung von Gästen von den Veranstaltern eine Gebühr, die Gäste bekommen in manchen Fällen eine kleine Aufmerksamkeit zur Begrüßung. Gute, alte Groupon-Schule.

Aber noch mal, das ist Sundaram wichtig und Hauptteil seines Pitches: Menschen soll die Furcht genommen werden, sich zu treffen. Dass Fremde Dinge erleben und sich näherkommen, nicht nur am Bildschirm spielen. Oder mit Bots. „Swipen ist kein Daten“ – ein Satz, der gut als Claim funktioniert. Wir schütten ihm derweil noch Negroni nach.

Überall Sticker

Schnell stellt sich gute Laune ein, bei Sundaram ist die auch begründet: Die Website ist live, erste Medienaufmerksamkeit gibt es auch, Sundaram hat einen Stapel frisch aus dem Druck geholte Flyer dabei. Außerdem sind in Berlin-Mitte mittlerweile gefühlt alle Masten und Pfosten, Fahrradständer und Stoppschildrückseiten, sprich alle urbanen Klebegrounds, mit den türkisfarbenen Datepack-Stickern versehen. Das Street-Team hat ganze Arbeit geleistet. Nächste Stufe: Er hat es geschafft, dass seit Juli auch an Litfaßsäulen Werbung geschaltet wird, klassisch und passend zu einem, der Menschen zu undigitaler Facetime ermutigen will. Der Test am echten Objekt, unsere Pitchtour, ist da die nächste logische Stufe.

Erst mal geht es in feine Gefilde: zur Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft der Bundesregierung. Mmmmh. Die haben ein neues Büro mit Dachterrasse, und jeden letzten Donnerstag im Monat findet dort Gin & Genius statt. Heißt: Menschen, die in der Jugend zumindest mal heimlich ein Gedicht geschrieben haben, kippen sich einen rein. Schön!

Datepack

Saravanan Sundaram, Gründer und CEO von Datepack.

Sundaram ist im Wedding aufgewachsen, Hip-Hop-Vergangenheit in der Bio, ist absoluter Vitamin-B-Mensch, hat in verschiedenen Stadien von Datepack viele alte Freunde rangezogen – Gin & Genius klingt wie geschaffen für einen, der permanent am Netzwerken ist.

Erster Kandidat auf der Dachterrasse: Peer. Er beugt sich über die Mobilansicht der Seite. Hm, hm, kommt von ihm. Hm. Sundaram macht kurzen Prozess: „Findeste geil, oder was?“ Peer findet es schon geil.

Als Nächstes Melisa: Grafikdesignerin, sie guckt skeptisch über die mobile Ansicht der Seite. „Das Scrollen nervt. Außerdem mag ich keine Porträtfotos im Kreis. So wirkt das irgendwie alt.“ Sie hätte lieber eine große Übersicht, außerdem gerne die Möglichkeit, mit dem von Tinder geölten Daumen nach rechts und links Leute wegzuwischen. Sundaram nickt, gibt ihr einen Flyer. „Schon ganz schön geleckt“, sagt sie mit Blick auf die Hochglanzpostkarte. Melisa: „Aber nicht, dass du mich falsch verstehst – Leute verwechseln ja immer ehrlich und böse.“ Sundaram ist cool, auf keinen Fall.

Franz und Joseph sind 18 und 16 Jahre alt und extra aus Senftenberg-nicht-so-weit-weg-von-Dresden angereist, ihre Mutter hat dort eine Marketingagentur und die beiden auf das Event geschickt. Jetzt stehen sie hier rum. „Dresden? Geil, Lovoo-Town“, sagt Sundaram, die beiden nicken unsicher. Wie sie das Konzept finden? Gut: „Junge Leute finden back to the roots, wir erleben damit wieder das Kennenlernen der Elterngeneration.“ Die Jungs reden so wie Adalbert Stifter nach drei Runden Midnight-Basketball. Sie verabschieden sich, müssen später am Abend wieder zurück.

Sundaram pitcht Christoph, Chef von Gin & Genius, die Idee. Der nickt, stutzt aber beim Thema Crash Room: „Wie bitte? Was machen die Leute da?“ Er ist fasziniert und lässt lakonisch ein bisschen Kreuzberg-Realismus raushängen: „Ich wohne an der Schönleinstraße. Ich hätte nie gedacht, dass Leute Geld bezahlen, um einfach mal was kaputtzumachen.“ Am Ende bietet er Sundaram noch an, sich für eine Förderung zu bewerben. Er schaut auf die Uhr: „Die Frist läuft in zwei Stunden ab, kann aber relativ formlos sein.“ Sundaram beschreibt auf einer Postkarte in Stichworten sein Konzept und drückt sie Christoph relativ formlos in die Hand.


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