Life & Style Das beste Produkt-Feedback: Raus auf die Straße mit Datepack

Das beste Produkt-Feedback: Raus auf die Straße mit Datepack

Zigarette danach

Danach wird es ein bisschen burlesk, der Gin knallt. Sundaram pitcht Datepack einer Frau, aber die driftet eigenartig weit ab: „Ich habe aufgehört zu rauchen. Das fehlt mir schon sehr, vor allem nach dem Sex. Eigentlich“, denkt sie nach, „beim Sex. Na ja.“ Sie geht an die Bar, um sich noch einen Gin Tonic zu besorgen.

Eine andere vom Radiosender FluxFM fühlt sich von Datepack an ein ähnliches Konzept erinnert. „So etwas hatten wir auch mal früher im Programm. Das hieß Blind Gig, da haben wir Leute auf Konzerte geschickt, ohne dass sie wussten, welche Bands sie dort erwarteten.“ Sie will Datepack für ein Senderevent im Sommer im Blick behalten, Sundarams Netzwerkpower funktioniert. Er hat bald mehr Visitenkarten in der Gesäßtasche als ein Kasino-Rumsitzer Fünf-Euro-Scheine. Immer an: der Vitamin-B-Blick. „Wer ist das da drüben“, fragt Sundaram. „Das ist“, fange ich an zu sagen, aber er läuft schon mit zum Grüßen ausgestreckter Hand los. „Mach-mal-warm-Intro“, flüstert er.

Bislang war das alles sehr, sehr easy. Bei Kreativen scheint das Konzept Jochen-Schweizer-meets-Tinder richtig aufzugehen. Keiner, der beim Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes dem Konzept Datepack nicht etwas abgewinnen konnte. Das muss ein Ende haben. So ein Pitchabend ist nicht nur Instagram-Sonnenuntergang, Dachterrasse und Gin. Sondern eben auch düstere Nacht, Kotze böser Menschen am Schuh und Amphe-Adel.

Auf ins Elend

Wir stolpern durch Niederungen Kreuzbergs und finden das Logo, eine Eckkneipe mit Jukebox und viel Holz. Es ist ziemlich leer, Fernseher läuft. In einer Ecke sitzen an einem großen Tisch gelangweilt drei Ladys, sie wirken so, als würden sie sich über höfliches Angequatschtwerden zumindest ein bisschen freuen. Sundaram justiert seine Ansprache. „Ich bin der Inder“, sagt er zur Begrüßung. „Hallo Inder“, kommt es lachend zurück. Sundaram ist in business.

Schnell ist eine gemeinsame Basis gefunden: Ein echter Berliner Binnenkonflikt Wedding versus Kreuzberg. Man disst einander sachte und battlet sich im Elendsvergleich. Dann räuspert sich Sundaram und trägt seinen Pitch vor. Und schnell kommen die richtig scharfen Fragen: „Du bist Chef? Was verdienste denn?“

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Das ehrlichste Produkt-Feedback gibt es spät in der Nacht – bei reichlich Promille.

Rosi, multitätowiert, Ernte-23-heiser, unbestimmbares Alter, lehnt die digitale Anbahnung ab: „Zufallsbekanntschaften sind doch viel geiler.“ Sie lacht und wirkt, als hätte sie gerade Lust auf eine Zufallsbekanntschaft. Nächstes Feedback: „Ist die Benchmark ,Bauer sucht Frau‘, oder was?“ Nein, erklärt Sundaram geduldig. Nein, nein, trinkt seinen Jägermeister aus, beugt sich vor und fängt von vorne an. „Also: Ihr habt generell schon Interesse an Dates?“ „Wir sind alle große Lesben!“ Ein Witz, wird ihm versichert. Sundaram stupst sich die Brille zurück auf die Nase. Das Feedback läuft weiter rein: „Was, wenn ich einen Dreier will? Kann ich Bewertungen abgeben? Ich will User bewerten können. Und ich will sehen, was der Typ für einen Beruf hat. Und was ist mit Sicherheit? Dass es nicht zu Übergriffen kommt? Wie bin ich bei Dates geschützt?“ Wow. Sundaram nickt, das Gespräch mit seinem CTO am nächsten Tag wird sicherlich interessant werden.

Dann das: „Wie sehen deine Zahlen aus?“ Eine Frage straight outta „Die Höhle der Löwen“. Es ist drei Uhr am Freitagmorgen, und aus Schnapskipperei wird ein VC-Gespräch. „Willst du Investor werden?“, fragt Sundaram zurück. Kopfschütteln, Lachen. Er seufzt. Letzte Chance. „Okay, mal was ganz anderes: Findet ihr wenigstens mich cool?“ „Klar, Inder!“, kommt es aus drei Kehlen zurück.

Beim Warten auf das Taxi fühlen wir uns seltsam versehrt, als hätten wir einen Orkan überlebt. Aber alles gut, die Sonne geht langsam auf. „Christa, noch ’n Futschi!“, schallt es hinter uns aus dem Logo.

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