Tiffany Pham ist Mogulin mit Mission und baut an ihrem eigenen Medienimperium

Recruiting unter Freunden

Fünf Monate, nachdem sie mit der Arbeit begonnen hatte, stellte Pham ihre erste Mitarbeiterin ein. Heute beschäftigt sie 20 Programmierer und Designer in Vollzeit, darunter frühere Kollegen, Freunde und ihren Bruder David, der nun Chief Product Officer und Chief Technical Officer ist. Auch sonst ist das Recruiting von Mogul eher ungewöhnlich. Head of Operations der Site ist Juli Szaller Hurme, eine junge Ungarin, die Pham auf Mogul selbst aufgetan hat. „Sie war eine unserer hartnäckigsten Poweruserinnen. Sie hat jede Stunde etwas hochgeladen. Dann haben wir uns getroffen, ich habe gemerkt, wie sehr ihr das Projekt am Herzen liegt, und sie als Beraterin angeheuert.“

Das Team

Mit einer wilden Mischung aus Reddit, Frauenzeitschrift und femininem Medium.com wird Mogul heute von 18 Millionen Frauen zwischen 18 und 34 aus 196 Ländern pro Woche gelesen. „Eine der ersten Mails überhaupt kam aus Pakistan“, erinnert sich Pham. „Da schrieb mir ein Mädchen, dass alle um sie herum nur ans Heiraten dachten und wie sie von Mogul inspiriert war, mehr zu sein als das. Da wusste ich: Ich bin auf dem richtigen Weg.“

Überhaupt geht es Pham viel um Wege, um Vernetzung und um Wissen. Was sie geschaffen hat, ist auf eine Art vergleichbar mit frühen Weltkarten: Erst waren es Abenteurer, die in unbekannte Gefilde aufbrachen. Aber sie brachten Wissen um Wege und Orientierungspunkte für die anderen mit. Genau das soll Mogul sein: eine Sammlung von Wissen, wie man als Frau Karriere macht.

Wie schon bei Phams früheren Jobs trudelten nach kurzer Zeit Preise und Auszeichnungen ein: Die Site gewann den Cadillac IVY Innovator Award 2014, wurde 2015 vom Magazin „Entrepreneur“ als eines der „Top NYC Startups to Watch“ und vom Magazin „Inc.“ als eine der „Best Websites for Finding Top Talent“ ausgezeichnet. Anerkennung ist schön, aber noch lange kein Geschäftsmodell. Also tat Pham, was sie am besten kann: Sie kramte in ihrem prall gefüllten Kontakte-Ordner, konnte erst Topmanager von AOL, der BBC und MTV für ihr Advisory Board gewinnen und traf dann vor allem weibliche Manager von Google, Dreamworks und Amazon, denen sie Klicks gegen Bares versprach. „Am Anfang waren das wirklich kleine Deals, mal 2 000 Dollar hier oder da“, sagt Pham. Durch den gewaltigen Erfolg bei den Nutzerinnen stiegen bald die Budgets. 10 000 Dollar, dann 50 000 Dollar pro Deal. Was Mogul weiter fehlte: eine verlässliche Geldquelle jenseits der Mediendeals. Und eine Idee, wie man mehr sein könnte als eine Art Onlinemagazin für ehrgeizige Frauen. Pham überlegte, was junge Frauen mit Ambitionen brauchen. Ihre Antwort: Mentorinnen. Sie stöberte erneut in ihren Kontakten.

Mit Mogul At Work etablierte sie eine Art Premiummitgliedschaft, bei der die Nutzerinnen sich für 29 Dollar im Monat mit beruflichen und auch privaten Fragen an Expertinnen wenden können, die den Weg durch die Berge und Täler des Erfolgs schon gegangen sind. Außerdem entwickelte Mogul zehn kostenpflichtige Onlinekurse, einen für jeden Aspekt des Lebens der Nutzerinnen, von Karriere, Bildung, Entrepreneurship und Grundwissen des Ingenieurwesens bis hin zu Beziehungen, Schönheit und Reisen.

Bei allem Lifestyle und aller Lässigkeit ist es Pham ernst mit ihrer im Kern feministischen Mission. Nur 15 Prozent der Mitglieder von Vorständen und Beiräten seien Frauen, sagt sie. „Mogul will junge Frauen, noch bevor sie wirklich mit ihrer Karriere beginnen, ermuntern, für sich selbst einzustehen, sich zu vernetzen und zu pushen.“ Pham hat es ausgerechnet: Wenn sich nichts ändert, dauert es noch bis 2085, bis Frauen 50 Prozent der Führungspositionen in den USA einnehmen. Deutlich zu lange.

Die „Queen of Millennials“, wie der Silicon-Valley-Investor Guy Kawasaki Tiffany Pham einmal nannte, hat viel größere Ziele, als bloß junge, kluge Amerikanerinnen zu vernetzen. Für Frauen aus Indien, Pakistan, Kenia, Myanmar und Ägypten ist Mogul at Work kostenlos. In Kooperation mit den Vereinten Nationen hat sie über eine Million Gratis-Onlinekurse für Mädchen in Entwicklungsländern angeboten. „In der Welt gibt es über 62 Millionen Mädchen, die keinen Zugang zu Bildung haben. Diese Mädchen wollen wir letztlich erreichen“, sagt Pham.

Wären ihre Eltern vor 18 Jahren nicht nach Texas gezogen, wäre Pham heute selbst eines dieser Mädchen ohne Bildung. Wie gesagt: Die besten Erfindungen lösen idealerweise die Probleme ihrer Erfinder.

Der Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe 05/2016 der Business Punk. Titelgeschichte: Wie Siri-Erfinder Dag Kittlaus mit dem Sprachassistenten “Viv“ neue Standards setzen will. Außerdem unser Dossier AI, Ryanair-CEO Michael O’Leary und viele weitere Beiträge. Mehr Infos hier


Daniel Erk

Daniel Erk hat Politikwissenschaften und Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation in Göttingen und Berlin studiert. Er arbeitet als freier Journalist, wohnt in Berlin und schreibt, neben Business Punk, unter anderem auch für ZEIT Campus, Neon und DIE ZEIT.

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