Soundcloud startet Streaming-Abo in Deutschland – und macht damit Spotify Konkurrenz

Ljung sitzt in einem Raum in den Soundcloud-Headquarters in Berlin. Eigentlich kein Raum, sondern ein Studio. An der Wand Gitarren, Bässe, Drumsticks, hinter ihm ein Mixpult. Ljung ist gutgelaunt, sieht so aus, als würde er einem gleich erklären, dass der Take zumindest okay war und es mit der Karriere doch noch was werden kann, wenn er nur die richtigen Regler hochzieht. Die gute Laune kommt aber woanders her: Gestern wurde Soundcloud Go gelauncht, die neue App von Soundcloud. Ljung setzt sich, trinkt ein Warmgetränk aus einem skurril großen schwarzen Thermobecher. Er war lange selber Musiker, ist es noch immer, redet gerne von einer Leidenschaft für Musik. Klar, dass wir vor dem Business-Talk erstmal gewisse Dinge zuerst wissen wollen:

Herr Ljung, was war das erste Musikprojekt?

Ich war in Schweden Bassist in einer Punkband. Das war die einfachste Art, in die Musik zu kommen. Ich hatte immer einen Fuß in der Musik- und einen in Techbranche. Dann bin ich zu Electro gekommen, habe dann Freejazz gemacht, sehr experimentell. Hat großen Spaß gemacht.

Hand aufs Herz, wie hieß die erste Band?

Ich weiß nicht, ob ich das hier sagen kann. Im Ernst. Aber gut: Die hieß „Goddammit it’s the Retards“. Das lässt man in den USA besser unerwähnt.

Goddammit it’s the Retards“?

Schrecklich, ja. Ich weiß.

Learning: Wenn ich also ein eher mäßig talentierter Bassist bin, kann ich immer noch ein riesiges Unternehmen hochziehen?

Offensichtlich ja, man kann grauenvollen Punk machen und dann etwas richtig Großes gründen.

Gut. Aber zum aktuellen Anlass. Gestern kam ja die neue App Soundcloud Go raus.

Ja, nicht nur. Am Mittwoch passierten sogar zwei Sachen: Wir werden erstens Werbung auf Soundcloud bringen und zweitens Soundcloud Go in Deutschland einführen, unseren Abo-Service.

Wie sieht die Werbung aus?

Es ist ein Mix aus Audio-Werbung und Display, einige sehr innovative Formate, mit denen sich Marken mit Künstlern verbinden können. Unser Satz heißt: “For every time an ads get played, an artist gets paid“. Daraus generieren wir einen Umsatz, den wir in Deutschland mit den Musikschaffenden teilen werden.

Und Soundcloud Go?

Das ist unser Abo-Programm. 9,99 Euro im Monat, dafür bekommt man drei Dinge: erstens, dass die Werbung verschwindet. Zweitens Offline Sync, ein Feature, das sich die meisten gewünscht haben. Drittens, und das ist wirklich einzigartig und anders: Wir haben über 100 Millionen Tracks auf der Plattform, eine riesige Menge an Content. Was wir bislang nicht hatten, waren oft Tracks von Major Labels und den gesamten Katalog von bestimmten Künstlern. Wir haben aber viel Arbeit auf Deals mit den Labels verwendet, und haben deren gesamten Content lizensiert – alles ist auch bei uns jetzt erhältlich. Man hat also ein Abo, das insgesamt 135 Millionen Tracks beinhaltet. Alles von den größten und bekanntesten Künstlern der Welt bis hin zu denen, die jetzt erst anfangen und demnächst vielleicht groß rauskommen werden.

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© Soundcloud

Nicky Minaj neben dem Typen, der alleine in seiner Garage trommelt?

Alles in einem. Das Spannende daran: eben genau Nicky Minaj kann einfach so spontan einen Track auf Soundcloud hochladen, den sie sofort mit der Welt teilen will. Bislang war das bei uns nicht ungewöhnlich, allerdings konnte man über uns nicht auf ihren kompletten Katalog zugreifen. Man kann also nicht nur jetzt auf die kompletten Alben zugreifen, sondern bekommt auch die Schnellschüsse, diese vielen vielleicht oft noch sehr rohen Ideen. Alles in einem. Man ist dem Künstler also sehr nah. Das Go alles ist Go. Und das gibt es seit Mittwoch in Deutschland.

Der achte Markt, wie es heißt.

Genau. Der erste Markt waren die USA im März. Wir haben acht neue Regionen in acht Monaten gestemmt, einen pro Monat. Deutschland ist für uns mehr als nur der achte, das ist wie ein Heimkommen für meinen Mitgründer Eric Wahlforss und mich. Hier hat vor zehn Jahren alles für uns begonnen. Wir sind jetzt endlich richtig hier.

Warum war Deutschland nur der achte Markt auf der Roadmap für Go?

Nur der achte? Hey, wir haben acht Märkte in acht Monaten erschlossen…

…aber Deutschland ist ja ein großer Markt, in dem Geld steckt – und eben eure Wahlheimat. Warum erst jetzt?

Stimmt. Aber es hat recht lange gedauert mit der Musikindustrie ins Geschäft zu kommen und die ganzen notwendigen Lizenzen zu erhandeln. Der Grund dafür ist: wenn man Soundcloud mit anderen Plattformen vergleicht, haben wir eine Welt, wo man viele Anbieter hat, die eigentlich allesamt recht ähnlich sind – also 30 oder 40 Millionen Songs für 9,99 Euro im Monat. Die Logos unterscheiden sich, aber unter der Oberfläche ist es eigentlich dasselbe. Dann gibt es uns. Wir sind komplett anders. Wir haben eine riesige Content-Library mit Dingen, die es sonst nirgends gibt. Wir haben viel mehr Creators als alle anderen. Ich sage gerne, dass das herkömmliche Radio ein paar Tausend Künstler pro Jahr spielt. Bei uns werden Monat für Monat 12 Millionen Künstler abgerufen. Das ist eine ganz andere Größenordnung. Auch sind die Inhalte komplett anders als bei anderen. Es dauert sehr lange, mit der Branche da ins Geschäft zu kommen. Die Frage: Wie können wir etwas schaffen, was komplett anders ist? Es musste alles komplett neu erschaffen werden. Das dauerte. Da hängen Indies, Labels, Publisher etc. Seitdem sind wir mit Go so schnell wie möglich in andere Regionen vorgedrungen. Gleichzeitig haben wir mit Soundcloud Pulse eine App für Creators geschaffen, um mehr und mehr Creator in das Premium-Programm zu holen. Es war eine echt busy Zeit.


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