Leadership & Karriere Soundcloud startet Streaming-Abo in Deutschland – und macht damit Spotify Konkurrenz

Soundcloud startet Streaming-Abo in Deutschland – und macht damit Spotify Konkurrenz

Wird es immer umsonst sein, Content hochzuladen und anzubieten? Vor allem als jemand, der die Plattform für frühe Aufmerksamkeit benötigt?

Ja. Wenn man mal an die Anfänge von Soundcloud denkt: Eric und ich waren immer inspiriert von den Skalierungsmöglichkeiten und der Schwellenlosigkeit des Internets. Man kann Milliarden von Menschen vernetzen, jeder hat Zugang. Das war ein faszinierendes Konzept, das wir unbedingt auf die Musik übertragen wollten.

Ein eigentlich einfaches Versprechen.

Jeder Creator, egal wo auf der Welt, sollte in der Lage sein, sich anzumelden und seine Sachen mit allen anderen zu teilen. Das konnte aber in der Musikwelt niemand so richtig leisten. Viele haben versucht, Musikläden zu schaffen, aber so richtig demokratisch, mit dem Ur-Internet-Gedanken, ging es nie und nirgends zu. Und das war bei Soundcloud seitdem immer der Anspruch. Woran wir gerade arbeiten, ist das Premiere Programm, wo ausgewählte Creators sich dazu entscheiden können, ihren Content gegen Bezahlung anzubieten. Noch nicht alle, aber es werden mehr. Vor kurzem erst haben wir neue Methoden geschaffen, wie wir automatisieren, wie wir Creators schneller und schneller in das Programm bringen. Die Vision soll sein, dass jeder Creator in der Lage ist, seinen Content auf Soundcloud monetarisieren zu können – es soll so einfach sein, wie einen Account bei uns zu erstellen.

Viele Künstler sind nicht unbedingt glücklich mit Streaming-Anbietern, manche Stars ziehen ihren Katalog komplett zurück.

Eric Wahlforss und ich haben beide einen Background in Musik. Ich habe jahrelang in einem Studio gearbeitet. Eric hat selber ein Album rausgebracht. Wir haben den Blickwinkel aus der Sicht der Künstler. Die Frage war immer: „Was kann das Internet für Künstler und Musiker tun?“ Was wollen die, brauchen die? Das war immer die Frage. Deswegen sind wir schnell zur größten Plattform für Creator geworden. Das ist es, was uns von allen anderen unterscheidet. Man redet mit Künstlern, und man spürt die Leidenschaft für Soundcloud. Die anderen Dienste sind für sie oft eher Läden, Stores. Wir hatten also immer eine viel nähere Bindung zu Künstlern. Dann mussten wir richtig hart arbeiten, um mit der ganzen Musikbranche klarzukommen, wir mussten lernen, was für die wichtig war. Wir mussten denen erklären, welche neuen Dinge wir leisten können. Das hat sehr lange gedauert. Aber bei Künstlern direkt hatten wir eigentlich immer ein großes Stein im Brett.

Mit Soundcloud verbindet man ja oft große, außergewöhnliche Mixes, die ein namenloser Mensch um vier Uhr morgens hochlädt, auf die man dann zufällig stößt. Bleibt dieser Spirit erhalten?

Ja. Es wird bei uns immer um Authentizität und einen gewissen rohen, unverfälschten Charme gehen. Um Spontaneität. Um das in-the-moment. Und das ist spannend. Ganze Genres entstehen hier. Wir betrachten es so: Was in der Musik passiert und sich entwickelt, findet vor allem bei uns statt. Und das ist sehr wichtig, wenn man über die Plattform nachdenkt, wie sie war und wie sie sein soll. Die Magie der Plattform steckt darin, dass man selber aktiv sein kann – ganz egal ob man Drake ist oder ein junger Typ in einer Garage.

Das klingt komplex: Wie ist es, wenn ich einen Mix mache, in dem ein 30sekündiges Drake-Sample drin ist – werde ich dafür Geld verlangen müssen, oder wird das dann sogar gelöscht?

Es kann sehr kompliziert werden. Die Sache mit den Rechten ist sehr komplex. Wir haben Content Protection Systems und Takedown Systems, alles. Eigentlich mit das Fortschrittlichste, was es da gerade so gibt. Gleichzeitig wollen wir aber die Remix-Kultur und Ableitungen von Bestehendem unbedingt ermöglichen. Darum ging ein großer Teil der Verhandlungen mit der Musikbranche nicht nur um Lizenzen, sondern darum, Rahmenbedingungen zu schaffen, wie wir diese Remixe im großen Stil monetarisieren und einen Weg zu ebnen können, damit Creators Geld verdienen können und gleichzeitig die völlige künstlerische Freiheit bewahren.

Wie lange hat das gedauert?

Ein paar Jahre.

Wann gingen die Verhandlungen genau los?

Eigentlich schon als wir noch winzig waren. Das war sehr ungewöhnlich, und die Major Labels waren richtig überrascht. Wir waren ein winziges Berliner Unternehmen und haben uns proaktiv bei denen gemeldet, gesagt: Hey, wir wachsen sehr schnell und brauchen Verbindungen und Kontakte, damit wir auf die beste Art und Weise eure Copyrights kontrollieren und einhalten können. Aber es hat sehr lange gedauert.

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© Soundcloud

Haben die das verstanden?

Niemand aus der Branche hatte sich um diese neue Art, Musik zu machen und zu veröffentlichen, gekümmert. Wenn man mal aus der Vogelperspektive draufschaut, dann merkt man, dass es eine komplett neue Kategorie an Kreativität ist, die aus Soundcloud entstanden ist – Mashups, Derivatives, Remixes. Wir wissen, dass das ein riesiges Ding war, dass die Musiklandschaft ohne diese Dinge heute komplett anders aussehen würde, vor allem im Bereich Electronic und Hip Hop. Es ist ein dickes Fundament für die heutige Musik. Aber die großen Labels hatten alle den Kopf im Sand. „Gibt es nicht.“ Und wir haben gesagt: Nein, so wird heute Musik gemacht, so werden Sounds geformt. Und wenn das keiner angeht und die damit verbundenen Probleme löst, dann machen wir es eben. Das bedeutete, dass man die ganze Branche einen musste, dass man Tech entwickelte, aber wir wollten auf dem Gebiet wirklich die Pioniere sein und es zu etwas machen, was die Branche, die Creators und die Hörer eint.

Wie soll Go in Deutschland vermarktet werden?

Der Großteil der neuen Nutzer kommt organisch zum Produkt. Heißt, über bestehende Nutzer oder Künstler, die ihre Sachen hochladen und dann den Link über meinetwegen Facebook oder Twitter teilen. Das ist eine organische Maschinerie, die für uns extrem wichtig ist. Mit dem Abo-Service gehen wir ein bisschen neue Wege. Wir haben Offline-Events, zum Beispiel neulich bei der Art Basel Miami. Dort hatten wir ein großes Event mit Virtual Reality und verschiedenen Künstlern. Das werden wir auch weiter so machen, aber die eigentliche Triebfeder ist nach wie vor die große Community, die Nutzer selber, die andere reinholen.

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