Leadership & Karriere “4 Blocks“: Zu Gast im Wohnzimmer des Paten

“4 Blocks“: Zu Gast im Wohnzimmer des Paten

Nervt Sie das?

Ramadan: Ich finde es mittlerweile gut, und es ist mir auch egal. Die sollen alle kommen, sind alle herzlich eingeladen.

Lau: Weißt du, was das Traurige ist? Ich hab eine Statistik gelesen, dass wir in der Unterzahl sind. 51 Prozent Nichtberliner, glaube ich. Wir sind in der Minderheit.

Apropos Minderheit. Sie haben mal erzählt, dass Sie früher viel Zeit mit Migrantenkids verbracht haben. Wie kam das?

Lau: Das waren halt Jungs, die sich was getraut haben. Die waren nicht so angepasst. Und ich habe immer alles ausprobiert und alles angeguckt, weil ich nicht so eine große Hemmschwelle habe. Ich komm nicht aus einer reichen Familie, wir haben einen Trödelladen gehabt, jedes Wochenende zum Flohmarkt. Als Kind gab es eine Zeit, wo ich mir gewünscht habe, mein Vater hätte einen BMW und nicht nur ein Klappfahrrad, mit dem er mich von der Schule abgeholt hat. Aber die Jungs in Neukölln, das waren auch keine Bonzenkinder aus deutschen Haushalten. Die kannten die Scheiße, wussten, wie es ist, nicht Teil der Gesellschaft zu sein.

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Verbindet Sie beide dieses Gefühl?

Ramadan: Auf jeden Fall. Ich meine, ich habe das nicht oft erzählt, aber es ist schon ein komisches Gefühl, wenn die Klasse auf Klassenfahrt geht und du weißt, dein Vater kann dir das nicht bezahlen. Wir kamen aus dem Bürgerkrieg, hatten kein Geld. Wenn mein Vater zu mir gesagt hat, „Lass mal Schuhe kaufen“, dann wusste ich nicht, dass er mit mir zum Roten Kreuz geht.

Lau: Weiß du, was aber schön war? Das andere Wertesystem. Klar war Geld oft Thema, aber darum ging es nicht. Es gab so eine Loyalität. Unter Freundschaft verstand man, dass man zueinanderhält.

Herr Ramadan, wie ist es, als Schauspieler in Ihrem Heimatkiez zu drehen?

Ramadan: Schön, ist halt ein Heimspiel. Du kennst alle, fragst Freunde, die da reinpassen, ob sie Bock haben, als Komparsen mitzumachen, kannst während der Pausen nach Hause.

Sie haben schon oft in Neukölln gedreht. Sind Sie inzwischen ein Local Hero?

Ramadan: Was heißt Local Hero? Früher haben die gedacht: Der ist da jetzt mal kurz dabei. Inzwischen merken sie, dass ich das ernst nehme mit meinem Beruf. Ja, viele sind froh, dass ich mich da etabliert hab, und ich glaube, der ein oder andere ist schon so ein bisschen stolz

Nachtrag der Redaktion: Die Serie läuft seit dem 28. November auf ZDFneo. Nach der Ausstrahlung im Fernsehen kann man sich die Folgen über die “funk“-App nochmal ansehen. 

 

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