Star Wars Merch: Das Geschäft mit dem größten Mythos unserer Zeit

DIY vs. AbmahnungStar Wars Merch: Lego Stormtrooper

Es scheint, es gibt kein Produkt, auf dem sich Rechteinhaber Disney nicht das Gesicht von Leia, Luke oder Han vorstellen kann, vorausgesetzt, die potenziellen Lizenzpartner bringen genug Geld mit. Daher ist Star Wars oft da drauf, wo es nicht unbedingt drin ist. Abmahnungen flattern hingegen denjenigen ins Haus, die Star Wars verinnerlicht haben: den leidenschaftlichen, aber oft nicht ganz so zahlungskräftigen Fans, die sich in Gruppen, Vereinen, Conventions zusammenschließen, um die Herzensgeschichte ihres Lebens abzufeiern. Die sich in alter DIY-Tradition akribisch recherierte Kleider, Roben und Rüstungen schneidern, sich treffen und austauschen, die sich mit eigens entwickelten Charakteren als erweiterter Teil des Star-Wars-Universums verstehen.

All das dürfen sie zwar tun, doch ohne mit der Marke assoziiert zu werden. Immer wieder werden Fanseiten von Disney abgemahnt, zum Beispiel weil sie Fotos einer neuen Spielzeugkollektion zu früh ins Netz stellen. 2016 ging der Konzern gegen eine Lichtschwertschule vor, die Fans das Fechten beibrachte, da sie unauthorisiert Bezug auf das Star-Wars-Universum im Allgemeinen und auf Jedi im Besonderen genommen hätte. Seither streben die Schüler in der Ausbildung als „Saberists“ den Titel des „Instructors“ an, von Jedi ist nicht mehr die Rede.

Man kann das unsympathisch finden. Man kann auch kritisieren, all das sei der Ausverkauf von Star Wars als einem Kunstwerk, bei dem Fans bereitwillig mitmachen. Dabei schwingt vielleicht eine fatalistische Kulturkritik mit, die Pop-Art-Papst Andy Warhol einmal so formuliert haben soll: „Die Gesellschaft ist so dumm, daß sie für jeden Dreck hunderttausend Dollar bezahlt.“

Der Innbegriff amerikanischer Massenkultur

Doch sollte auch jedem klar sein: das war von Beginn an so angelegt. Star Wars war von Anfang als Trilogie geplant. Ja, das hat auch mit dem Umfang der Geschichte zu tun. Doch dass George Lucas sich schon zuvor anstatt einer Gage die Merchandising-Rechte zusichern ließ zeigt, dass er wohl etwas gewittert hat.

Star Wars ist der Innbegriff amerikanischer Massenkultur. Das bedeutet keinesfalls, dass die Geschichte um Luke, Han und Leia nicht gut ist. Es bedeutet nicht, dass sie nicht mit viel Liebe erzählt wurde und von Disney weitererzählt werden kann. Es bedeutet lediglich, dass um die Filme herum das konsequent und am erfolgreichsten zu Ende gedacht wurde, was Andy Warhol in der bildenden Kunst begonnen hat: Popkultur. Demokratisierung der Kunst. Die Grenzen zwischen Kunst und Business, Kunst und Kommerz sind aufgelöst. 1963 sagte Andy Warhol: „Wenn du mit deiner Arbeit kein Geld machen kannst, dann mußt du sagen, daß es Kunst ist; und wenn du Geld machst, sagst du, daß es etwas ganz anderes ist.“

 

 

 


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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