Random & Fun „Mit Manieren gehört man heute zur Elite“: Ex-Böhmi-Sidekick Cohn im Interview

„Mit Manieren gehört man heute zur Elite“: Ex-Böhmi-Sidekick Cohn im Interview

Zunächst: Mode ist nicht zwingend mit Stil verbunden. Ich glaube ganz fest daran, dass jeder Mensch irgendwann an den Punkt kommt, an dem er herausfindet, was sein persönlicher Stil ist. Heute sind wir, ich kann es nicht anders sagen, in der glücklichen Lage, dass wir keinen Diktaten mehr unterworfen sind – eigentlich. Dem widerspricht nämlich einerseits der Dresscode von Firmen und Anlässen – und andererseits natürlich das Gefühl vieler junger Menschen, eine bestimmte Marke tragen zu müssen, um zu einer Gruppe dazugehören zu können.

Dann lieber Stilvorschriften als Modediktat?

Das Modediktat steht der eigenen Freiheit jedenfalls ganz massiv entgegen. Ich persönlich glaube daran, dass jemand, der geistig unabhängig ist, auch in der Lage sein muss, seinen persönlichen Stil zu finden. Worin immer man sich wohlfühlen und wie immer man sich selber darstellen will.

Wenn das stimmt, sind zumindest die allermeisten Männer nicht sonderlich frei in ihrem Denken. Männerkleidung ist doch sehr gleichbleibend, langweilig und feige.

Dass Männerkleidung einhergeht mit diesem Stil eines Gentleman, das hat auch damit zu tun, dass sich Männerbekleidung über viele Hundert Jahre kaum geändert hat. Seit die vielfarbigen Formen verschwunden sind, sind in Mitteleuropa ja selbst Bälle total einfarbig geworden.

william cohn interview
„Der gute Ton von Cohn – elegant durch alle Lebenslagen“ (Goldmann, 240 S.) erscheint am 18. Dezember.

Sie kleiden sich sehr klassisch, aber trotzdem auch sehr bunt.

Ich bin da ja ein bisschen der lebende Anachronismus. Ich habe mich mein Leben lang nie um ein Mode- oder ein sonstiges Diktat geschert. Das war mir so was von wurscht! Das Einzige, was mir wichtig war: dass die Schuhe gut und bequem sind. Und, dass die Kleidung sauber ist. Mehr muss es nicht sein. Ob das andere gefällt oder ob jemand die Nase rümpft, das ist gleich.

Gibt es dann überhaupt so etwas wie allgemeine Regeln für gutes Benehmen?

Gutes Benehmen ist ja nicht, dass man sich irgendwelchen Regeln unterwerfen muss. Sondern dass man sich aus seinem Herzen heraus verhält. Dabei schadet es natürlich nicht, die Formen zu beherrschen und etwa einer Dame einen Handkuss geben zu können, der sitzt und nicht affig daherkommt. Wenn man das mal gelernt hat, ist das großartig. Nur, authentisch muss man dabei sein.

 

 

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