Vier Dinge, die ihr von „Black Mirror“ für euer Startup lernen könnt

Captain Daly erhebt sich von seinem Kommandosessel des Raumschiffs USS Callister, streckt die Hand in Richtung Lieutnant Cole aus und schnippt mit den Fingern. Plötzlich ist ihr Gesicht verschwunden. Wo Augen, Mund, Nase waren, ist nur noch Haut. Nanette Cole hatte einen Befehl verweigert. Nun sieht sie nichts mehr, erstickt. Und kann doch nicht sterben. Denn sie ist ein Avatar, trotz eines vollständigen Bewusstseins nur eine digitale Spielfigur, kontrolliert vom Spieler Robert Daly, der eine DNA-Probe der echten Nanette Cole digitalisiert und ihren digitalen Klon in die Cloud geladen hat. Der ihr nun als Avatar Captain Daly die Luft zum atmen nimmt. Ewig könnte er sie so leiden lassen, droht er. Ob sie sich nun füge?

Gerade ist die vierte Staffel der Science Fiction Serie „Black Mirror“ erschienen, die uns oftmals verstörende Szenarien einer nahen und technologiegläubigen Zukunft präsentiert. Fein, sagt ihr, aber was hat das mit meinem Business zu tun? Nichts natürlich, es sei denn, wir lassen uns darauf ein, den Inhalt der Serie ein wenig für unsere Belange zu abstrahieren. Und gerade diese Szene, in der ein Mensch ein – wenn auch nur künstliches – Wesen mit Bewusstsein foltert, führt uns auch schon geradewegs zum ersten Learning:

Sei kein Arschloch

Black Mirror möchte uns gern glauben lassen, dass neue Technologien vor allem dazu da sind, von abgefuckten Sadisten zum Nachteil aller missbraucht zu werden. Stimmt, denn wer ehrlich mit sich und der Welt ist, erkennt schnell: alles, was getan werden kann, wird auch getan. Siehe zum Beispiel die Spaltung des Atomkerns. Als würde es immer jemanden geben, der hinter dem Forscher steht und sagt: „Interessant, was sie da machen! Wie können wir es militärisch nutzen?“

Damit müssen wir uns wohl abfinden. Trotzdem, wollt ihr wirklich so jemand sein? Der Teamleader, der Schichten hin und her schiebt, damit er der Company einen Werkstudenten spart, der betreffende Mitarbeiter dafür aber zehn Tage am Stück arbeiten muss? Oder der intrigante Typ, der irgendwo im mittleren Management festsitzt und deshalb den Kollegen, die fähiger sind, wo es geht, in den Kaffee spuckt? Neben der Tatsache, dass euch dann bald niemand mehr zum After-Work-Drink einlädt, ist es auch Gift für die Unternehmenskultur. Nicht nur bei Uber gibt es genügend Leute, die wegen solchen Spielchen ihren Job hassen. Also holt euch den verdammten Werkstudenten und lasst die Kindereien.

Setzt auf die richtigen Pferde

In „Black Mirror“ ist nicht alles schlecht. Ja, man möchte meinen, die Macher schauen sehr skeptisch in die Zukunft, aber manchmal erhalten die Dinge dann doch einen positiven Spin. In der wunderbar inszenierten Folge „San Jupitero“ (Vorsicht, Spoiler Alert) können alte oder kranke Menschen ihr Bewusstsein in die Cloud laden und so nach ihrem Tod in einer virtuellen Welt weiterleben. Eine zweite Chance auf ein schönes Leben ist also möglich.

Es ist wichtig, sich Neuem gegenüber nicht sofort zu verschließen. Vielleicht bringt eine neue Technologie tatsächlich eine Verbesserung mit sich. Nur, wer agil und nicht allzu sentimental auf Veränderungen reagiert, kann auf Dauer erfolgreich überleben.

Rennt nicht jedem Scheiß hinterher

Wow, Second Life wird das Internet revolutionieren! Sofort investieren, lasst uns virtuelle Flächen in dem Open-World-Game mieten und dort Shops eröffnen, denn die Menschen werden irgendwann eine zweite Existenz komplett online führen. Well. Second Life dümpelt zwar noch auf irgendwelchen Servern rum, aber einen nachhaltigen Impact auf unser Leben hat das Ganze nicht hinterlassen. „Black Mirror“ zeigt uns immer wieder neue Ideen und Technologien, die sich bald als unnütz oder gar gefährlich herausstellen. Zum Beispiel das Implantat Ark Angel, mit dem überängstliche Eltern ihre Kinder überwachen können. Bis es dann irgendwann verboten wird, weil den Kindern dadurch zentrale Erfahrungen fehlen.

Mit anderen Worten, lasst den Hype um neue Technologien ruhig öfter mal Hype sein, analysiert kühl und berechnend, ob es sich lohnt, etwas neues zu adaptieren oder in eine neue Technologie zu investieren. Ihr wisst schon, damit ihr nicht auch irgendwann in der Bedeutungslosigkeit versumpft wie Second Life.

Das Menschliche, das Menschliche

Wow, richtig geil, so ein datenbankgestütztes Bewertungssystem für Menschen! Was könnten Versicherungen doch Geld sparen, hätten sie nur die Möglichkeit, den Lifestyle ihrer Klienten zu checken. 20 Jahre Raucher? Tja, selbst schuld. Was, ein Rennradfahrer? Kannte das Risiko, den Beinbruch zahlen wir nicht.

Könnt ihr euch nicht vorstellen? Die „Black Mirror“-Folge „Nosedive“ hat genau das imaginiert. Die Menschen werden permanent anhand ihrer Social Rankings live bewertet. Daran gekoppelt: einfach alles, Wohngegend, berufliche und soziale Aufstiegschancen, Wohlstand, Gesundheit. Und wer glaubt, dass sei pure Science Fiction, dem sei ein Blick nach China empfohlen. Das Land will bis 2020 so ein Social Ranking System einführen.

Wichtig ist es jedoch, den Menschen nicht grundsätzlich zu misstrauen. Klar, jeder denkt irgendwie zuerst an sich, das bedeutet jedoch nicht, dass eure Mitarbeiter ständig versuchen, euch zu zerstören. Anstatt harter Kontrolle also: Vertrauen. Lasst euren Mitarbeitern den nötigen kreativen Spielraum, um ihren Job gut zu machen. Die Identifikation und ein Mindestmaß an Veranwortungsgefühl eurer Angestellten gegenüber dem Unternehmen kommen dann fast von ganz allein.

 


Julian Daum

Julian hat beruflich auf Wörter gesetzt, schreibt und liest daher oft. Meistens über Wirtschaft, Politik und Popkultur. Wohnt im Internet, geht aber manchmal raus zum Spielen.

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