Haiyti: Deutschlands nächster Rap-Superstar!?!?

Anecken, das ist etwas, was Haiyti gut kann. Schon in ihren zahlreichen Jobs vor ihrer Musikkarriere, als Lichttechnikerin oder Kellnerin, hat sie die Leute mit ihrer Art gegen sich aufgebracht. „Wenn ich auf einer Home-Party bin, gibt es zehn, die mich hassen, und drei, die mich lieben“, erzählt sie. „Entweder bin ich beliebt oder nicht beliebt.“ Ausrufezeichen.

„Jetzt kommt der Output“

Haiyti wirkt beim Gespräch etwas weggetreten, angeschlagen, vielleicht ist sie aber auch nur erschöpft, von der Promo und dem ganzen Schnickschnack, der das kommende Album „Montenegro Zero“ nach oben pumpen soll. Jetzt wird Cash gemacht – C.R.E.A.M. Zu ihrem Album sagt sie: „Ich wollte eigentlich ein normales Album machen, ist es aber wieder nicht geworden.“ Was für ein Album ist es denn geworden? „Ein ziemlich experimentelles“, fasst Haiyti zusammen.

Experimentell. Mit diesem Wort bezeichnet so mancher Musiker oder Maler ein Werk, das sich nur schwer erklären lässt. Aber braucht es für Kunst eine Erklärung? Haiytis „Montenegro Zero“ ist – mit unserer eher bescheidenen musikalischen Bildung gesagt – ein Album, das sich nur schwer einordnen lässt. In Bordsteindeutsch übersetzt heißt das: Ist das noch Rap oder wtf? Das Album ist einerseits: Gangstergefecht straight aus der Hood. Andrerseits: Pop am Rande Mainstream-kompatibler Radiofrequenzen. So viel zum Thema Uneindeutigkeit – Feuilletonisten bekommen feuchte Hände.

Shoot me, if you can: Haiyti bei Aufnahmen für ihr Debütalbum (Foto: Tim Brüning)

Uneindeutigkeit ist aber auch ein Trend, oder sagen wir, eine Spielart moderner Musiker. Seitdem im deutschsprachigen Raum Mundartisten wie Money Boy oder Yung Hurn durch die Rap-Szene stolzieren, fragen sich einige Zuhörer: Meinen die das ernst oder werde ich hier verarscht? Die neuen Helden des Hip-Hop wirken manchmal wie verwöhnte Vorstadt-Kids, die für ihre Performance in schrille, ironische Kostüme schlüpfen, damit herumalbern, und am Ende ihres Auftrittes oder Videodrehs die Garderobe wieder als normalste Normalbürger verlassen. Das Ganze: eine einzige Parodie auf all die hyper-maskulinen Oldschool-Hengste aus den Neunzigern.

Und bei Haiyti?

Sie sagt: „Ich erzähle von dem Leben, was ich gelebt habe.“ Das klingt nach Vergangenheitsbewältigung, nach authentischem Erzählstoff. „Ich bin aus der Phase raus, wo ich mit Gaunern durch die Straßen fetze, Benzin klaue, oder auf Hardcore-Raves gehe. Den Input hatte ich. Jetzt kommt der Output.“ Das heißt: Am 12. Januar droppt Universal „Montenegro Zero“, und dann wird sich zeigen, ob es nach dem Mixtape „City Tarif“, und anderen Veröffentlichungen, der nächste Schritt nach oben sein wird. „Bei dem Mixtape wurden alle extrem nervös“, erzählt Haiyti. Sie hatte wieder einmal einen „Rahmen für den Wahnsinn“ gefunden, wie sie es ausdrückt. Viele aus ihrem Umfeld glaubten damals, sie würde ihr Leben verfeiern. Aber nichts da. „City Tarif“ schlug 2016 ein und katapultierte Haiyti weit über Hamburgs Stadtgrenzen hinaus. Bis zur Signatur eines Vertrags bei einem Major-Label.

Am Ende unseres Gesprächs frage ich Haiyti nach der besten Rap-Punchline, die ihr gerade einfällt. Sie überlegt kurz und zitiert dann den Integrationsbeauftragen der deutschen Rap-Szene – Bushido: „Ich piss dir ins Gesicht, dann hast du deinen Sektempfang.“ Haiyti grinst.

Und an dieser Stelle endet diese Geschichte. Ganz unaufgeregt. In stiller Vorfreude auf das, was wir alles noch von Haiyti hören werden.

 

„Montenegro Zero“ ist am 12. Januar bei Universal erschienen.

 

 

 

 


René Krempin

René hat irgendwas mit digitalen Medien studiert, sollte also für die Zukunft bestens gewappnet sein. Nach mehreren anderweitigen, aber misslungenen Berufsorientierungen musste er endgültig einsehen: Journalismus ist und bleibt leider geil. In seiner Freizeit verbringt er am liebsten jede Minute auf dem Bolzplatz.

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