Human Upgrading: Dieser Cyborg zahlt sein Essen mit seiner Hand

Ok, die nächste Frage muss sein: wie sieht es mit Datenschutz aus?

Also, es ist ein Mythos, der sich da eingeschlichen hat, dass man hackbar ist wenn man Implantate hat. Daten auf Implantaten sind personalisierte Daten, also beispielsweise Gesundheitsdaten, die sonst auch auf der Krankenkarte wären. Technisch gesehen kann man hier also nichts tracken, da keine Daten versendet werden. Und wenn man Daten weitergibt, dann nur, wenn man es aktiv möchte, im Sinne von: „Ich gebe meine Krankenkarte, damit der Arzt auslesen kann, was ich bisher für Krankheiten hatte“.

Die Implantate kann man online bestellen, ein Chip-Set kostet 50 bis 90 Euro. Darin befinden sich RFID-Chips mit Spritze, Handschuhen und Tupfern. Setzen sich die Leute die Chips selbst ein? 

Naja, es gibt auch Leute, die es selbst machen, denn wir haben Anleitungsvideos dazu. Auf Wunsch kann ich auch über Skype dazukommen. Oder man geht damit zum Piercer, das ist die sicherste Variante. Es gibt aber auch Kunden, die nach Hamburg geflogen kommen und sich direkt bei uns ein Implantat holen und einsetzten lassen. Je nachdem, wie es einem passt.

Patrick Kramer setzt einer Besucherin live auf der #NW18 in Hamburg einen Micro-Chip ein

In welche Richtung wird sich die Bodyhacking-Branche entwickeln? Was wird möglich sein?

Ich glaube fest daran, dass Implantate in Zukunft eine große Rolle spielen werden und man mit einer etablierten Bodyhacking-Branche Milliarden-Umsätze generieren kann. Bis 2035 könnten Nano-Roboter im menschlichen Hirn angekommen sein: sie könnten VR-Brillen ersetzen – und Schwierigkeiten bereiten, zwischen der virtuellen und der echten Welt zu unterscheiden.

Die Implantate werden in Zukunft unser Leben massiv erleichtern. Nie mehr Schlüssel, nie mehr EC- oder Kreditkarten, nie mehr diesen ganzen Kram mitschleppen müssen, den wir in der Tasche immer dabei haben. Außerdem werden wir durch Implantate, die am Kortex des Gehirns angeschlossen sind, unsere Gehirnleistung um das Tausendfache steigern können. Wir könnten uns per Gehirnschnittstelle direkt mit dem Internet verbinden und zum Beispiel Nachrichten beziehungsweise Gedanken versenden. Das iPhone XX werden wir wohl kaum noch mit unseren Händen bedienen.

Klingt spannend und auch ein bisschen furchteinflößend.

Wir sind in Deutschland, was Innovation und Technologie angeht, echt sehr zurückhaltend und skeptisch, das ist unsere Mentalität. Aber da müssen wir nachlegen, sonst werden wir ruckzuck überholt.


Julia Berger

Julia hat irgendwas mit Literatur, Medien & Politik studiert – ist dann aber an der Bundespräsidentschaft knapp vorbeigestolpert. Die famosen Weltherrschaftspläne mussten deswegen erstmal verschoben werden und nach ein paar kleinen Kreativpausen in Asien, Südamerika und der Agenturlandschaft ist sie nun stets bemüht als Leiterin der Digital Redaktion von Business Punk unterwegs.

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