HQ Trivia zeigt, wie Liveshows auf dem Smartphone funktionieren

Und es wird besser. Drei Minuten vor der Übertragung des Super Bowl Ende Januar bekommt die App einen Werbe-Slot auf NBC – für umsonst. Vielleicht nicht ganz sauber: Warum sollte NBC dem kleinen Unternehmen zur allerbesten Sendezeit teure Slots verschenken? Ist das schon Unterwürfigkeit vor dem kleinen Aggressor? Es wurde gemunkelt, dass NBC sich mit Intermedia Labs verpartnern will. Denn für das eng finanzierte HQ Trivia ist bis heute kein Werbeetat vorgesehen, und Yusupov hat gegenüber „Bloomberg Businessweek“ erwähnt, dass man an einem interaktiven TV-Streaming-Konzept für Smartphones arbeite – also genau das, wonach sich im sterbenden TV die Verantwortlichen alle Finger lecken.

Noch ist HQ Trivia eher amateurhaft gestrickt. Nicht alles läuft rund: der gefürchtete „lag“, also das Ächzen der Server unter der Last der Million Live-User, die allesamt im Chat-Chor mit dem Wort „lag!“ ebendiesen kommentieren. Dann war neulich auf einmal die App aus dem App Store verschwunden. Grund: Die bei iTunes hinterlegte Kreditkarte von HQ Trivia war abgelaufen. Yusupov nennt das alles in Interviews noch achselzuckend „growing pains“. Er kümmert sich erst mal um das Wachstum. Denn HQ Trivia kann Preisgeld überhaupt nur bereitstellen, weil es sich aus einem 8-Mio.-Dollar-Funding aus dem Silicon Valley bedienen kann. Weil das noch nicht aufgebraucht ist, verzichtet man bislang in der App auf Werbung oder monetarisierbare Links zu Partnern.

Yusupov und Kroll haben vielleicht demnächst noch größere Schwierigkeiten. Denn natürlich zieht der Erfolg die Nachahmer an. Im Februar wurde bekannt, dass die Live-Streaming-App live.me mit Celebrity-Ruheständler Wyclef Jean als Moderator den Pionieren mit einem Preisgeld von 1 Mio. Dollar an den Karren fahren wollen. Das Ganze nennt sich QuizBiz, lag bei live.me lange auf den Schreibtischen rum, und erst mit dem Erfolg von HQ Trivia ist einem dort bewusst geworden, was sich alles damit anfangen ließe. Auch für Yusupov ist eine regelmäßige Ausschüttung von 1 Mio. Dollar denkbar, wenn erst einmal andere Geldtöpfe angezapft werden können. Er wehrt sich aber bislang noch konsequent, Namen zu nennen oder Gerüchte zu kommentieren. Yusupov weiß, dass er und Kroll in einer beneidenswerten Situation sind: Alle wollen Teil von HQ Trivia sein. Es scheint, er wisse, wie man das in der Gegenwart angeblich Unmögliche schafft: aus Entertainment-Programmen Pflichttermine zu machen.

Nach wie vor bleibt der Eindruck, dass das alles aus Spaß passiert. Ein bunter, hingeschusselter Wurf, den eine schnell wachsende Gemeinde von Early Adoptern gerne annimmt. Zweimal am Tag die App aufmachen, In-Jokes im Chat feiern, leicht gefordert sein. Am Ende geht es nicht um die paar Dollar, die man gewinnen kann. Die ganz große Kohle lässt sich woanders zocken. Rogowsky sagt: „Es ist eine seltene Leistung, HQ-Trivia-Champion zu sein.“ Stimmt. Leider, wie einem Abend für Abend schmerzlich bewusst wird, wenn man den Wecker auf kurz vor 2 Uhr in der Nacht stellt. Dann nämlich kommt die nächste Runde mit Rogowsky. Vielleicht klappt es ja dieses Mal.

Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe 02/2018. Darin porträtieren wir Lea-Sophie Cramer, Gründerin von Amorelie. Nach der Übernahme durch ProSiebenSat.1 soll sie die Konzerntochter zu einer Lifestylemarke ausbauen. Außerdem: Quiz-App HQ Trivia, Schauspieler Bryan Cranston, DJ-Gott David Guetta und wie immer viele weitere Geschichten. Mehr Infos gibt es hier.


Alexander Langer

Alexander ist Redakteur bei Business Punk, wo er vor allem den Teil Play Hard betreut. Vorher hat er sich durch den Berliner Startup-Dschungel gehangelt, war außerdem bei 11Freunde. Noch weiter davor tausend Jobs, von denen er dir gerne mal ausführlich erzählt, wenn du nicht aufpasst.

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