Pocketschange: Diese Amerikaner wissen, wie man hip über Geld spricht

Da zeigt sich wieder: Kinder sind interessierter an Geld, als wir denken. Schon im frühen Alter wollen sie die Kontrolle über ihr Vermögen haben. Da überrascht es kaum, dass bereits Sechsjährige völlig besorgt zu Pocketschange kommen und sagen: „I’m really bad in money.“

Das Problem sind dabei oft die Grown-ups. „Sie bombardieren die Kinder mit Feedback, was sie mit Geld machen sollten, sparen oder ausgeben“, weiß Capalad. Sozialisation ist alles. Das spürte auch Kushner als Kind karibischer Eltern. „Als ich zum College in die Staaten gezogen bin, hatte ich keine Kreditkarte, weil ich dachte, das wäre eine schlechte Sache“, erinnert er sich und erklärt, dass viele karibische Menschen Kreditkarten verteufeln.

Teste deine Money Personality

Geld ist für jeden ein Stressfaktor, sagt auch Finanzplanerin Capalad. Sie coacht sowohl Millionäre als auch stark verschuldete Menschen und sieht dabei immer die gleichen Stressoren. Denn es kommt nicht auf das Vermögen oder Alter an, sondern auf die Money Personality, also die eigene Beziehung zum Geld. Ist man Complicator, Paper Chaser, Contemplator oder Money Monk? Capalad, Ferrero und Kushner haben vier Typen entwickelt und lassen ihre Teilnehmer am Anfang jedes Workshops einen Money Personality Test machen.

Capalad nennt sich selbst einen Complicator: eine Person, die sich ständig sorgt, nicht genug Geld zu haben. Das war schon als Kind so, obwohl ihre Eltern damals alles für sie bezahlten: „Jeden Tag habe ich zwei Dollar für das Mittagessen in der Schule bekommen. Aber anstatt diese für Lunch auszugeben, habe ich einen Cookie für 50 Cents gekauft und den Rest weggesteckt. Ich dachte, vielleicht brauche ich es eines Tages.“ Heute lacht sie über diese Geschichte.

Seit sie ihre Money Personality kennt, kann sie besser mit ihrem Geld umgehen und lebt etwas mehr laissez-faire. Reich sind die drei Coaches zwar trotzdem noch nicht, aber gehen immerhin bewusster mit ihrem Geld um. „Als Money Monk und Musiker habe ich mich unter Wert verkauft. Ich habe nur das Geld genommen, was ich zum puren Überleben brauchte. Seitdem ich das erkannt habe, fordere ich mehr“, berichtet Kushner.

Und welche Money Personality hast du?

Über ihre persönlichen Learnings versuchen sie ihren Schülern zu zeigen, wie einfach sie Herr über ihr Geld werden können. Die Money Personality enttarnt aber auch gleichzeitig die persönlichen Werte. „Wofür du Geld ausgibst, zeigt, was du wertschätzt“, sagt Capalad. Kaufst du zum Beispiel dein Wasser bei einem lokalen Händler oder in einer großen Supermarkt-Kette? Auch Kinder setzen schon Prioritäten, allerdings etwas andere als Erwachsene, berichtet Ferrero von ihren amüsanten Erlebnissen im Klassenraum: „Für manche Kinder haben Hot Cheetos höchste Priorität. Für die Kunstinteressierten unter ihnen sind es Art Splashworlds und für andere sind Earbuds sehr wichtig.“

Pocketschange bietet allerdings auch intergenerationelle Workshops für die Kids und ihre Eltern an. Auch viele Erwachsene wollen lernen, besser mit ihrem Geld umzugehen und wie sie gut darüber sprechen können. Das zeigt auch die Nachfrage bei Capalads Budget-Brunch: Bis Oktober ausgebucht. Das Interesse an Geld kennt wohl keine Altersgrenze: Es ist nie zu spät, Millionär zu werden.


Katharina Golze

Seit Kindertagen vom Schreiben geträumt, ein bisschen bei Tageszeitung, Studi-Mag und TV ausprobiert und jetzt bei diesem hippen Magazin gelandet. Nebenbei studiert Katharina noch die Theorien von Marx und Bourdieu und improved ihre English Skills an deutschen und britischen Unis. Falls dann noch Zeit bleibt, tingelt sie durch Gassen und Museen in fremden europäischen Städten.

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