„Im eigenen Startup habe ich den Hebel in der Hand, um alle Bereiche selbst zu definieren“

Von Jenny von Zepelin

Die Karriere läuft auf Hochtouren und man ist ein angesehenes Mitglied im Team: Für viele eine Traumvorstellung. Für Victoria Dietrich allerdings ist der Reiz, ein eigenes Unternehmen zu gründen, zu groß. Die 28-Jährige hat Wirtschaftswissenschaften in Kopenhagen und Stockholm studiert. Seit gut zwei Jahren ist bei einer großen internationalen Reederei als Category Manager angestellt, für die sie auch während des Studiums schon an größeren Projekten mitgearbeitet hat. Die Hamburgerin segelt seit ihrem 9. Lebensjahr und hat es bis zur Teilnahme an den Weltmeisterschaften 2007 in Neuseeland geschafft.

Um ihrem Traum vom Gründen ein Stück näher zu kommen, bewirbt sie sich schließlich für das Grace Summer Camp. In diesem neuen Förderprogramm, das die Berliner Strategieagentur Ignore Gravity initiiert hat, bekommen Gründerinnen, die ein digitales Startup gründen wollen zwei Wochen lang ein intensives Coachingprogramm mit zahlreichen Mentoren. Business Punk ist Medienpartner und auch in der Jury vertreten – unsere Autorin hat Victoria auf ein Interview getroffen.

Victoria, darf Dein Chef nicht wissen, dass Du an einem Gründerinnen-Wettbewerb teilnimmst oder warum willst Du den Namen Deines Arbeitgebers nicht nennen?

Mein Chef weiß Bescheid und der Name des Unternehmens ist auch kein so großes Geheimnis. Aber hier geht es um mich und meine Entscheidung, ob ich den Sprung ins Unternehmertum wage oder nicht.

Kannst Du trotzdem kurz erklären, was Du in Deinem Arbeitsalltag als Category Manager machst?

Ich bin in einer Serviceabteilung, die intern für den Einkauf von Dienstleistern wie Unternehmensberatern, Steuerberatern oder Anwälten zuständig ist. Ich habe schnell Verantwortung übertragen bekommen, als ich das Team vor rund zwei Jahren mit aufbauen konnte. Außerdem leite ich die Integration einer Firma, die wir kürzlich übernommen haben.

Die Konzernkarriere läuft schon auf Hochtouren. Warum tüftelst Du trotzdem an Geschäftsideen?

Dieses Feuer habe ich schon lange in mir. Wir haben in meiner Familie am Küchentisch immer über Probleme und deren Lösungen diskutiert. So bin ich aufgewachsen. Durch mein Studium, die Praktika, Projekte und den Job wachsen meine Erfahrungen, aber auch mein Zutrauen in meine Fähigkeit etwas Eigenes aufzubauen.

Warum ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür?

Ich bin 28 Jahre, habe ein paar Erfahrungen, aber noch keine drei Kinder. Da kann ich auch mal ein Risiko eingehen.

Was kannst Du mit einem Startup erreichen, was im Konzern nicht möglich ist?

Im Konzern kann ich viel lernen und auch an einigen Stellen zu Verbesserungen beitragen. Aber im eigenen Startup habe ich den Hebel in der Hand, um wirklich alle Bereiche selbst zu definieren.

Du hast die zwei Wochen im Grace Summer Camp genutzt, um einige der anderen Gründerinnen von Deiner Idee zu begeistern. Warum gehst Du nicht allein in den Pitch?

Ich bewege diese Idee seit einem Jahr in meinem Kopf. Aber ich bin ein Teamplayer und möchte das im Team angehen. Es handelt sich um die Aufbereitung eines gesellschaftlichen Tabus, und für die Umsetzung der Idee zähle ich auf die gemeinsamen Kompetenzen des Teams.

Die Teilnehmerinnen des Grace Summer Camps 2018. Foto: Johannes Erb

Ob in Vollzeit oder Teilzeit – ein Startup aufzuziehen, kostet viel Kraft. Woher nimmst Du die?

Das habe ich früh trainiert. Als Jugendliche habe ich professionell gesegelt und war häufig an fünf Tagen pro Woche unterwegs. Dabei habe ich mich von Klasse zu Klasse weitergekämpft. Ich habe die Schule gut geschafft und beim Segeln war ich mit 17 Jahren im Frauenteam bei den Weltmeisterschaften in Neuseeland. Dabei gab es aber auch Rückschläge. Als ich die Qualifikation für eine Europameisterschaft nicht geschafft habe, tat das weh. Aber daraus habe ich wieder Kraft gezogen und einen neuen Anlauf genommen.


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