Leadership & Karriere Dieser Gründer will mit Bux den Aktienhandel zum Langeweiletöter machen

Dieser Gründer will mit Bux den Aktienhandel zum Langeweiletöter machen

Spekulieren an der Börse ist bislang was für Finanzgeeks. Das will die bunte Trading-App Bux ändern. Und Gründer Nick Bortot hat gute Argumente, warum Aktienhandel der nächste große Langeweiletöter werden könnte.

Es gibt da dieses eine Zitat, das Nick Bortot derart treffend findet, dass er es jedes Mal verwendet, wenn er irgendwo irgendwem sein Produkt erklären muss. Die Geschichte geht so: Als er vor einiger Zeit bei einem Event dem Hamburger VC Christian Miele von Eventures gegenüberstand und dem seine Trading-App Bux näherbringen wollte, nickte Miele und nickte und nickte und sagte dann nach einer Weile: „Ihr wollt also das Ben & Jerry’s der Finanzwelt sein.“ Genau, sagte Bortot und war heilfroh, dass es jemand so griffig verstanden hatte. Und eigentlich kann an der Stelle auch schon jeder weitere Beschreibungsversuch mit genau diesem Claim enden. Denn damit ist Bux eigentlich ganz gut umrissen: Bunt. Fröhlich. Intuitiv zu begreifen. So wie die Eismagnaten aus den USA es geschafft haben, Zuckerkonsum positiv zu besetzen, ist Bortot gerade dabei, vorrangig jungen und dem Investmentmarkt noch völlig fremden Menschen internationale Finanzmärkte schmackhaft zu machen.

Bortot sitzt im Bux-Hauptsitz in Amsterdam und sagt: „Ich habe festgestellt, dass fast jeder zumindest am Aktienmarkt interessiert ist, aber der ist allen Neulingen gegenüber bislang völlig feindlich aufgestellt.“ Wohl wahr. Niemand will einem mit 1 000 blinkenden Zahlen und Kurvenverläufen vollgestopften Monitor gegenübersitzen und überfordert sein, dort irgendwo klicken zu müssen, um ein Investment zu tätigen. Bux löst das, indem sie gestalterisch auf ein absolutes Minimum setzt: Mobile only. In der App dann nur zwei Buttons: Kaufen. Verkaufen. Mehr nicht. So simpel wie möglich. Und: Alles erst mal ohne echtes Geld, jeder startet mit 1 000 „Funbux“. Damit will Bortot nicht unbedingt den etablierten Playern wie Comdirect Kunden wegnehmen. „80 Prozent unserer Nutzer haben überhaupt keine Erfahrung mit Trading“, sagt er. „Wir holen völlig neue Menschen in die Finanzwelt.“ Und der Bedarf scheint nicht klein zu sein: Drei Jahre nach Start hat Bux schon 1,5 Millionen Nutzer.

Ein bisschen Wall Street für alle

Jetzt soll Bux natürlich nicht der nächste Poker-App-Ersatz sein, der Unmündigen das Taschengeld aus der Hose zieht. Eigentlich nimmt sich Bux eines nicht ganz zu vernachlässigenden Problems an. Das besteht in Europa schon seit Urzeiten darin, dass der Aktienmarkt einigen wenigen überlassen wird und alle anderen lieber schön die Finger davon lassen. Während in den USA das Kaufen und Halten von Aktienpaketen als völlig normale Art der Vermögensbildung gilt, haftet der Anlageform hier noch immer das Odium von George-Soros-artiger, skrupelloser Spekulation an. Lieber ­Lebensversicherung, lieber Sparbuch, dazu noch eine schöne Immobilie, ist halt was Solides, und Opa hat damit schließlich auch gute Erfahrungen gemacht. Jaja, sagen da die Experten, ja doch, und verweisen trotzdem immer wieder auf die eher großartigen als sicheren Renditen, die es an den Märkten zu holen gibt. Kennt Bortot alles. Nicht zuletzt, weil er selbst jahrelang auf der Seite zu finden war, die Leuten Aktien als sinnvolle Produkte verkauft hat. Wie also diese Kultur ändern?

Bortot erzählt von seinen eigenen Anfängen: Er wuchs an der Grenze zu Belgien auf, studierte in Amsterdam Politik. Als er dann nach ausgedehnten Reisen in Indonesien zurück in der Heimat und vor allem sehr pleite ist, lockt ihn, logisch, die Bank: Bei der Citibank, Ende der 90er die größte Bankengruppe weltweit, darf er erst mal hier und da ein bisschen kopieren und sich für ein Traineeship empfehlen. Das führt ihn bald nach Dublin, dann nach New York, wo er im Investment-Arm tätig war. Alles sehr alt, sehr seriös, sehr finanzadelig. Später, zurück in Amsterdam, hatte er „einen Chef, der meinte, dass ich in zwei Monaten meine Sachen packen müsste. Er meinte: ,Banking ist einfach nichts für dich.‘ “ Ob er jetzt noch Kontakt zu dem hat? Bortot lächelt, und man sieht ihn sich leibhaftig an die Szene damals erinnern: „Nein. Leider, leider nein.“

Egal, Wunden lecken. Aber Bortot ist angefixt, liest sich in drei Monaten alles an, was er in der Bibliothek über den US-Aktienmarkt finden kann. Als ihn dann im Jahr 2000 zwei Typen fragen, ob er nicht Lust hätte, in Amsterdam in eine neue Investmentbank einzusteigen, sagt er natürlich zu. Und die Binck Bank läuft: „Ich hatte ein Büro im Finanzdistrikt, eine Sekretärin, ein deutsches Auto, das ganze Programm.“

Bux
Gründer Nick Bortot. Foto Nick Helderman

Ganze 13 Jahre macht er dort mit, dann sieht er den Need nach einem neuen Produkt: „Binck war nicht anders als Comdirect oder Onvista, man bekommt ein Tradingtool auf den Rechner und kann von zu Hause aus handeln. Aber“ – Kursverläufe, hektische Minizahlen, blink, blink, blink – „das hat eben den Nachteil, dass sich nur Profis angesprochen fühlen.“ Hinzu kommt für Bortot eine Sehnsucht nach den Anfängen. Damit gemeint: Startup-Spirit. Junges Team. Und vor allem die Lust darauf, es allen zu beweisen, dass man Finanzgeschäfte auch „fun and fascinating“ machen kann, wie er sagt.

Der erste Schritt für ihn war nach der Gründung von Bux deswegen auch die Zusammenstellung des Teams: Nicht ausgewiesene Finance-Dudes sollen das Produkt entwickeln, sondern die, die in der Lage sind, Resonanz bei einer breiten und vor allem jungen Nutzerschaft zu entfachen: Bortot stellt Game-Designer ein. Social-Media-Menschen. Redakteure, die in der App aufpoppende Inhalte und Lektionen in verschiedenen Sprachen erstellen. Von den mittlerweile 50 Leuten im Amsterdamer Büro haben gerade mal fünf einen Hintergrund in der Finanzwelt. Dabei hätte 2013 als Anfang nicht schlechter gewählt sein können: „Das war gar nicht so lange nach dem Marktcrash, es war alles andere als einfach, Leute von einem völlig neuartigen Produkt zu überzeugen“, sagt Bortot. Er hält aber an einem Prinzip fest: dass eine starke Marke in der Lage sein kann, auch abseits vom Trend Erfolg zu haben.

Jahrhundert der Oberfläche

Sein Ansatz ist deswegen wie eingangs beschrieben radikal auf mobile ausgelegt, nimmt die Komplexität aus dem bisher oft elitären Gehabe raus. Glück auch, dass sein Produktdesigner Ramòn immer – Zweiradparadies Amsterdam lässt grüßen – mit dem Fahrrad zur Arbeit kommt und sich überlegt, dass die App doch bitte schön so simpel sein sollte, dass er auch während der Fahrt handeln kann. Prompt wird die Oberfläche derart vereinfacht, dass man alle Features mit nur einem Daumen bedienen kann. Bortot sagt: „Das 21. Jahrhundert ist das Jahrhundert der Oberfläche. Alle Software ist schon vorhanden, alles Notwendige schon erfunden. Und was wir anbieten, ist alles andere als neu: Wir machen es lediglich viel, viel einfacher. Wir sind eine Interface-Company.“

Eine Sache konnte Bortot aus seiner Erfahrung bei Citibank und Binck mitnehmen, die ihm Gewissheit für die Relevanz des Produkts verschaffte: „Damals habe ich immer wieder Kunden gefragt, warum sie überhaupt am Markt handeln. Ich habe fast nie die Antwort bekommen: Weil ich reich werden will. Stattdessen immer: Weil ich es liebe.“ Bortot fühlte sich bestätigt; als jemand, dem Trading nach eigenen Aussagen eine Tür in die Welt und der Finanzmarkt jener Pegel war, der eine sinnvolle Zusammenfassung des Weltgeschehens lieferte, sah er eine Chance, Menschen für den Handel zu packen.

Bux

Damit auch der Trading-Nachwuchs seine Zuneigung zum Markt entdecken kann, darf er – der Fahrschulmodus – zunächst nur mit den Funbux handeln. Erst später, wenn man erfolgreich alle nötigen Level absolviert hat und in der Hierarchie der App aufgestiegen ist, lässt sich mit „Serious Bux“ traden, die harter Währung entsprechen. Und über 18 Jahre alt muss man sein, um Geld auf den Account einzahlen zu können. Dass Bux auch von den Pros genutzt wird, ist laut Bortot nur sinnvoll, denn deren Bewegungen sind für allen anderen sichtbar und dienen als nachvollziehbare Lehrstücke. Er sagt: „Ich will eben auch zeigen, dass es nicht einfach ist, am Markt Geld zu verdienen.“ Der Pro-Nutzer ist durchschnittlich 29 Jahre alt, hat man bei Bux ermittelt. „Das sind Leute, die 100 000 Euro beim Broker gelagert haben und die Bux-App in der U-Bahn aus Spaß aufmachen.“ Die freuen sich, dass ein Trade via Bux bloß 25 Cent kostet, nicht 2,50 bis 10 Euro wie beim etablierten Broker.

„New Kids“ treffen auf Trading

Wie aufs Stichwort läuft ein gut gelaunter, tätowierter Typ am Glasbüro vorbei und grüßt fröhlich. Was geht? Hmm: Den hat man doch schon mal gesehen, und zwar in der TV-Werbung, die Bux seit einiger Zeit in Deutschland, dem größten Markt, und den Niederlanden ausstrahlen lässt, knallbunte, laute, „New Kids“-inspirierte 20 Sekunden mit drübergelegtem Geschrei. Uff. Egal, klappt anscheinend. Denn User sind bei Bux eben längst nicht mehr nur Leute, die eine App aufmachen, sondern Menschen, die sich zu Fans entwickelt haben. Die tatsächlich Sachen aus dem Fanshop bestellen.

Bortot weiß, wie wichtig die Bindung zu diesen jungen Typen ist: „Das sind bei uns zu 85 Prozent Jungs, die ihren Kumpels beweisen wollen, wie schlau und gewieft sie sind.“ Neulich war erst wieder ein Meet-up in Hamburg, mal wieder eins, Bortot ist bei jedem einzelnen persönlich anwesend. „Nirgends gibt es so direktes und sinnvolles Feedback wie im Gespräch mit den Fans.“ Eines muss er dort zum Glück gar nicht mehr machen: seine App erklären und den Leuten vermitteln, was er vorhat – dass er so etwas macht wie Ben & Jerry’s, bloß für die Finanzwelt.

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