DHDL-Recap: „Ich mach das groß, das bringen wir in jeden Baumarkt!“

Tapfer lächelt Lang alles weg: das fassungslose Kopfschütteln über ihre eigene Firmenbewertung angesichts der Tatsache, dass sie noch nichts verkauft hat. Thelens Skepsis-Mundverzieher (bislang der allerbeste in dieser Staffel), als sie ihre Idee von Kleidungsstücken erklärt, die per Reißverschluss rund um die Taille verbunden und so beliebig kombiniert werden können. Besäße man alle Stücke ihrer aktuellen Kollektion, so Lang, wären 18.000 Kombinationen möglich. Oder: 50 Jahre lang nie dasselbe Outfit. „Ist das nicht was“, fragt Lang. Und lächelt.

Ein Moment, der nach Tumbleweed schreit, das durchs Studio rollt. Stattdessen strebt der Schauprozess dem Höhepunkt zu. „Das kann doch jeder, jeder kann das doch”, ätzt Thelen über Trinity, dieses ungewollte Kind von Versandhausmode und Schnellfickerhose. Judith Williams stürzt sich auf den Kern der Idee: den Reißverschluss. Unflexibel sei der, so Williams, die Kundin verdammt, ja nicht zu- oder abzunehmen. Williams zupft zum Beweis am jogginghosenhaften Bund ihres eigenen Beinkleids und prophezeit Trinity Retourenquoten von 95 Prozent.

Frechheit verliert

Ein Fiasko, an dem auch nichts mehr ändert, dass Dagmar Wöhrl ein paar warme Worte für Lang findet und am Ende die Löwenmeute der Unglücklichen noch “viel Glück” und “alles Gute” hinterherheuchelt. Trinity ist fachgerecht zerlegt und öffentlich beerdigt, im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Zippers. Kein Deal. „Frechheit siegt. Aber hier hat sie verloren“, versucht sich Maschmeyer an einem abschließenden Bonmot. Lang hört ihn nicht mehr – und hätte auch keine Ohren dafür. Ihr Fazit: „Natürlich wollen wir uns nicht unter Wert verkaufen.“ Wir müssen jetzt erstmal eine rauchen gehen.

Pitch drei beginnt mit einem Rekord: Mit 79 ist Tischlermeister Rudolf Wild der älteste Gründer, der je bei DHDL angetreten ist. Sein Produkt ist die Ruwi Multiharke. Mit dem Teil kann man ohne sich bücken zu müssen Unkraut jäten und allerlei mehr. Nach 70 Jahren Gärtnerei habe der Rücken dann doch ab und an gezwickt, so sei er auf die Idee gekommen, das Gartengerät zu entwickeln, das wir rückeninvaliden Büromenschen als hortikulturelle Entsprechung des Stehdesks umschreiben möchten.

DHDL
Rudolf Wild mit dem Mordsgerät Ruwi Multiharke. Foto: MG RTL D / Bernd-Michael Maurer

Seine Multiharke stellt Wild bislang in der heimischen Werkstatt aus vorgefertigten Teilen selbst her. 400 Stück hat er im vergangenen Jahr verkauft. Die Löwen sind begeistert – exzellentes, patentgeschütztes Produkt, dazu mit 80.000 Euro für 30 Prozent eine so lächerlich bescheidene Forderung, dass man Wild als Erbe böse sein möchte, wäre dies hier nicht ein so perfektes DHDL-Rührstück.

Maschmeyer verkündet, er würde seine „ganzen Gärtner damit bewaffnen” – ist aber raus. Einen Tipp hat er noch: „Frag doch mal den Ralf Dümmel!” Vermutlich hätte es den sanften Druck gar nicht gebraucht. Dümmel macht den Deal. „Ich mache das mit Ihnen groß! Das bringen wir in jeden Baumarkt!“ Sie sind spitze!“ Das hat Spaß gemacht und zum Abgang schenkt uns Wild noch den souveränsten Abschiedsgruß, den ein 79-Jähriger machen kann, der lässig an Habtu (41) vorbeischlendert: „Bis irgendwann“.

Zieh dich warm an, Ivar

Auf den Tüftler im Blumenbeet folgen die drei Ingenieure Phillip McRae, Julian Bäßler und Thomas Poddey mit einem neuartigen Möbelsystem: Pazls heißt ihr modular ausgebautes Möbelsystem, dessen Sinn sich jedem erschließt, der einmal zu oft bei Freunden Umzugshelfer gespielt hat. Einzelne Elemente wie Regalböden und seitliche Rahmen lassen sich durch ein cleveres System aus Metallstiften und Magneten einfach zusammenklicken und wieder trennen. Keine Nägel, keine Schrauben – Aufbau easy. Echter Beziehungsretter. Aber auch ein potenzieller Ikea-Killer?

400.000 Euro möchten die drei für 20 Prozent ihres Unternehmens. Das haben sie 2015 gegründet und sind auch längst schon auf dem Markt. Über 2000 Elemente wurden bislang abgesetzt. Und Pazls Online-Möbelkonfigurator mit 3-D-Visualisierung und Drag-and-Drop-Funktionen nötigt sogar Thelen Respekt ab. Dagmar Wöhrl ist ebenfalls interessiert und lockt mit ihren Hotels, wo man die Möbel aufstellen könnte. Sie bietet den Gründern die 400.000 Euro – allerdings für 25 Prozent. Darauf halbverlegen die Jungs: „Wir würden gerne noch Herrn Thelen …“ Der macht dasselbe Angebot und bekommt den Zuschlag, sieht aber trotzdem irgendwie semi-happy aus und schreibt sich was in sein Notizbuch. Vielleicht: „Künftig vorsichtiger sein.“ Immerhin, die ausgebootete Dagmar Wöhrl nimmt es sportlich: „Aber sind nette Jungs.“


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