Natural Branding: Wie die Bio-Gurke auch ohne Plastik auskommt

Wer mit offenen Augen durch den Supermarkt geht, dem ist es vielleicht schon aufgefallen: Die Bio-Gurke steckt in einer Plastikhülle, während ihr konventionell angebautes Pendant nackt in der Kiste liegt. Und das hat einen guten Grund, der aber nichts mit längerer Haltbarkeit, unterschiedlicher Robustheit oder Schmutzabwehr zu tun hat.

Viel Müll ums nichts

Des Pudels Kern ist die Produktkennzeichnung. Um zu verhindern, dass Shopper mit kleinkrimineller Energie eine meist etwas teurere Bio-Gurke für eine gemeine konventionelle Gurke ausgeben, wird die Bio-Gurke eben unmissverständlich mit einem Haufen Plastik überzogen.

Damit könnte in naher Zukunft nun Schluss sein, denn eine praktikable Lösung zur Müllvermeidung gibt es bereits und wird in Fachkreisen auch schon heiß diskutiert: das sogenannte Natural Branding. Dabei wird mit einem Laser ein Logo oder ein Bio-Siegel in die äußerste Schickt der Schale gebrannt. Das Produkt kann so eindeutig gekennzeichnet werden, ohne dass dabei Plastikmüll anfällt. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) schätzt, dass rund 93.000 Tonnen Müll eingespart werden könnten, würden Supermärkte ihr Obst und Gemüse nur öfter lose – und unverpackt – verkaufen.

Natural Branding – Zukunftstechnologie?

Erste Supermärkte experimentieren bereits mit der neuen Methode. Edeka zum Beispiel verkauft bereits gebrandmarkte Süßkartoffeln und auch Rewe hat gebrandete Produkte im Angebot. Noch nicht ganz klar ist jedoch, inwiefern sich eine Verpackung auf die Haltbarkeit auswirkt. Zudem ist das Natural Branding teurer als das Einschweißen in Plastik.

Die größte Gefahr für diese neue Methode zur Müllreduktion könnte jedoch der Verbraucher selbst sein. Denn obwohl das Verfahren keinerlei Auswirkungen auf die Qualität der Früchte hat – nur die Pigmente der obersten Schalenschicht werden verbrannt – sind sich die Supermarktketten unsicher, wie gut die Methode angenommen wird.

Kein Wunder, kann man sich bei Verschwörungstheoretikern und hypochondernden Glutenfrei-Yuppies ohne Probleme vorstellen, dass nach Einführung irgendwer um die Ecke kommt und behauptet, die Regierung wolle uns vergiften oder Vitamine gingen verloren. Man kann nur hoffen, dass die Unternehmen die Technologie dennoch nutzen. Denn sie wäre ein kleiner Schritt in eine grünere Zukunft.

 


Ernst Jordan

Ernst schreibt gelegentlich für den Postillon. Ansonsten bespielt er noch einen ausgesprochen wenig erfolgreichen Twitteraccount (@DasErnstBeste) ausgesprochen lieblos. Dann noch ein bisschen Utopien lesen und der Tag ist gefüllt.

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