Berliner Startup launcht erste Wasserflasche aus recyceltem Plastikmüll

Eine Wasserflasche aus Plastik kaufen und dabei keinen neuen Plastikmüll produzieren: Das soziale Berliner Startup share bietet als erster Hersteller in Deutschland nur noch Flaschen aus wiederverwertetem Plastik an.

Über kaum ein Thema wird momentan so viel berichtet und an keinem so viel gearbeitet, wie an unserem Plastik-Problem. Allein hierzulande produzieren wir jährlich über 37 Kilo Plastikabfall pro Kopf, Tendenz steigend. Selbst als “Recycling-Europameister” verfeuert Deutschland über die Hälfte seines Altplastiks in Kraftwerken, statt es in einen wiederverwendbaren Rohstoff umzuwandeln. Dieses Problem möchte das soziale Berliner Startup Share Foods lösen, und zwar mit ihrer neuen Flasche. Diese kommt fast ohne neues Plastik aus und schließt so beinahe den Kreislauf aus Produktion und Recycling.

„Damit vermeiden wir über 200 Tonnen Plastikmüll pro Jahr”, sagt Share-Gründer Sebastian Stricker – und ist mit dieser Art der Herstellung First-Mover, denn eine Wasserflasche aus recyceltem Plastikmüll gab es so noch nicht auf dem Markt. Nur der Schraubverschluss enthält noch neues Plastik, für den gelten nämlich besonders strenge Zulassungsvorschriften. Doch auch die Zulassung für die Deckel aus Recyclat soll hoffentlich bald folgen.

Wiederverwertung ohne Neu-Plastik

Möglich macht das ein noch junges Verfahren: Dank spezieller Aufbereitung und Sortierung mittels Hochgeschwindigkeits-Lasertechnik kann altes Plastik nahezu vollständig wiederverwertet werden, ohne Neuplastik hinzuzufügen. Dabei unterscheidet sich das Material in Aussehen, Haptik und Geruch nicht von handelsüblichen Flaschen und bietet Verbrauchern eine umweltfreundliche und für Lebensmittel geeignete Alternative.

Das Gründerteam Stricker, Ben Unterkofler, Iris Braun und Tobias Reiner will zudem für jedes gekaufte Produkt – das Sortiment umfasst Mineralwasser, Handseife oder Bio-Nussriegel – einem Menschen in Not ein gleichwertiges Produkt bereitstellen. Dabei handelt es sich um ein Business-Modell nach dem Buy-One-Give-One-Prinzip. Eine Flasche Wasser sichert einen Tag Trinkwasser durch den Bau oder die Reparatur von Brunnen, ein Bio-Nussriegel die Verteilung einer Portion Essen in Deutschland oder in Krisenländern wie dem Senegal und eine Flasche Handseife finanziert eine Seife. Der Preis der Share-Produkte unterscheidet sich dabei nicht von gleichwertigen Artikeln. Zudem können Verbraucher – auch anders als bislang – über einen Trackingcode nachverfolgen, wo die Hilfe hingeht.

Wir haben mit Gründer Sebastian Stricker über die Herstellung und die Herausforderungen gesprochen, die das Team bei der Produktion hatte.

Euer Start-up share verkauft das Wasser ab heute nur noch in PET-Flaschen, die nahezu vollständig aus recyceltem Plastik bestehen. Wie ökologisch ist die Flasche in der Herstellung? 

Unsere neuen Flaschen aus hundert Prozent recyceltem Material haben den Vorteil, dass für sie kein neues Plastik produziert werden muss. Die Flasche besteht zu hundert Prozent aus Plastikmüll. Das klingt erstmal ungewohnt, durch das Recycling von alten PET-Flaschen und andere Plastikabfälle entsteht aber ein wertvoller Rohstoff, der in hochwertige neue Flaschen überführt werden kann – tatsächlich werden für die neuen Wasserflaschen also keinerlei neuen Rohstoffe wie Rohöl verbraucht, sondern nur das, was eh schon vorhanden ist. Wir vermeiden so rund 200 Tonnen Plastikmüll im Jahr, insofern kann man tatsächlich von einer ziemlich nachhaltigen Verpackung sprechen.

Warum Einweg und nicht Mehrweg oder Glas? Letzteres wäre doch ökologisch nachhaltiger.

Wir lieben Wasser aus Glasflaschen, aber es ist nicht so, dass Glasflaschen in jeder Situation automatisch die umweltfreundlichste Lösung darstellen. Bei längeren Transportwegen haben PET-Flaschen eine bessere Ökobilanz, wegen ihres geringeren Gewichts. Der Transport stößt dann deutlich weniger Schadstoffe aus. Was das Mehrwegsystem angeht: Das hat sich für Wasser in Deutschland einfach nicht richtig etabliert. Das meiste Wasser wird immer noch aus Einwegflaschen getrunken – und da jede verkaufte Flasche auch an einen Menschen in Not geht, wollen wir den größten Markt bedienen, um am meisten erreichen zu können.

Welche Schwierigkeiten hattet ihr ihr bei der Herstellung der Flasche?

Da gibt es zwei große Hürden. Zunächst ist es immer noch wesentlich günstiger, neues Plastik zu produzieren, als altes einzusammeln und wiederzuverwenden – so verrückt das auch klingen mag. Daneben gibt es aktuell nicht viel wiederverwertetes Plastik im Angebot. Das könnte damit zusammenhängen, dass große Unternehmen das gar nicht oder nur teilweise verwenden und darum nur geringe Nachfrage besteht. Wir wollen mit unserem Einsatz von komplett recycelten Flaschen andere Unternehmen motivieren, ebenfalls umzusteigen oder den schon verwendeten Anteil zu erhöhen. Unsere Handelspartner REWE und DM unterstützen uns da massiv. Wenn das klappt, sinkt in der Zukunft vielleicht auch der Preis für wiederverwertetes Plastik.

 

Share macht nun einen ersten Schritt in eine ökologischere Zukunft. Sebastian Stricker sagt, wenn alle großen Unternehmen nachziehen, könnten allein in Deutschland bis zu 300.000 Tonnen Plastik pro Jahr eingespart werden. Das wären dann zehn Prozent des Plastikmülls, der durch Kunststoffverpackungen anfällt. Klingt nach guten Aussichten.


Julia Berger

Julia hat irgendwas mit Literatur, Medien & Politik studiert – ist dann aber an der Bundespräsidentschaft knapp vorbeigestolpert. Die famosen Weltherrschaftspläne mussten deswegen erstmal verschoben werden und nach ein paar kleinen Kreativpausen in Asien, Südamerika und der Agenturlandschaft ist sie nun stets bemüht als Leiterin der Digital Redaktion von Business Punk unterwegs.

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