Farmako-Gründer Sebastian Diemer: “Ich habe wie bei einer Boyband gecastet“

Seriengründer Sebastian Diemer ist zurück. Sein neues Unternehmen Farmako lässt den Anbau links liegen und konzentriert sich auf die Forschung für medizinisch eingesetztes Cannabis. Ein Gespräch darüber, warum Marihuana bald die neue Tomate sein wird.

Herr Diemer, wie sind Sie auf Cannabis als Business gekommen?

Ich hatte Cannabis seit einem Jahr auf dem Schirm. In Deutschland kann man Anteile an Anbaulizenzen erwerben. Über Gespräche mit Branchenkennern bin ich darauf gekommen, dass der Anbau in Deutschland nicht so spannend ist. Denn in fünf Jahren wird wie alles auch da angebaut, wo es ökonomisch am sinnvollsten ist.

Das deutsche Klima verhindert die Wirtschaftlichkeit?

Hier werden eben das Klima und die regulatorischen Hindernisse unserer Meinung nach die höchsten Kosten pro Gramm bedeuten. Viel spannender ist der Forschungsansatz. Also wie man an der Innovationsfront dafür sorgen kann, dass medizinisches Cannabis reiner und günstiger wird, sich weiter verbreitet und einen höheren Patientennutzen hat.

Und dafür braucht man Profis?

Genau. Ich habe wie bei einer Boyband gecastet. Ich wollte gar nicht selber auf die Bühne, ich wollte die besten aus der Cannabisbranche, den besten Molekularbiologen, ich wollte Leute, die hochprofessionell Lobbyarbeit und PR betreiben.

Sebastian Diemer

So ist ein zehnköpfiges Team zusammen gekommen. Wird das reichen, wenn sich beispielsweise Bayer dazu entschließt, auf den Markt für medizinisches Cannabis zu drängen?

Wettbewerber sind für uns in erster Linie die am Markt befindlichen Player, also die Unternehmen in kanadischer Hand. Bloß sind die von ihrer Company-DNA Anbauunternehmen, Züchter. Das ist weit weg von Forschung, die Expertise müssen die sich dann einkaufen. Bei uns ist einer der Gründer schon Molekularbiologe – wir sind bei allem anders aufgestellt. Aber wir suchen natürlich weiterhin Top-Talente.

Aber wie positionieren sich die großen Pharmaunternehmen Ihrer Einschätzung nach auf diesem Markt bislang?

Von außen beobachtet findet das bisher recht zurückhaltend statt. Auch in den USA und Kanada. In den USA ist Cannabis ja noch auf Bundesebene illegal, und in Kanada gibt es keine riesigen Pharmakonzerne. In Europa wird es immer dann für Pharmakonzerne interessant, sobald es patentierbar ist und Fertigarzneimittel auf den Markt kommen können. In genau die Richtung forschen wir. Selbst wenn ein Pharmakonzern das wollen würde, könnte er nicht plötzlich Blüten oder Öle handeln. Das passt nicht auf ein Geschäftsmodell, das patentierbare, fertige Arzneimittel verlangt.

Es sind also demnächst keine Cannabis-Blockbuster-Arzneimittel von Pharma-Riesen absehbar?

Normalerweise steckt man ein paar Milliarden in die Forschung und hat dann 20 Jahre Patentrecht, wo man sich nicht um Konkurrenz oder Preissensitivität kümmern muss und das wieder reinholen kann. Das ist im Markt für medizinisches Cannabis noch ein anderes Game.

Was genau ist dann die Wette bei Farmako?

Wir denken rein pharmazeutisch. Unser Ansatz ist: Wie kann man die Qualität standardisieren und maximieren? Am Ende ist das ja eine Blüte, die von Natur aus variiert – in Konzentration, im Anbau; entscheidende Faktoren sind etwa Sonne, Wasser, Erde.

Aber ist nicht der eigentlich interessante Markt der Lifestyle-Bereich? Die Analysten von Arcview und BDS gehen davon aus, dass der weltweite Markt bis 2022 über 25 Mrd. Euro wert sein wird, alle Bereiche mit eingerechnet.

Auch da werden wir handlungsfähig sein, aber mit Farmako hat das gar nichts zu tun. Das wäre dann ein separates Unternehmen.

Das aber schon auf der Roadmap vorgesehen ist?

Ja. Beim Thema Cannabis für den Freizeitgebrauch ist der eigentlich spannende Markt CBD. Ganz ohne große Wissenschaft: Es gibt zwei Wirkstoffe beim Cannabis, THC und CBD. THC ist das, was bekannt und erforscht ist – CBD hingegen kaum. Wir denken da konkret in Richtungen, wie man CBD einsetzen kann. Die Vision: Es gibt Farmako, das pharmazeutische Cannabis, und es gibt die Good Company GmbH, die wird sich in den Bereichen Pharma, Tabak und Alkohol damit beschäftigen, wie man das natürlicher, gesünder und günstiger machen kann.


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