Farmako-Gründer Sebastian Diemer: “Ich habe wie bei einer Boyband gecastet“

Das erinnert an das kanadische Cannabis-Unternehmen Canopy Growth und deren Strategie, sich für die Entwicklung und den Vertrieb CBD-haltiger Getränke den großen Vertriebspartner Constellation Brands ins Boot zu holen.

Wir sprechen gerne mit jedem, haben aber zu Joint Ventures noch keine feste Strategie. Sollten wir sehen, dass da jemand schon mehr Expertise hat als wir, würden wir den mit reinnehmen. Schließlich ist Cannabis weltweit der am schnellsten wachsende Markt und wir werden in Zukunft eine Vielzahl an Finanzierungen, Übernahmen und Joint Ventures sehen.  In Kanada ist innerhalb weniger Monate ein Markt von 10 Mrd. Dollar entstanden, in Europa geht man davon aus, dass mit über 55 Mrd. Euro bis 2028 eine der größten Branchen überhaupt entstehen wird.

Kann man es sich überhaupt leisten, diesen Riesenmarkt zu ignorieren?

Der Markt ist in einer sehr frühen Phase und wird rapide wachsen. Gleichzeitig ist es einer der komplexesten Märkte – kapitalintensiv, hoch reguliert und Multi Milliardenkonzerne als Wettbewerber.

Jeder Fehler in diesem Markt kann schwerwiegende Folgen haben, es geht um nichts weniger als die Gesundheit zukünftiger Generationen. Man sollte also eine Kombination aus hochspezialisierte Experten, enormer Kapitalisierung und langen Atem mitbringen – das ist definitiv keine Branche für schnelles Geld oder opportunistische Gründungen.

Sehen Sie die Gefahr eines Überangebots?

Ja. Auch Kanadier sehen das auch langsam ein. Wir haben uns neulich in Toronto mit allen möglichen Leuten getroffen. Der Markt ist dort völlig verrückt. Dort sind zwei Jahre alte Unternehmen mit ein bisschen Umsatz, die mit 900 Mio. Dollar am Toronto Stock Exchange gelistet sind.

Aber das ist ein temporärer Effekt. Die Märkte sind derzeit fast leer, niemand kann liefern.

Genau. Der Bedarf wurde von der Politik anfangs unterschätzt, jetzt dauert es eine Weile, bis die neuen Facilities gebaut und in Produktion genommen werden. Somit ist ein Überangebot im kommenden Jahr nicht unwahrscheinlich. Die Preise werden dann fallen, und Cannabis zu einem Geschäft mit dünnen Margen werden – wie etwa Tomaten. Als in den USA die Prohibition für Alkohol endete, wurde auch ein großer Markt geöffnet. Die großen Brauereikonzerne, die danach entstanden, wuchsen aber nicht wegen ihres überlegenen Hopfenanbaus, sondern wegen des besseren Biers.

Weil der Anbau keine Rocket Science ist?

Ja. Das spannende sind eben Forschung und Europa. Darum sind die alle dermaßen scharf darauf, Partnerschaften mit Europäern zu schließen. Das hat uns noch mal in unserer Überzeugung bestätigt, nur Forschung und Europa zu machen und gar nicht selber anzubauen. Höchstens in einem Joint Venture: wir machen Distribution, andere das Growing. Am Ende ist Cannabis nur eine Pflanze.


Alexander Langer

Alexander ist Redaktionsleiter bei Business Punk, außerdem Autor und Host der Podcasts "How To Fix It" und "Kampf der Unternehmen"

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