Frauen müssen anders netzwerken als Männer, um erfolgreich zu sein

Netzwerken ist wichtig. Das haben inzwischen vermutlich alle begriffen. Um am Ende die guten Jobs zu bekommen, hilft es, mit vielen Menschen in Kontakt zu stehen. Immer wieder werden explizit Frauen darauf hingewiesen, wie wichtig Networking ist – denn die hätten es oftmals noch schwer, Kontakte für den eigenen Erfolg zu knüpfen.

Nun hat eine Studie, die bei Wired zitiert wird, aber etwas Neues über die Unterschiede zwischen dem Erfolg des Netzwerkens bei Frauen und Männern herausgefunden. Demzufolge ist es für Männer tatsächlich hauptsächlich wichtig, im Zentrum eines großen, gut verbundenen Netzwerks zu sein. Frauen sollten zusätzlich noch einen kleineren, exklusiveren Kreis zu ihrem Netzwerk zählen.

Der Cultural Fit muss stimmen

Die Studie hat die Mail-Verläufe von 728 Absolventen eines MBA-Programms analysiert. Die untersuchten Personen haben 2006 und 2007 ihren Abschluss gemacht. Die Jobs, die sie inzwischen erreicht haben, wurden gerankt. Insgesamt wurden 4,5 Mio. Mails gelesen und anhand dessen wurden Netzwerke nachvollzogen.

Und warum reichte es für Frauen nun nicht, gut mit anderen gut netzwerkenden Personen verbunden zu sein? Weil sie neben den relevanten Job-Informationen, noch spezifischere Informationen brauchten, um einen Job zu bekommen. Sie konnten sich in dem kleineren Kreis unter Frauen austauschen, wie Frauen in dem Unternehmen behandelt werden oder ob es gerade dabei ist, die Diversität zu erhöhen. So konnten sie sich auf die Stellen bewerben, bei denen der „cultural fit“ stimmt. Und dort entsprechend erfolgreich sein.

Männer brauchten diese zusätzlichen Informationen nicht, weil die Wirtschaftswelt noch immer männerdominiert ist und sich somit die Frage nach der Behandlung von Männern im Unternehmen gar nicht stellte.

Das heißt konkret

Natürlich wurde diese Studie in einem bestimmten Kontext gefertigt. Man könnte annehmen, dass sich die Arbeitswelt seit 2006 verändert hat und auch, dass sie in den USA anders aussieht als in Deutschland. Trotzdem könnte es auch heute und hier hilfreich sein, neben einem großen Netzwerk auch noch einen weiblichen „inner circle“ zu haben. Ähnlich ist der Ansatz bei vielen extra für Frauen konzipierten Networking-Events.

Damit dieses kleinere Netzwerk funktioniert, muss es laut Studie viel intensiver sein, das heißt es muss mehr Zeit investiert werden. Außerdem sollte ein Auge darauf gelegt werden, welche Kontakte außerhalb des Kreises bestehen, die nützlich sein könnten. Auch im kleinen Kreis ist es sinnvoll, mit Frauen verbunden zu sein, die selbst ein wertvolles Netzwerk haben.

Und woher bekomme ich so einen tollen, diversen Bekanntenkreis? Laut Studie ist es hilfreich, wenn man sich nicht nur mit den besten Freunden verbindet oder den Menschen, die direkte Kollegen sind. Man sollte sich in Situationen begeben, in denen man auch wirklich neue Menschen kennenlernt, die nicht genau die gleichen Leute kennen wie man selbst.

Das klingt anstrengend und ist es wohl auch. Bleibt nur zu hoffen, dass sich auch Frauen bald keine Gedanken mehr darüber machen müssen, wie sie in welchen Unternehmen behandelt werden.


Nele Spandick

Nele hat nichts mit Medien studiert und versucht es trotzdem. Verheddert sich häufig in philosophischen Gedankenspielen und politischen Diskussionen. Entheddert sich dann mit wirtschaftlichem Pragmatismus, down-to-earth Trashkultur-Konsum und gutem Essen.

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