Bio, Öko, Fair: Wie vertrauenswürdig sind Gütesiegel wirklich?

Gütesiegel – auf alle möglichen Produkte sind die kleinen Zeichen geklebt oder gedruckt und versprechen Bioqualität, Nachhaltigkeit und Fairness. Aber wie vertrauenswürdig sind diese Siegel wirklich? Wir haben uns informiert und herausgefunden, was man als Verbraucher wissen muss und wer wirklich vertrauenswürdig ist.

Siegel-Durchblick

Über die Seriosität eines Gütesiegels entscheidet immer bestenfalls eine unabhängige Institution. Verbraucher können sich auf Plattformen wie „Label Online“ der Verbraucher Initiative e.V. oder „Siegelklarheit“ der Bundesregierung selbstständig Informationen einholen und auf diese bauen. Wichtig ist, dass der Prozess der Siegelvergabe nachvollziehbar ist. Webseiten, die Bewertungen offenlegen und zeigen, wie und wonach geurteilt wurde, sind daher vertrauenswürdige Informationslieferanten.

Georg Abel, der Geschäftsführer der Verbraucher Initiative e.V., erklärt das so: „Label Online vergibt Siegel nach zwölf Kriterien, die man in vier Überschriften unterteilen kann: Anspruch, Unabhängigkeit, Transparenz und Kontrolle. Hinter diesen Überschriften folgen wieder jeweils drei Unterkriterien. Schlussendlich läuft es wie in der Schule, wer alle zwölf Kriterien erfüllt – quasi zwölf Punkte sammelt – ist am besten und damit besonders empfehlenswert.“

Besonders empfehlenswert

Wenn ein Siegel über die gesetzlichen Vorschriften hinausgeht – sich also um höhere Ansprüche als gefordert bemüht – gilt es als besonders empfehlenswert. Beispielhaft dafür stehen laut „Label Online“ das BEST- und GOTS-Siegel aus der Bekleidungsbranche oder auch Alnatura und Bioland im Lebensmittelbereich.

Siegel in Kritik?

Immer wieder werden Stimmen laut, die Gütesiegel kritisieren. Vor allem Aspekte wie ein erhöhter Preis bei Siegel-Produkten oder unübersichtliche und nicht nachvollziehbare Vergabeprozesse lassen Verbraucher zurückschrecken. Intransparenz ist ebenso ein Vorwurf, den viele Labels über sich ergehen lassen müssen. Nicht immer zurecht. Wichtig ist zu wissen, dass ein Siegel sich nicht nur einmal den Status „seriös“ erarbeitet, sondern – wie Georg Abel es formuliert – „einer stetig dynamischen Entwicklung unterliegt.“ Auch Gütesiegel haben in diesem Sinne ein Verfallsdatum, zu dem sie erneut geprüft und verifiziert werden müssen.

Perfektion gibt es nicht

Ein allumfassendes Siegel, das bis ins kleinste Detail auf jede Lücke achtet, wird schwer zu finden sein. Nie gab es derart viele verschiedene Lebensstile, wie heutzutage. Daher müssen Verbraucher entscheiden, auf was sie sich fokussieren möchten. Denn ein Bio-Siegel muss nicht für einen regionalen Anbau stehen und fair produzierte Produkte müssen nicht auf Nachhaltigkeit deuten. Webseiten und Initiativen wie Label Online, die DIQP oder Siegelklarheit bieten Hilfestellungen, allerdings hat der Verbraucher für sich eine eigene Verantwortung.

Abschließend dafür findet Georg Abel die passenden Worte: „Wir leben in einer Zeit der Emotionalität. Es ist immer entweder alles hochgradig fürchterlich oder hochgradig super. Die Welt ist aber in der Regel dazwischen.“

 

 


Kati Dirscherl

Kati studiert einen Mix aus Wirtschaft und Kommunikation und wusste eigentlich schon immer, dass es sie in die Journalismusrichtung treibt. Wenn sie sich nicht gerade im Schreibflow befindet oder als Meme-Meister fungiert, verbringt sie ihre Freizeit gern mit langen Spaziergängen, philosophischen Themen und absurden Dokumentationen über alle möglichen Kuriositäten dieser Welt.

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