„Ein Unternehmen lebt dann New Work, wenn es sich darum kümmert, dass seine Mitarbeiter gern zur Arbeit gehen.“

Nach der erfolgreichen Premiere 2017 findet am 7. März 2019 erneut eine der größten deutschsprachigen Konferenz zur Zukunft der Arbeit statt. In Zeiten beschleunigter Digitalisierung bietet die New Work Experience die große Bühne und zugleich eine intensive Austauschplattform zur Transformation der Arbeitswelt. Die geballte New Work Kompetenz an einem Tag: Als Redner sind u.a. Frédéric Laloux, Sascha Lobo und Michael Trautmann mit dabei. Wir haben mit Marc-Sven Kopka, Vice President External Affairs New Work SE, über den Begriff New Work und die Anfänge der Konferenz gesprochen.

Hallo Marc-Sven, wann bist du das erste Mal dem Thema New Work begegnet?

Persönlich bereits Mitte der 80er-Jahre. Ich hatte eine Banklehre begonnen und war schon bald kreuzunglücklich. Wollte was anderes machen, denn ich hatte schon damals das deutliche Gefühl, es ist eine Verschwendung von Lebenszeit, wenn man große Teile seiner Zeit für etwas aufbringt, das einem nichts bedeutet. Der damalige Zeitgeist hatte damals wenig Verständnis für meine Haltung. Ich zog das aber durch, verließ die Bank und begann ein geisteswissenschaftliches Studium. Weil mich das faszinierte. Als ich dann vor etwas mehr als sechs Jahren begann, mich intensiv mit der Idee von New Work zu beschäftigen, sprach mich das folglich sofort sehr an.

War dir damals schon klar, dass New Work ein so zentrales Thema sein könnte? 

Ja, das war schon naheliegend. Denn wir erlebten damals, dass immer mehr Mitglieder unter Karriere nicht länger nur höher, schneller, weiter verstanden, sondern nach etwa suchten, das zu ihrem Leben passte. Dass manche Menschen eher weniger arbeiten wollten, andere nach Selbstverwirklichung suchten, und das unabhängig vom Salär, nach Flexibilität. Und natürlich gab es weiterhin diejenigen, die eine klassische Karriere anstrebten. Diese Fragmentierung, die Individualisierung des Themas Arbeit war deutlich sicht- und spürbar. Das war eindeutig nicht mehr Old Work.

Wann hattet ihr die Idee, eine Konferenz zum Thema zu machen?

Der Ausgangspunkt war die Gründung unseres Ideenlabors unter der Schirmherrschaft von Thomas Sattelberger. Er hat, gemeinsam mit unserem CEO Thomas Vollmoeller, zum 1. Mai 2013 einen Handelsblatt-Artikel veröffentlicht mit dem Titel: Eine andere, bessere Welt. Sie riefen dazu auf, einen Dialog in Gang zu setzen, der „nicht an ideologischen Grenzen oder Denkmustern von Fachdisziplinen haltmacht“ und „alle betroffenen gesellschaftlichen Akteure involviert“. Denn dass wir in Zukunft anders arbeiten, steht fest. Nicht aber, ob das dann besser sein wird als heute. Um die Weichen richtig zu stellen, musste ein Dialog her. Und da wir ganz gut Plattformen bereitstellen können, auf denen sich Menschen austauschen, haben wir damals unser New Work Engagement gestartet. Zunächst mit dem New Work Award für zukunftweisendes Arbeiten. Und dann wurde das Event zur Preisverleihung wurde immer größer. So dass wir 2017 dann so weit waren, die erste NWX zu veranstalten, damals noch in Berlin.

Marc-Sven Kopka, Vice President External Affairs New Work SE

War euch klar, dass das so ein Riesen-Event werden? 

Wir hatten uns durchaus Hoffnung gemacht, dass es auf einiges Interesse stoßen würde. Sonst hätten wir es ja auch nicht versucht. Dass die NWX aber nach kürzester Zeit die – meines Wissens – größte Veranstaltung zum Thema Zukunft der Arbeit werden würde, hatten wir natürlich nicht zu träumen gewagt. Was aber zeigt: Das Thema bewegt viele Menschen. Kein Wunder, schließlich verbringen wir vielfach mehr Zeit im Kontext der Arbeit, als mit Freunden und Familie.

Wie hat sich der Begriff New Work in den letzten Jahren verändert?

New Work ist viel präsenter geworden. Das Thema wird ernst genommen. Und das auch von Unternehmen, die nach meinem Eindruck lange her skeptisch waren. Und das ist gut so!

Wie würdest du ein Unternehmen definieren, dass New Work lebt?

Ich würde das sehr einfach formulieren. Etwa so: Ein Unternehmen lebt dann New Work, wenn es sich darum kümmert, dass seine Mitarbeiter gern zur Arbeit gehen. Wenn sie dort das tun können, was ihnen etwas bedeutet und was sie wirklich, wirklich tun wollen. Wenn sie Mensch sind und keine Human Ressource.

Nach 2018 findet die New Work Experience das zweite Mal in der Elphi statt. Was ist dieses Jahr neu?

Mit mehr als 1.800 Teilnehmern, 50 Rednern, rund 40 Vorträgen und jeder Menge Workshops wird die NWX in diesem Jahr die bislang größte sein. Nachdem wir letztes Jahr der Auftakt in der Elbphilharmonie und das Nachmittagsprogramm dann an verschiedenen Orten in der Hafencity stattfand, bleiben wir dieses Jahr den ganzen Tag über in der Elphi. Dort bespielen wir sämtliche Bühnen, zusätzlich stehen uns Konferenzräume im angrenzenden Hotel zur Verfügung für kleinere Formate wie Masterclasses. Weil das noch nicht gereicht hat, liegen noch zwei Barkassen auf der Elbe. Wir beleuchten das Thema auch in diesem Jahr wieder aus den unterschiedlichsten Perspektiven – es sprechen zum Beispiel ein Hirnforscher, der ehemalige Außenminister Joschka Fischer, bekannte Personalverantwortliche großer Unternehmen geben Einblicke in die Praxis, wir haben Wirtschaftsphilosophen, New Work Pioniere – und abends wird im Mojo Club ordentlich gefeiert. Auch das gehört zur NWX.

Neulich hat sich das Unternehmen Xing einen neuen Namen verpasst: New Work SE. Warum? 

Unser Unternehmen ist mittlerweile viel mehr, als die Plattform XING. Das machte eine Umfirmierung nötig – und die Frage war: Wie soll das Unternehmen, das all die Marken steuert, heißen? Und es wurde rasch deutlich: Die Klammer, die alles verbindet, ist das Thema New Work. Frei nach Frithjof Bergmann, auf den der Begriff New Work zurück geht, geht es bei all unseren Marken darum, Menschen zu helfen, das zu tun, was sie wirklich, wirklich tun wollen. Das ist das Ziel aller Angebote. Deshalb lag der Name für uns sehr nah. Übrigens behalten alle unsere Produktmarken ihre Namen, die Umfirmierung betrifft nur das Unternehmen. Unser Anspruch ist es, die New Work Bewegung weiter zu stärken und sie noch präsenter zu machen. Und das weiterhin gemeinsam mit allen, die sich mit dem Thema beschäftigen und etwas dazu zu sagen haben.


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