Mit dieser App soll der Dating-Markt revolutioniert werden

Der Online-Dating-Markt boomt. Gefühlt unzählige Plattformen gibt es mittlerweile, die einen die Liebe fürs Leben oder zumindest einen One Night Stand versprechen. Der Haken liegt allerdings darin, dass all diese Möglichkeiten stark von Männern dominiert sind. Die Gründerin Clémentine Lalande hat sich diesem Problem angenommen und eine Lösung dafür kreiert. Wir haben mit ihr über ihre Idee zu Pickable und die Zukunft von Dating gesprochen.

Clémentine, wie bist du auf die Idee für Pickable gekommen?

Ich habe zuvor schon ein anderes Dating-App-Startup gemanaged und mich mit tausenden von Frauen getroffen. Da war ich schockiert, wie männerdominiert die Dating-Apps heutzutage sind. Die Frauen, mit denen ich gesprochen habe, hatten ein immens großes Bedürfnis nach Veränderung – um konkret zu werden: mehr Privatsphäre, Diskretion und vor allem Kontrolle. Ich habe mich dann dazu entschlossen, dass es Zeit für einen Gamechanger ist und Pickable ins Leben gerufen. Eine App, die die Privatsphäre von Frauen schützt und ihnen die Möglichkeit bietet, anonym zu browsen.

Warum revolutioniert deine App die Dating-Welt?

Mit Pickable können die Frauen komplett anonym – also ohne persönliche Daten und gar ohne Anmeldung – durch männliche Profile stöbern. Das bietet eine sorgenfreie Dating-Erfahrung, die nahtlos, komfortabel und privat ist.
Männer können in der App keine Profile durchschauen und müssen darauf warten, dass sie kontaktiert werden. Erst dann sieht der Angefragte ein Bild der Frau und kann die Chat-Einladung entweder annehmen oder ablehnen.

Hast du schonmal Dating-Apps genutzt? Wenn ja, was war deine beste und schlechteste Erfahrung?

Ja, habe ich. Die beste Erfahrung war ein Match in Berlin mit einem meiner Lieblingsmusiker, in der Nacht vor seinem Gig. Aus diesem Treffen hat sich dann eine Freundschaft entwickelt.
Die schlechteste Erfahrung war definitiv mit einem Kerl, der während des Dates einen Anruf erhalten hat und dann gegangen ist. Das Problem: Der Anrufer war seine Frau.

Clémentine Lalande, Gründerin von Pickable/ ©David AROUS

Wie wird sich Dating deiner Meinung nach in den nächsten Jahren verändern?

Ich habe im Online-Dating-Bereich nun schon eine ganze Weile gearbeitet. Es ist großartig, aber es gibt auch noch Platz nach oben, um neue Tools zu integrieren. Der Markt wird größer. Beziehungen verändern sich, es gibt weniger sozialen Druck, eine Heirat ist nicht mehr zwingend notwendig. Persönliches Glück wird immer wichtiger und die Bereitschaft, für einen Partner Opfer zu bringen, ist heute geringer. Sind Dating-Apps der Grund oder die Konsequenz? Ich denke, sie sind nur der Spiegel der Gesellschaft. Allerdings sind diese Apps im Moment noch sehr unausgereift und die Zukunft wird sicherlich nicht nur aus hirnlosen Swipen bestehen. Es ist möglich und auch wichtig, die eigenen Dating-Gewohnheiten zu überdenken und auch ein wenig zu fordern.

Was eine für eine Rolle spielt Pickable in die Sachen Women Empowerment?

Eine sehr wichtige. Es gibt andere Apps, die behaupten, frauenfreundlich zu sein, allerdings sind das meistens nur Floskeln. Wir hingegen geben die volle Macht an unsere Userinnen. Ich wollte Frauen vor unangenehmen und seltsamen Interaktionen schützen, die leider sehr gängig geworden sind. Außerdem können weder der Ex, die Kollegen oder der Boss sehen, dass man auf der Plattform aktiv ist. So brauchen Frauen keine Angst haben, gesehen oder verurteilt zu werden.

Welche Kritik müsst ihr euch anhrören?  

Manche sagen, wir würden Männer diskriminieren – aber das ist nicht der Fall. Pickable bietet für Mann und Frau Vorteile. Männer müssen keine Zeit mehr in stundenlanges Swipen investieren und können sich bequem zurücklehnen und warten, bis sie ein Foto oder eine Anfrage erhalten. Außerdem können sie dann immer noch entscheiden, ob sie mit der Frau in Kontakt treten wollen oder nicht.

Pickable legt sehr viel Wert auf Datensicherheit. Daher gibt es auch keine Verbindung zu Facebook oder Instagram. Wie genau finanziert ihr euch? 

Richtig, wir haben keine Verbindung zu Facebook oder Instagram. Und wir werden auch niemals mit den Daten unserer Kunden Geld verdienen. In Zukunft werden wir allerdings kostenpflichtige Tools integrieren, die auch die User-Erfahrung verbessern.

In vielen Ländern ist Pickable bereits nutzbar. Was sind eure Zukunftspläne?

Haha, ich hoffe natürlich, in ein paar Monaten wird es uns überall geben. Wir sehen viel Potenzial in den angelsächsischen Ländern und glauben, dass unsere Women Empowerment Message dort gut ankommen wird. Aktuell ist Pickable in Frankreich, England, Italien, Deutschland, Belgien, Österreich und der Schweiz verfügbar.


Kati Dirscherl

Kati studiert einen Mix aus Wirtschaft und Kommunikation und wusste eigentlich schon immer, dass es sie in die Journalismusrichtung treibt. Wenn sie sich nicht gerade im Schreibflow befindet oder als Meme-Meister fungiert, verbringt sie ihre Freizeit gern mit langen Spaziergängen, philosophischen Themen und absurden Dokumentationen über alle möglichen Kuriositäten dieser Welt.

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