Ablage Grace-Summer-Camp-Gewinnerin Jutta Merschen: „Wer mir kein Feedback mehr gibt, hat aufgegeben“

Grace-Summer-Camp-Gewinnerin Jutta Merschen: „Wer mir kein Feedback mehr gibt, hat aufgegeben“

Brauchen wir noch „Female Empowerment“?

Die Zahlen sagen so klar, dass Frauen an fast allen Bereichen an der Spitze unterrepräsentiert sind, ob nun in Politik, Forschung, Business oder Gesellschaft. Wenn wir „Female Empowerment“ als Ringen für mehr Gleichbeteiligung von Frauen und Männern an gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entscheidungsprozessen verstehen: Ja, brauchen wir. Dafür stehe ich auch ein.

Die Formen dafür mögen verschieden sein: Grace als Beispiel, Female Networks wie Nushu, der Female Future Force Day, firmeninterne Women’s Initiativen etc. Wenn ich bei solchen Veranstaltungen einmal den Wohlfühlfaktor von „Oh cool, ich bin mal Teil der Mehrheit hier“ überwunden habe, frage ich mich: Wie messen wir eigentlich den Impact? Wie stellen wir sicher, dass wir nicht eine neue „female-only“-Kultur aufbauen, die meines Erachtens nicht erstrebenswert ist, wenn ich an meine berufliche Zeit in reinen Frauenteams zurückdenke. Und die ich auch für meine drei Söhne nicht will, wenn sie größer sind. Unser Ziel muss sich gegenseitig stärkende Diversität sein.

Zum Thema Gleichbeteiligung brauchen wir auch eine neue Diskussion: Family Empowerment. Wie oft wurde ich – und zig andere Frauen in Führungspositionen – schon gefragt, wie wir das denn „mit den Kindern“ machen würden. Mein Mann wurde das noch nie gefragt. FamilyPunk will auch eine gesellschaftspolitische Rolle übernehmen und Diskussionen anstoßen, wie Eltern Familie und Beruf gestalten können und wie Unternehmen die Agilität, der sie sich verschreiben, für mehr Family Empowerment nutzen können, weil das auch mehr Frauen empowert, ihren Weg zu finden.

Wie wichtig waren für dich Mentor*innen?

In meiner Zeit bei McKinsey hatte ich immer wieder großartige Mentoren, sowohl während der Beratungszeit, als auch später im Technologiemanagement, oft über mehrere Jahre – und sowohl männliche als auch weibliche Kolleg*innen. Als Gründerin erlebe ich Mentoring bisher als sprunghafter – ich nehme überall kleine Weisheiten auf und versuche, daraus ein sinnvolles Gesamtbild für mich zu bauen. Manchmal mit gutem, manchmal mit mäßigem Erfolg. Auf die eine wegweisende Mentoringbeziehung der letzten sechs Monate kann ich nicht verweisen. Kommt Zeit, kommt Mentor*in.

Nicht alle Sachen funktionieren immer so, wie man sie sich vorstellt. Wie gehst du mit Kritik und hartem Feedback um?

Wenn ich weiß, dass Feedback kommt, versuche ich, zwei mentale Anker bei mir zu setzen: erstens, Feedback erhalten heißt, dass jemand anderes an meiner Entwicklung interessiert ist. Wer mir kein Feedback mehr gibt, hat aufgegeben. Zweitens, ich kann von Feedback nur lernen und habe nichts zu verlieren.Schwierig finde ich es aber immer noch, wenn hartes Feedback von der Seite geschossen kommt, wenn man es nicht erwartet. Eine ehemalige Kollegin sprach dabei vom „amygdala hijack“, den man dann erst mal üb erwinden müsse, um konstruktiv damit umzugehen. Das ist übrigens auch ein großes Thema im Familienleben: wie reguliere ich mich als Eltern selbst, um sinnvoll zu intervieren.

Was rätst du Frauen, die gerade erst anfangen, ihre Idee zu entwickeln?

1. Finde heraus, was du willst. Warum willst Du gründen, was bringt Dich dazu, jeden Morgen dafür aufzustehen?
2. Sprich mit deinen Kunden. Feedback zur Idee ist gut, Kundenfeedback ist besser. Haben deine Kunden das Problem, das du lösen willst, wirklich?
3. Umgib dich mit Leuten, die dich unterstützen. Gerade am Anfang, wenn das Team noch nicht steht, hilft es, sich Sparringpartner zu suchen.

Das Interview ist im Rahmen des Grace Summer Camp entstanden, bei dem wir Medienpartner sind.

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