Marie Nasemann: „Man trifft bei jedem Kauf eine politische Entscheidung“

Ist es problematisch, wenn Nachhaltigkeit zum Mainstream wird?

Die Frage ist, was man als Mainstream bezeichnet. Es wäre ein Traum, wenn alle Dinge nachhaltig und fair produziert werden würden. Ein Trend kann Nachhaltigkeit nicht bleiben, da der Planet begrenzte Ressourcen hat und wir sowieso alternative Lösungen finden müssen. Wenn Mainstream heißt, dass jede zweite Firma einen Sneaker aus recycelten Materialien macht, obwohl der Rest der Kollektion nicht nachhaltig ist, ist es problematisch. Das ist Greenwashing und leider das Gegenteil von dem, was wirklich grün ist.

Gibt es Unternehmen, mit denen du nicht zusammenarbeiten würdest?

Prinzipiell schließe ich keine Zusammenarbeit aus. Ich überprüfe die Marken vorher, fordere Informationen an und spreche mit ihnen über ihre konkreten Nachhaltigkeitsziele. Das heißt nicht, dass aktuell alles perfekt sein muss. Aber einen realistischen Plan muss es schon geben. Die Themen Nachhaltigkeit und Fairness sollten in der Unternehmenskultur verankert sein.

Bist du dir selbst eine gute Chefin?

Ja, ich denke, ich bin ganz gut zu mir. Meine Arbeitsmotivation schöpfe ich aus mir selbst. Das war nie das Problem. Ich tendiere eher dazu, zu viel zu machen. Mittlerweile kann ich aber mit meinem Energiehaushalt recht sorgfältig umgehen. Das war nicht immer so. Neben der Schauspielschule zum Beispiel noch zu arbeiten war damals eine ziemlich krasse Doppelbelastung und ich bin körperlich an meine Grenzen gegangen. Inzwischen habe ich verstanden, dass ich nicht alles gleichzeitig machen kann, und plane Erholungsphasen ein.

Mittlerweile hast du auch einen Mitarbeiter angestellt.

Es macht Spaß, nicht immer nur alleine vor sich hinzudoktern, sich auszutauschen und gemeinsam Ideen zu spinnen. Aber so leicht wie ich mir das Chefinsein vorgestellt habe, ist es nicht. Den richtigen Ton und Umgang zu finden, Aufgaben zu vergeben und zu kontrollieren, musste ich erst mal lernen, beziehungsweise lerne ich immer noch.

Was rätst du Berufseinsteiger*innen?

Das Wichtigste ist, an die eigenen Stärken zu glauben. Es macht Spaß, sich zu spezialisieren und die Expertin auf einem Gebiet zu sein. Das verschafft einem auch ein wichtiges Selbstvertrauen. Es dauert aber manchmal, herauszufinden, wofür man wirklich brennt. Wenn man weiß, worin man gut ist und was einem Spaß macht, heißt es Dranbleiben und einen langen Atem haben. Es lohnt sich.


Juli Katz

Juli Katz liebt Wirtschaftsthemen erst seit Kurzem, dafür aber intensiv.

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