Urlaub als Erlebnis: Wie Airbnb Destinationen fernab der klassischen Hotspots kreiert

In vielen Städten wurde Wohnraum von professionellen Anbietern in Ferienapartments umgewandelt. Durch die zahlungskräftigen Gäste veränderten sich mancherorts bröckelige Nachbarschaften zu sanierten Szenevierteln. Airbnb gilt vielen darum als Treiber der Gentrifizierung, und Städte versuchen, das Business mit den Apartments zu regulieren oder gleich ganz zu verbieten.

Um trotzdem weiterwachsen zu können und sich breiter aufzustellen, hat Airbnb sein Portfolio Ende 2016 um das Feature Experiences erweitert. In Zukunft soll das Unternehmen nicht mehr nur für Unterkünfte stehen, sondern als Plattform für den gesamten Trip dienen. Seit diesem Jahr gibt es zudem Airbnb Adventures, mehrtägige Reisen samt Unterbringung, Verpflegung und Unternehmungen. Pauschalreisen für Menschen, die Pauschalreisen eigentlich verachten. Gerade in den Experiences, die man seinen Kunden als Add-on einfach mitverkaufen kann, steckt immenses Potenzial für Airbnb. Denn eine Plattform, die nach eigenen Angaben im Schnitt jeden Tag zwei Millionen Übernachtungen vermittelt, hat einen Hebel, ganze Destinationen nicht nur zu verändern – siehe Gentrifizierung –, sondern aktiv zu gestalten.

Mit entsprechender Schutzkleidung haben auch der Natur entfremdete Großstädter beim Imkern gut lachen.

Genau das ist die Idee hinter The Italian Sabbatical, einer PR-Aktion, die die NGO Wonder Grottole und der italienische Airbnb-Ableger Anfang 2019 gestartet haben. Über die Plattform wurden weltweit fünf Volunteers gesucht, die drei Monate der kleinen Stadt Grottole, 30 Kilometer westlich von Matera, helfen sollen, die Altstadt zu revitalisieren und damit alte Traditionen und Handwerk aufrechtzuerhalten. „Im historischen Kern von Grottole leben 300 Menschen. 600 Wohnungen stehen leer. Die jungen Menschen gehen hier weg, weil sie keine Jobperspektive haben. Die Stadt ist kurz davor, auszusterben“, sagt Wonder-Grottole-Mitgründer Andrea Paoletti. Dabei gebe es viel zu entdecken, man müsse nur Möglichkeiten schaffen.

Die Aufgabe der Volunteers soll es sein, diese Möglichkeiten aufzuzeigen, den Locals zu helfen, Experiences zu kreieren, und selbstverständlich auch Aufmerksamkeit auf Airbnbs neues Geschäftsfeld zu lenken. 280 000 Bewerbungen gingen für das Italian Sabbatical ein, teilweise war der Server überlastet. „Wir hatten nie im Leben mit so viel Interesse gerechnet“, sagt Federica Calcaterra von Airbnb Italien. Dementsprechend habe das kleine Team ein wenig gebraucht, um die fünf Gewinner zu ermitteln. Nun sind Pablo aus Argentinien, Darrell aus den USA, Anne aus Australien, Remo aus UK und Helena aus Kanada seit Anfang Juni da, beworben haben sie sich aus verschiedenen Gründen: Pablo wollte dem Big City Life von Buenos Aires entfliehen, Anne Italienisch lernen und Darrell seine Wurzeln entdecken, denn sein Großvater ist in Grottole geboren worden.

Ende August geht es für die fünf wieder heim, was sie bisher mitnehmen konnten? „Das ist auf jeden Fall das Beste, was ich bisher gemacht habe. Die Locals hier sind alle superfreundlich“, sagt Pablo. Er habe Imkern und Pastamachen gelernt. Gemeinsam mit den Anwohnern wurde der Gemeinschaftsgarten wieder auf Vordermann gebracht. „Einziger Nachteil ist, dass ich mit mehr Gewicht nach Haus reise“, scherzt er und meint damit nicht sein Gepäck. Alle Experiences, die die fünf mit den Locals kreiert haben, gehen nun nach und nach online. Interessierte können sich dann die Bee-Keeping-Experience mit Rocco für 45 Euro buchen. 20 Prozent davon gehen als Provision an die Plattform.

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