Fünf Ideen, die dich zum Helden machen

Ob Mobile Banking, telefonieren, oder unterwegs Kaffee trinken: Diese Gründer verwandeln Alltags­handlungen in Heldentaten. Hier sind ihre Geschichten.

Bank mit Gewissen

Die „Tomorrow One“-Gründer verbinden Mobile Banking und gute Taten.

Foto: Michi Schunk

Michael Schweikart hat sich als Startup-Unternehmer an Speiseeis aus Stickstoff und Müsliriegeln aus Insekten ­probiert, die verrückteste ­Geschäftsidee seiner Karriere ist aber wohl: eine Bank zu gründen. Denn Geldhäuser sind ein so altes, konservatives, hochreguliertes und zuletzt krisenanfälliges Geschäft, da muss man sich als junger Gründer erst mal rein trauen.

Schweikarts Bank „Tomorrow One“ verbindet zwei Ideen: den Nachhaltigkeitsgedanken – wie ihn etwa die Umweltbank seit Jahrzehnten umsetzt – und das mobile Banking – wie es bereits die N26 Direktbank und andere anbieten. Bei Tomorrow One gibt es statt Schaltern und Weltspartag nur eine Karte zum Geld­abheben und eine App. Mit der können Kunden nach­verfolgen, was die Bank mit ihrem Geld macht – Geschäfte mit Waffen, Massentierhaltung, Kohlekraft oder Gentechnik etwa sind tabu. Und die „Inter­change Fee“, die Banken bei Kreditkartenzahlungen er­halten, fließt in Klimaprojekte. Im Jahr 2020 sollen Spar- ­sowie Investangebote folgen. Der Zeitpunkt für eine gewissenhafte Smartphone-Bank scheint perfekt: Anders als bei Insekten-Snacks sind die Kunden bereit, umzudenken und Neues zu probieren.

Smartes Phone

Wie Carsten Wald­eck das fair gebaute Handy erfand (und ein bisschen auch das iPhone).

Foto: Shiftphone

Carsten Waldeck erinnert ­einen an Jamaikas Bobfahrer bei Olympischen Winterspielen. Er tritt in einer Disziplin an, in der man sein Heimatland nicht vermutet: Waldeck produziert als Deutscher ein Smartphone, das nachhaltig ist. Dabei ist er fast fünfzig Jahre alt, und sein Firmensitz ist ein hessisches Dorf. Und dann sagt Carsten Waldeck im Interview in einem Nebensatz: „Man könnte sagen, dass ich das iPhone erfunden habe.“ Und damit meint er nicht nur, dass er schon 1992 die Idee hatte, dass man ein Smartphone bauen müsste. Waldeck erzählt, dass er die Idee auch Ende der Neunziger Jahre bei Apple vorstellte – und sich sogar die Namen iPhone und iPad für sein Konzept überlegt hatte.

Die Geschichte ist lang und wäre ein gutes Drehbuch. Sie beginnt im Frühjahr 1992, da verbrachte Waldeck nach dem Abitur einige Monate in England. „Dort habe ich nachts die nächsten fünfzig bis siebzig Jahre Technologie vorweggeträumt.“

An der Stelle könnte man ­Waldeck für einen Fantasten halten, aber es gibt zwei Arten von Visionären: Die einen ­leben in ihrer eigenen Welt, die anderen verwirklichen ihre Träume und lassen uns mit darin leben. Carsten Wald­eck und sein Bruder Samuel haben das Shift-Phone verwirklicht, ein modular auf­gebautes Smartphone, das einfaches Auswechseln von veralteten oder kaputten Bauteilen erlaubt, so fair wie möglich erzeugt wird, technologisch ernst zu nehmen und ab 444 Euro zu haben ist. Dass trotzdem mehr Menschen ein iPhone kaufen, nimmt Carsten Waldeck den Kaliforniern nicht übel. Er wurde damals auf Apples Entwicklerkonferenz eingeladen, dann verlief sich der Kontakt. Letztlich hätten sehr viele Menschen Anteil an der Entwicklung des iPhone gehabt, und Carsten Waldeck meint: „Ich glaube, niemand anderes als Apple hätte das zum da­maligen Zeitpunkt so hinbekommen.“ Sein Bruder und er haben das Shift – auch so wurde sein Traum Wirklichkeit.

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