„VR wird sich durchsetzen“ – Smudo über Virtual Reality

Inwieweit haben sich die Dreharbeiten gegenüber herkömmlichen Videos unterschieden?

Für die volumetrischen Aufnahmen mussten wir spezielle Anzüge tragen, die zwar dunkel sind, aber trotzdem Struktur liefern. So konnten die Kameras, die die einzelnen Pixel aus uns extrahierten, diese auch an die richtige Position im Raum stellen. Die Schuhe mussten entsprechend lackiert sein. Immer, wenn der Lack durch Bewegungen abgesplittert war, musste der nachgemalt werden. Ziemlich aufwändig. Die Aufnahmen selbst gingen aber sehr schnell, weil die ja von allen Seiten mit den 32 Kameras filmten.

Das Studio war unfassbar hell, wir brauchten alleine zehn Minuten, damit sich die Augen an das Licht gewöhnt hatten und wir nicht mit zusammengekniffenen Augen rumliefen. Es war auch kacke gelüftet und anstrengend da drin. Zusammen etwas zu filmen ging auch nicht, weil man sich ja immer gegenseitig verdeckt hat. Also mussten wir so Tanzsachen einzeln machen, die dann später im Rechner zusammengelegt wurden.

Es ist schon abgefahren, bei so einer Technologie in der Produktion mitzuarbeiten, die derart aufwändig ist, aber gleichzeitig zu merken, dass es noch am Anfang der Entwicklung steht.

 

Warum habt ihr ausgerechnet das Video zu „Tag am Meer“ neu aufgelegt?

Anlässlich der 30 Jahre Fanta 4 wollten wir eine Brücke schlagen, von früher zu heute. Unsere Alter Egos begegnen uns heute neu, volumetrisch abgefilmt. Deswegen lag die Insel von „Tag am Meer“ nahe. Der Videoclip selbst ist ja auch ein bisschen psychedelisch. Wir hatten mit den damaligen Effekten etwas Trippiges gemacht. Wenn es eine außergewöhnliche Erfahrung mit uns drin sein soll, sollte es auch ein Spiel mit Perspektiven sein. Deswegen dachten wir uns, dass das doch ein gutes Setting sei.

Virtual Reality hat ja wirklich etwas von einem psychodelischen Traum, in den man steigen und ihn erleben kann, oder?

Das ist ja auch das, was ich als Videogame-Fan und als Kreativ-Unterhaltungsgeschäft-Betätiger so faszinierend finde. Unterhaltung definiert sich neu. Es ist super interessant zu sehen, was kleine Programmierstudios so hinstellen und was davon kickt und was nicht.

Ein Riesenhit in der VR-Welt ist „Beat Saber“, wo man mit zwei Lichtschwertern dasteht und heranfliegende Vierecke genau im Rhythmus durchschneiden muss. Eine Mischung aus „Guitar Hero“ und „Tetris“. Das macht unglaublich Spaß, ist aber programmiertechnisch total simpel.

 

Generell scheinen es die simplen, kleinen Ideen von Indie-Entwicklern zu sein, die zu Hits werden. Von den großen Studios kamen noch gar nicht so viele Titel. Gut, „Resident Evil 7“ mal ausgenommen. Hast du das gespielt?

Das fand ich total mutig, dass sie in das fast fertig entwickelte Spiel nachträglich einen VR-Modus eingebaut haben. Ich kann das aber nicht spielen. Ich hatte mich da so hart erschrocken, dass ich taube Unterarme bekommen und mich nicht mehr getraut habe. Bethesda hat „Fallout 4“ für VR umgesetzt und das klappte zum Beispiel nicht.

Als deutschsprachiger HipHop-Pionier verstehen wir uns auch als Pionier in anderen Sachen und da war es ein tolles Ding, mal eine Virtual-Reality-Experience auf die Beine zu stellen.

 

Wo wird VR noch hingehen?

Ich bin überzeugt, dass das eine feste Form des Entertainments wird. Wenn die Brillen leichter und drahtlos ans Netz oder deiner Arbeitsstation verbunden sein werden, wird das ein Arbeitsplatztool. Vielleicht beginnt das damit, dass in fünf oder sechs Jahren in Konferenzen solche Brillen genutzt werden, um den Teilnehmern etwas zu zeigen. Wenn das ein Tool wird, was nicht mehr wegzudenken ist, wird es auch im Entertainment-Bereich richtig Fuß fassen.

Die großen Brillen, die fetten Kabel – das ist alles noch der pure Nerdism. Und selbst da scheiden sich die Geister. Aber anders als bei 3D-Displays und -Filmen ist VR viel zu immersiv und wird sich durchsetzen. Das wird allerdings noch dauern.

 

𝟑𝟎 𝐉𝐚𝐡𝐫𝐞 𝐉𝐮𝐛𝐢𝐥𝐚̈𝐮𝐦𝐬𝐭𝐨𝐮𝐫

22.05.2020 Wien Stadthalle
23.05.2020 München Königsplatz
29.052020 Zürich Hallenstadion
11.06.2020 Hamburg Barclaycard Arena
13.06.2020 Leipzig Völkerschlachtdenkmal
14.06.2020 Berlin Parkbühne Wuhlheide
19.06.2020 Meppen Hänsch Arena
20.06.2020 Köln RheinEnergie Stadion
27.06.2020 Frankfurt Commerzbank Arena
28.06.2020 Essen Stadion Essen
04.07.2020 Stuttgart Mercedes Benz Arena

 

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