Wie Konrad Bergström mit E-Yachten Luxuskunden bedienen will

Mit den knallbunten Kopfhörern von Urbanears hat  Konrad Bergström den Massenmarkt bedient. Sein neues E-Yacht-Startup setzt auf Luxuskunden. 

Hin und wieder überkommt einen das Gefühl von Bedauern, dass man nicht reich ist. Also richtig reich, so vermögend, dass man etwa kurzerhand viele Millionen Dollar in ein ehrgeiziges Filmprojekt mit Starbesetzung und A-List-Regisseur stecken kann. Das Bedauern beschleicht einen zum Beispiel, wenn man sich Konrad Bergström vorstellt, wie er frisch mit der schwedischen King’s Medal ausgezeichnet – was etwa dem Bundesverdienstkreuz gleichkommt – im Frack nach London fliegt, um dort zu versuchen, sein eigenes Kopfhörer-Imperium Zound Industries zurückzukaufen, aus dem er zuvor „entfernt“ wurde. „Zwei Tage lang bin ich dort mit der Auszeichnung um den Hals in meinem Pinguin-Outfit herumgelaufen“, sagt Bergström, und Szenen tun sich vor dem geistigen Auge auf, wie ein großer, mächtig angefressener Schwede durch das heiße, dumme, sinnlos volle London irrlichtert, um die Schmähung geradezubiegen – ohne Erfolg natürlich. Wer hat damals das Drehbuch zu „The Hangover“ umgesetzt? Wäre das nicht was für den?

Bergström schüttelt den Kopf. Verschmerzt. Reden wir über etwas völlig anderes – „über Segeln ohne Wind“, wie Bergström sagt. Denn die vergangenen Jahre hat er sich in ein völlig neues Projekt gestürzt. Seit 2012 steckt er intensiv Zeit und Geld in seine Firma X Shore, mit der er im großen Stil Elektroboote in den Markt drücken will.

E-Mobilität statt Riesenmotoren

Jetzt sitzt Bergström vor der Küste Spaniens auf der Reling des Modells Eelex 8000, das er hier erstmals öffentlich präsentiert. Es ist der Startschuss, die Yacht- und Luxusbootbranche in das Zeitalter von E-Mobilität zu bringen, ein echter Tesla-Moment: 90 Seemeilen mit einer Ladung. Bis zu 40 Knoten schnell. Kein Motorgeräusch, nur lautloses Gleiten durch die Wellen. Zudem minimaler ökologischer Footprint, weil alle verarbeiteten Materialien nachhaltig sind. Bergström sagt: „Ich habe die Firma X Shore schon 1996 gegründet und angemeldet. Aber erst 2012 habe ich gesehen, dass sich in der Autoindustrie richtig was bei dem Thema tut.“

Ursprünglich wollte Bergström in den 90ern Boote bauen, die schlicht sicherer waren. Er sah damals, dass mehr und mehr Leute Zugang zu Booten mit immer größer werdenden Motoren hatten, die eigentlich nichts hinter dem Lenkrad viel zu schneller Yachten zu suchen hatten. Bergström sah Unfall um Unfall und wollte unter dem Namen X Shore Yachten bauen, die einerseits luxuriös genug für den Zielmarkt waren, andererseits aber auch auf die unnötigen Riesenmotoren verzichteten. Diese Pläne musste er damals auf Eis legen – die Zeit war nicht reif dafür. Aber er verfolgte die Mobilitätsbranche genau. Und als er Anfang dieses Jahrzehnts mitbekam, dass die Welt ein einigermaßen erschwingliches, in Serie gefertigtes Luxus-E-Auto hervorbringen konnte, war der schwedische Unternehmer sich sicher, dass die Zeit für einen zweiten Angriff mit X Shore gekommen war.

Mit Lifestylemarken kennt er sich aus

Jetzt sitzt Bergström hier auf seinem Eelex und ist durchaus stolz. Das vergangene Jahr bei X Shore war eine einzige große Vorbereitung auf diesen Moment, und sein Team hat ganze Arbeit geleistet. So hat man schon im Vorfeld für die sehr ansprechende Homepage einen Webby Award gewonnen: schöne Drohnenfahrten, sleek-dunkle Oberfläche, und mit fünf Klicks hat man das Boot im Online-Einkaufswagen. Einziges Problem jetzt gerade: Das Eelex will nicht anspringen. Irgendwas, wie sich herausstellt, doch recht Kompliziertes mit der Software, weswegen er dazu gerade zwei Programmierer aus Österreich einfliegen lässt. Sollen die sich darum kümmern. Egal, mehr Zeit zum Erzählen.

Bergström hat die Mittel für dieses Vorhaben. Das von ihm gegründete Zound Industries hat damals die Szeneviertel mit knallbunten Kopfhörern der Marke Urban-ears ausgestattet, außerdem hat er dem Verstärkerhersteller Marshall die Lizenz für Produktion und Vertrieb von Headphones abgeluchst. Bergström und Zound Industries, muss man sagen, hatten vor einigen Jahren einen ziemlich beeindruckenden Run. „In zehn Jahren haben wir 20 Millionen Kopfhörer verkauft“, sagt Bergström. Trotz Spotify hält Urbanears nach wie vor den Rekord als „schnellstwachsendes schwedisches Unternehmen aller Zeiten“. Wenn einer weiß, wie man eine Lifestylemarke aufbaut und vor allem erfolgreich überall in die Regale bringt, dann wohl er.

Bergström, der Gelegenheitsgründer

Das alles fing schon an, als Bergström sich mit 16 Jahren entschied, die kleine schwedische Heimatstadt am Meer zu verlassen, um am Ende der Welt Karriere zu machen – in Neuseeland. „Ich wollte Profi-Surfer werden, stattdessen bin ich dort Profi-Salesman geworden“, sagt er. Sein Vater hatte in Schweden eine Surfschule mit angeschlossenem Verkauf, und Bergström importierte zwei Schiffscontainer voller Boards und Zubehör um Zubehör, bis er die beiden Inseln flächendeckend versorgt hatte. Dann spulte er das ganze Sales-Programm noch einmal in Australien ab. Und dann, dachte er, wäre es doch ganz gut, mal zu studieren. Da war Bergström noch keine 20 Jahre alt.

Während des Studiums in Schweden kaufte er einem plötzlich zahlungsunfähigen Großhändler am Zoll eine ganze Ladung Produkte der Surfmarke Quiksilver ab und wurde so auf einen Schlag der wichtigste Vertriebler in Skandinavien. Er holte sich die Rechte für weitere Brands, auch für die in den 80ern und 90ern omnipräsenten Airwalk: „Ich war deren bester Salesman. Und so habe ich auch gelernt, wie man verschiedene Marken aufzieht und positioniert, welche Marken welchen Trend bedienen können.“ Wissen, das er dann später in seinem Kopfhörer-Imperium bestens nutzen konnte. Bergström erinnert sich: „Als wir vor über zehn Jahren starteten, verschwand Musik über die immer kleiner werdenden Player oder auch gleich Smartphones in die Hosentaschen. Es gab kein Differenzierungsmerkmal. Nur unsere bunten Kopfhörer wurden zum Ausweis, mit dem man zeigte, dass man musikaffin war und sich auskannte.“


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